21.02.2021 - 12:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fotograf Thilo Hierstetter und seine große Liebe zum Capitol

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Am Morgen geht er von seiner Wohnung aus gern hinunter ins Capitol, trinkt dort Kaffee und träumt von einem vollen Haus. Das gibt es nicht mehr seit der Pandemie. Aber Thilo Hierstetter hadert nicht, denn er hat ein zweites Standbein.

Darauf ist Thilo Hierstetter stolz: Einen alten 35 mm Filmprojektor, der an die Goldene Kino-Zeit des Capitols erinnert.
von Helga KammProfil

Es sind Bilder, die Thilo Hierstetters Leben ausmachen. Werbeaufnahmen für bedeutende Firmen, Porträts von Menschen, die Luftaufnahmen mit seiner Drohne und nicht zuletzt die alten Plakate und Fotos von Filmstars im Foyer und im Saal des Capitols in Sulzbach-Rosenberg. Dessen Besitzer und Betreiber ist er seit wenigen Jahren, Fotograf aber sein Leben lang. „Meine erste Kamera habe ich vom Onkel zur Kommunion bekommen“, erinnert sich der 57-jährige heute. Sein Interesse war geweckt und bestimmte auch die Berufswahl. Nach einer Fotografen-Lehre bei Foto Frey in Amberg kam er als Fotoassistent zu Rosenthal in Selb, war zuständig für Werbefotos von Glas und Porzellan. Im Werbestudio Lämmel in Nürnberg agierte Hierstetter dann bereits als selbständiger Fotograf, machte in verschiedenen Studios Modeaufnahmen für Kataloge, unter anderem für Quelle.

Aufträge namhafter Firmen

Mit 37 übernahm der Sulzbach-Rosenberger im Jahr 2001 ein Großstudio in Nürnberg, hatte etliche Mitarbeiter und Aufträge namhafter Firmen wie Klingel, Bader, Neckermann und Quelle. „Zehn gute Jahre waren das“, schaut Hierstetter auf diese Zeit zurück, „mit viel Arbeit, oft auch Druck, aber mit Erfolg“. Dann kamen Schicksalsjahre, wie er sie nennt. Quelle ging Pleite, er musste auf viel Geld verzichten, das Großstudio in Nürnberg war nicht mehr zu halten. Ein kleines Studio in seiner Heimatstadt war die Alternative, Schulden und familiäre Probleme aber machten ihn krank an Leib und Seele. Aber wie es oft so ist: Eine Tür geht zu, die andere auf – für Thilo Hierstetter war es das Capitol.

Eltern Kinobesitzer

Hierstetters Eltern waren Kinobesitzer in Sulzbach-Rosenberg, bauten 1957 das „Luli“ und ersteigerten 1963 das „Capitol“. Ihre drei Kinder waren sozusagen im Kino daheim. „Mit neun Jahren habe ich meinen ersten Film vorgeführt“, erzählt Thilo und weiß sogar noch den Titel. „Unterm Dirndl wird gejodelt“ war das, amüsiert er sich. Die Krankheit und der frühe Tod des Vaters führten 1972 zur Aufgabe des Kinos in der Bayreuther Straße, das Capitol wurde an Läden vermietet. NKD, Norma, und Sport Weiß, alle hatten ihre Umbauten und Spuren hinterlassen, als Thilo Hierstetter fast vierzig Jahre später den Entschluss fasste: „Ich lege das Capitol wieder frei“.

Kinosaal und Foyer entrümpelt

Es folgten Monate, in denen er neben der Arbeit in seinem Fotostudio den großen Kinosaal und das Foyer entrümpelte und entkernte. Mit Hilfe von Handwerkern gestaltete er es zu einem stimmungsvollen Veranstaltungsraum im Stil des ehemaligen Kinos um. Er fand in dieser Zeit viele Mutmacher und Unterstützer, vor allem auch im Bürgermeister und seiner Verwaltung. „Der 50. Geburtstag von Thomas Krusche war 2013 der Start im Capitol“, blickt Hierstetter zurück.

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Durch die Gründung des Vereins „Kultopf“ boten sich Veranstaltungen an, es kam zu privaten Feiern, Konzerten, Lesungen und Sitzungen. Hierstetter: „Das Capitol war wieder zu einem Platz der Begegnung geworden, ein Ort voll Musik, Lachen und Applaus“. Als „Glücksfall“ bezeichnet der Chef sein Thekenteam. „Michaela Klein und Gina Royer sind von Anfang an mit Engagement und Freude dabei“, lobt er, und nimmt auch für sich in Anspruch, keine Veranstaltung bisher versäumt zu haben. Das muss er wohl auch, denn „das alte Haus hat so manche Marotten und ich weiß, wo jedes Licht angeht und jedes Kabel liegt“.

Luftaufnahmen mit Drohne

Heute ist Thilo Hierstetter sicher: er hat das Richtige gemacht. Mit dem Capitol, aber auch mit seinem Studio. Denn die Fotografie, seine langjährigen Kunden, sind sein größeres Standbein. Werbeaufnahmen und Luftbilder mit seiner Drohne, nicht selten auch für die Sulzbach-Rosenberger Zeitung, ab und zu einmal private Fotos, das ist die Arbeit, die ihm viel Freude macht „und die auch das weitere Bestehen des Capitols sichert“, betont er.

"Ich weiß wo jedes Licht angeht und jedes Kabel liegt."

Thilo Hierstetter über die Technik in seinem Capitol

Die Pandemie tut auch ihm weh, waren es doch im Spätsommer nur etwa fünfzehn Konzerte und Kabaretts, die vom Seidel-Saal auf das Capitol ausweichen konnten, dann war wieder alles dicht. „Allmählich werde ich schon ein wenig hibbelig, weil so gar nichts mehr passiert“, gesteht Hierstetter. Tröstet sich aber dann damit, mehr Zeit für das Homeschooling seines Sohnes Paul zu haben. Und für die Zukunft ist er zuversichtlich: „Inzwischen hat sich das Team durch meine Lebenspartnerin Gabi Erras vergrößert, und die Nachfrage zeigt schon heute, dass es nach Corona weitergehen wird mit der Kultur in der Stadt und in unserem Capitol“.

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