17.03.2020 - 16:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fleiß und Streben der jüdischen Bevölkerung

1666 darf sich der erste Jude in Sulzbach niederlassen. Wenige Jahre später entsteht eine der berühmtesten jüdischen Druckereien Europas. Die christliche Gemeinde profitiert enorm von den ansässigen Juden.

Eine der beim Brand der Sulzbacher Synagoge 1822 geretteten Thora-Rollen.

In Sulzbach, seit 1504 zu Pfalz-Neuburg gehörend und nach der Konversion von Pfalzgraf Christian August vom lutherischen zum katholischen Glauben eigenständig, erfahren wir bis in das 17. Jahrhundert hinein sporadisch von dort ansässigen oder anwesenden Juden, meist aus Prozessakten. Die neuzeitliche Gemeinde ging auf den gebildeten, toleranten und ökonomisch denkenden Pfalzgrafen Christian August zurück.

Er gewährte 1666 dem ersten Juden in Sulzbach Niederlassungsrecht. Schon im nächsten Jahr durfte ein Friedhof angelegt werden. Wenige Jahre später entstand hier eine der berühmtesten jüdischen Druckereien Europas. Die christliche Gemeinde profitierte enorm vom Fleiß und Streben der ansässigen Juden.

Schutzbriefe

Der Landesherr ließ sich seine Großzügigkeit natürlich mit Schutzgeld bezahlen. Schutzbriefe, erstmals ausgestellt 1685, galten für jeweils zwölf Jahre. Die gesamte Judenschaft stand unter "Hofschutz", das heißt die Zeremonien in Haus, Synagoge, Schächtplatz und Friedhof wurden garantiert. Der Herzog ernannte in der Folgezeit einen der höchsten Räte der Regierung zum Juden-Obmann. Aufkommende Judenfeindschaft erstickte Christian August im Keim.

1687 wurde ein Betsaal eingerichtet, bald folgte an gleicher Stelle eine Synagoge, die 1737 wegen baulicher Mängel geschlossen wurde. Der Hoffaktor Jakob Josef Schwabacher errichtete eine neue Synagoge, die 1822 dem Stadtbrand zum Opfer fiel. 1824 wurde ein Neubau am Platz des Vorgängerbaues eingeweiht.

Auflagen bleiben

Pfalzgraf Karl Theodor erhielt 1777 die bayerische Kurwürde, Sulzbach wurde bayerisch, die Regierung in Sulzbach aufgelöst, der Höhepunkt jüdischen Lebens in dieser Stadt überschritten. Die Auflagen, wenn auch in abgemilderter Form, blieben. Handelsfreiheit, Besitz von Hauseigentum und die ungehinderte Rechtsprechung in innerjüdischen Zivilangelegenheiten durch den von der Regierung ernannten Rabbiner waren jedoch weiterhin garantiert.

Die nur zwei Wegstunden entfernte oberpfälzische Hauptstadt Amberg bereitete den Juden im benachbarten Sulzbach die meisten Probleme, denn sie durften sich nur im Herzogtum Sulzbach frei bewegen. Oberpfälzisches Gebiet und das benachbarte Franken konnten nur gegen Geleitgelder, Zölle usw., zeitweise überhaupt nicht besucht werden.

Führende Lieferanten

1800 waren in Sulzbach von 118 männlichen Erwerbspersonen 3 im Geldhandel, 46 im Warenhandel, 4 als Angestellte, 12 im Handwerk, 4 im Lehrfach, 37 als Hausangestellte oder Tagelöhner und 12 in anderen Erwerbszweigen tätig oder erwerbslos. Die "Handwerker" dürften primär Metzger und Bäcker gewesen sein. Überraschend hoch ist die Zahl jüdischer Hausangestellter, den Zeitverhältnissen entsprechend gab es keine jüdischen Ärzte oder Anwälte. Doch Sulzbacher Juden wurden führende Lieferanten von Wolle für das neu geschaffene Strafarbeitshaus in Amberg. Von "liederlichen Weibern" wurde die Wolle weiter verarbeitet.

Auswanderung

Mit 356 Personen oder 30 Prozent aller Einwohner hatte Sulzbach 1809/10 den höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil. Im Edikt von 1813 wurde die Zahl der jüdischen Haushaltungen auf maximal 62 festgelegt. Auch hier zwang der Matrikelparagraph viele Juden zur Auswanderung. Mit der Gleichstellung 1861 begann der Niedergang der Gemeinde, die Juden wanderten vor allem nach Amberg und Nürnberg ab.

Hauptärgernis für alle Juden in der Oberpfalz war die restriktive Vorgehensweise der Amberger Regierung in Handelsangelegenheiten. So durften sie in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts nur einen Tag in der Woche in Amberg "hausieren" gehen, vorzugsweise am Freitag, also gerade an dem Tag, der wegen des herannahenden Sabbats nur eingeschränkt nutzbar war. Übernachten war nicht gestattet. In manchen Jahren war Handelsjuden der Zutritt gänzlich verboten.

Auf Beschwerden der Amberger nichtjüdischen Konkurrenz wurde 1753 den Juden ein Aufenthalt in Amberg an höchstens 14 Tagen im Jahr gestattet. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Für einige privilegierte Juden nahm die Regierung das Übernachtungsverbot zurück, da sie zum Beispiel notwendige Geschäftspartner des Amberger Münzmeisters waren, konnten sie sich auch auf dessen Fürsprache zum Wohle des Ärars (der Staatskasse) verlassen. (ddö)

Die Innenansicht der nach dem Brand von 1822 erbauten und 1934 der Stadt Sulzbach überlassenen Synagoge.
Das Handelspatent eines Sulzbacher Juden (aus „Juden in Amberg – Juden in Bayern“).

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