04.06.2020 - 10:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fitnessstudios machen sich für 8. Juni bereit

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Mit Termin ins Fitnessstudio, keine Duschen, den Mundschutz im Gesicht, wenn man den Raum durchquert: Am 8. Juni ändert sich einiges, wenn die Studios in der Region wieder öffnen. Hinter den Betreibern liegen schwere Wochen.

Andreas Beckenlechner freut sich, dass er am kommenden Montag, 8. Juni, endlich sein Fitnessstudio wieder öffnen darf. "Dann begrüße ich meine Mitglieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht."
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Er sei schon längst auf die Öffnung vorbereitet, sagt Andreas Beckenlechner mit einem erleichterten Lachen. „Meinetwegen hätte es schon längst losgehen können.“ Er ist sich jetzt schon sicher, wenn er am 8. Juni morgens die Türen zu seinem Fitnessstudio in Sulzbach-Rosenberg aufsperrt, „begrüße ich meine Mitglieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht“. Das sehe man trotz Mundschutz. Dann werde er wieder positiven Stress haben. „Und abends glücklich ins Bett fallen.“

Malerpinsel statt Gewichte heben - So nutzten Fitnessstudiobetreiber die Krise

Amberg

Drei Monate hat keiner von Beckenlechners Mitgliedern an den Geräten geschwitzt. So lange durften in Bayern die Fitnessstudios nicht öffnen, um eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern.

Beckenlechner blieb allein, vor ihm eine Kamera, die das Workout für seine rund 400 Kunden ins Wohnzimmer streamte. „Das war wichtig, um den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten und eine Möglichkeit zum Homeworkout zu geben. Und niemand sollte denken, der Andi liegt auf der faulen Haut“, sagt er lachend. Hin und wieder verbreitete er über die sozialen Medien Rezeptideen. „Damit meine Kunden in der Coronazeit keinen Schrott essen und gesund bleiben.“

Weniger Geräte und großes Handtuch

Die Mitglieder beglichen weiterhin ihren Beitrag. Auch weil Beckenlechner ehrlich erklärte: „Wenn ihr nicht mehr zahlt, bin ich pleite.“ Der Großteil habe verständnisvoll reagiert. „Wir wollen nach Corona wieder hier trainieren“, hätten ihm viele geschrieben. Seit der Schließung im März trudelten zahlreiche aufmunternde Nachrichten ein. „Teilweise bin ich gar nicht mit einer Antwort hinterher gekommen.“

In der Fitnessbranche herrscht Existenzangst

Deutschland & Welt

Der Sulzbach-Rosenberger hat sich die Hygiene-Vorschriften aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen schon vor Wochen zum Vorbild genommen, um Veränderungen im Studio vorzunehmen. Das bayerische Konzept kursierte nämlich erst wenige Tage vor Öffnung in der Branche.

„Einige Geräte sind weg, damit genügend Abstand herrscht“, sagt Beckenlechner. Er verteilte Desinfektionsspender und Aufsteller mit den Erläuterungen. Statt eines kleinen Handtuchs sollen die Kunden nun ein Duschtuch mitbringen. Er informierte auch, dass sie sich in den Stoßzeiten zwischen 16 und 19 Uhr melden sollten, um zu erfahren, wie viel los ist. Mit den Abständen sieht Beckenlechner keine Probleme: „Im Sommer ist es in Fitnessstudios sowieso ruhiger. Viele wechseln fürs Training nach draußen.“ Spannend werde es erst im Herbst. „Wenn viele zurückkommen in die geschlossenen Räume.“

Kurse im Freien

„Halb so schlimm.“ Das ist die Reaktion von Tanja Siegert, die ein Fitnessstudio in Vilseck betreibt. Die Zeit der Schließung nutzte der familiengeführte Betrieb, um Renovierungen vorzunehmen. Alles wurde neu gestrichen und eine intensive Grundreinigung stand an. „Jedes Gerät, jede Türklinke, einfach alles“, sagt Siegert lachend. „Im Prinzip ändert sich doch für die Mitglieder nicht viel.“

In ihrem Studio liegt der Fokus auf Gruppenkursen, viel Reha-Sport ist dabei. Schon bisher mussten sich die Mitglieder verbindlich dafür anmelden. Gruppe und Trainer sind – wie es die Auflagen vorschreiben – stets dieselben. „Papierhandtücher und Seife hatten wir schon immer in den sanitären Anlagen.“

