30.09.2020 - 08:40 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hallertauer Hopfen im Sulzbacher Kessel

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Ein Genuss, dieses zitronig-frische Hopfenbier. Der Weg dahin war mühevoll, denn beim Fuchsbeck binden und ernten sie ihren Hopfen neuerdings selbst. Familie Ertel und die Holledau - eine Geschichte zwischen Galeere und Taverne.

Juniorchef Luis packt schon kräftig mit an im Sudhaus: Erstmals darf er den frischen Holledauer Hopfen in den Fuchsbeck-Sudkessel schütten.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Armin Ertel ist sehr zufrieden nach dem ersten Schluck. Der Fuchsbeck-Bräu hat soeben die erste Probe aus dem Tank mit dem neuesten Produkt genommen, und sie ist perfekt gelungen. Wie kam es zu dem Grünhopfenbier? Ein Zeitsprung zurück ins Frühjahr bringt Aufklärung.

Der Sulzbach-Rosenberger Bräu kennt den Geschäftsführer der IGN Hopfenvermarktungs- und Vertriebs-GmbH. Der wiederum vermittelte einen Kontakt in die Holledau, genauer gesagt zu Anton Wittmann in Geisenfeld. Von dort wollte Ertel seinen diesjährigen Hopfen selbst beziehen, und das traf sich gut: Coronabedingt fehlten dort jede Menge Erntehelfer, und so machten sich die Azubis David Grundler, Jakob Sperber und Armins Bruder Hans Ertel auf, um eine Woche auf dem Hopfenfeld beim "Aadräideln" zu helfen.

Auf allen Vieren

Dabei werden die stärksten drei Triebe des Hopfens im Uhrzeigersinn um den Draht gewickelt, damit sie nach oben wachsen. "Das geschieht in 40 bis 100 Zentimetern Höhe, je nach Sorte", erzählt Hans Ertel, "und irgendwann bleibst du auf allen Vieren unten." Eine sehr anstrengende Arbeit, die auch schon mal kritisiert wurde während der durch einige Pausen unterbrochenen Zwölf-Stunden-Schichten.

Die abendliche Gemeinschaft entschädigte aber für vieles, bevor es um 7 Uhr wieder losging. "Ein Leben wie zwischen Galeere und Taverne", beschreibt es Hans Ertel.

Bräu Armin bereitete sich durch einen Besuch bei der IGN-Informationsveranstaltung zur Hopfenernte 2020 in Aiglsbach mental vor und traf dort auch Professor Ludwig Narziß (93): Der Freisinger Bierpapst ist ein weltweit anerkannter Wissenschaftler im Brauwesen und hochdekoriert. Derweilen konnte der Hopfen in Ruhe wachsen, und es nahte die Erntezeit. Die nutzte Armin Ertel, um an einem Samstag mit seinem Bruder und "Juniorchef" Luis (7) einen Betriebsausflug in die Holledau zu machen. Um 6 Uhr ging es los, dann ratterte die Ernte- und Reinigungsmaschine, es wurde ein ganzer Kombi voller Säcke mit insgesamt 70 Kilogramm Hopfen der Sorte Callista geschlichtet, und um 11.30 Uhr rollte die Truppe wieder in den Fuchsbeck-Hof ein.

Fünffache Dosis

Luis hatte die Ehre, die erste Hopfenportion in den Sudkessel kippen zu dürfen, was er auch ganz stolz tat, und dann konnte das Bier unter Aufsicht von Braumeister Sebastian Heuschneider entstehen. Mitte Oktober wird es zu haben sein als Grünhopfenbier, eine echte Premiere: fünfmal so viel Hopfen wie ein Pils, naturtrüb, ca. fünf Prozent Alkohol, ein zitronig-frischer Geschmack - eine Delikatesse. Aber es gibt nur 40 Hektoliter dieser Charge - leider. Ob nächstes Jahr wieder eine Hopfen-Aktion läuft, ist noch nicht entschieden. Vielleicht geht's ja ohne "Aadräideln".

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Hintergrund

Die Hopfensorte Callista erfreut sich unter Brauern immer größerer Beliebtheit. Der Hopfen wird charakterisiert durch eine „ausgewogene Hopfennote mit beeindruckenden Fruchtaromen nach Aprikose, Maracuja und roten Beeren“. Ein Hauch von Grapefruit rundet das Geschmacksprofil ab.

Vater und Sohn bei der Hopfenernte in der Holledau.
Armin Ertels Bruder Hans beim Andrehen des Hopfens.
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