Ein kleiner „überschaubarer Teil der Mitglieder“, wie Siegert sagt, trainiere an Geräten. Welche Anlagen sie wegen der geforderten Abstände entfernen muss, entscheidet sie in den kommenden Tagen. „Unsere Geräte stehen alle an großen Fenstern“, erklärt sie. Das heißt, das geforderte Lüftungskonzept will man in Vilseck lösen, indem man Terrassentüren und Eingangstüre offen lässt. „Dann muss die auch keiner beim Betreten anfassen.“

Kritik der Betreiber

Neuer Boden in der Damenumkleide, neue Motoren für die Laufbänder und neu eingezogene Zwischenwände: Burkhard Gmelch und seine Frau vom Studio Wellfine in Amberg haben die Zwangspause ebenfalls genutzt. „Ich muss schauen, dass ich bis Montag fertig werde“, sagt er mit einem Schmunzeln. Natürlich wollte man die Zeit nutzen. Nun ist er damit beschäftigt, den Mitgliedern Termine mitzuteilen, an denen sie ab 8. Juni ungestört trainieren können. Es gibt getrennte Ein- und Ausgänge, einen Spuckschutz an der Theke.

Gmelch ist aber auch verärgert und übt Kritik: Denn an entscheidender Stelle sei in all der Zeit kein Versuch unternommen worden, lokale Lösungen für Fitnessstudios zu finden. „Wir nehmen Corona sehr ernst. Aber als Baumärkte, große Möbelgeschäfte wieder öffnen durften, waren wir nicht dabei.“ Die Forderungen der Branche, lokal zu schauen, wie sich das Virus auswirke, seien in der Politik völlig untergegangen.

Viele der jetzt verbindlichen Hygienemaßnahmen zählten in seinem und vielen anderen Betrieben bereits zum Standard: regelmäßiges Reinigen der Geräte, Desinfektionsspender, Cardiogeräte, die am Fenster stehen, damit gut gelüftet werden kann. „Man darf nicht alle Betreiber über einen Kamm scheren. Wir sind keine schweißtreibende Muckibude, sondern ein modernes Studio.“

Gefühlte Neueröffnung

Gmelch und seine Frau verfielen zunächst in eine Art Schockstarre, wie er sagt. „Dass zwei, drei Wochen lang ein Kunde nicht kommt, ist normal. Das ist wie Urlaub.“ Zwei Wochen vergingen. Dann herrschte auch bei den Gmelchs existenzielle Angst. „Werden Beiträge zurückgebucht? Kommen Kündigungen? Es werden keine neuen Verträge abgeschlossen. Haben die Leute nach Corona überhaupt noch Lust auf Training?“ Es seien sorgenvolle Wochen gewesen. „In der Krise siehst du, wer ein guter Freund ist“, bemüht Gmelch den Vergleich zu seinen Kunden. „Und wir haben viele liebe Mitglieder“, sagt er erleichtert.

Umso mehr ist die Öffnung am 8. Juni für ihn und seine Frau eine gefühlte Neueröffnung des Studios. „Wir sind wahnsinnig aufgeregt und stehen an der Pforte, um die Mitglieder zu begrüßen.“ Sie würden so betreut, als wenn sie Neukunden wären – natürlich auch bedingt durch die Corona-Auflagen.

Das Wichtigste in Kürze:

Das bayerische Staatsministerium für Inneres und Sport teilt mit, dass grundsätzlich jede Sportstätte oder jeder Veranstalter ein "standort- und sportartspezifisches Schutz- und Hygienekonzept" erarbeiten muss. Die wichtigsten Änderungen, die neben eines regelmäßigen Händewaschens generell gelten, haben wir hier zusammengefasst.

  • Mindestabstand: Oberstes Gebot ist die Einhaltung des Mindestabstands von eineinhalb Metern. Das gilt innen wie außen sowie beim Betreten beziehungsweise Verlassen der Sportstätte und bei den Sanitäranlagen.
  • Mundschutz: Beim Betreten beziehungsweise Durchqueren des Raums muss ein Mundschutz getragen werden. Auch beim Gang zu den Sanitäranlagen. Nur beim Sport selbst muss sie nicht getragen werden.
  • Zugangsbeschränkung: Die maximale Belegung einer Sportstätte richtet sich nach der Größe der Sportstätte. "Sie darf zu keinem Zeitpunkt überschritten werden."
  • Umkleide und Dusche: Sie bleiben in geschlossenen Räumen geschlossen.
  • Kurse: Gruppenbezogene Trainingseinheiten oder Kurse werden innen auf höchstens 60 Minuten beschränkt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.