13.11.2019 - 15:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Imker-Autorin Ulla Lachauer: "Honig ist Landschaft auf der Zunge"

Das Thema Bienen ist heute in aller Munde. Wer aber sind die Imker? Autorin Ulla Lachauer porträtiert 14 von ihnen in ihrem Buch „Von Bienen und Menschen“. Einige stellt sie bei einer Lesung im Schulmuseum vor.

Ulla Lachauer besucht Imker in verschiedenen Ländern Europas, läßt sie von ihrer Arbeit und ihrem Leben erzählen. Im Schulmuseum in Sulzbach-Rosenberg las sie aus ihrem Buch "Von Menschen und Bienen".
von Helga KammProfil

Für die Autorin ist es eine Premiere und auch für den Veranstalter Kultopf, dass eine Lesung in einem Klassenzimmer von anno dazumal stattfindet. Das Publikum erduldet die engen Bänke und sitzen - von Buchhändler Ralf Volkert beobachtet - wie zu Schulzeiten gern in den hinteren Reihen. Andreas Royer gesteht, dass auch er einer dieser Hinterbänkler war "in der dritten und vierten Klasse". An diesem Abend ist der Vorsitzende des Imker-Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg Moderator, weist aber auch auf seine sechs Ortsvereine mit rund 300 Mitgliedern hin.

Naturfreunde, Leser und Imker sind gekommen, um die Autorin und Dokumentarfilmerin Ulla Lachauer zu erleben. Seit Jahren besucht sie Imker in verschiedenen Regionen Europas, von der Ostseeinsel Gotland über die Lüneburger Heide bis in den Schwarzwald, von den französischen Pyrenäen über Kärnten bis an die slowenische Adriaküste, vom böhmischen Isergebirge bis in die russische Enklave Kaliningrad. Sie beobachtet Menschen bei ihrer Arbeit mit Bienen, lässt sich Lebensgeschichten erzählen und beschreibt in ihrem Buch auch politische Verhältnisse und Umbrüche in diesen Ländern.

Die Lebensbedingungen und -entwürfe der 14 von ihr porträtierten Frauen und Männer sind unterschiedlich: Da ist Galina, die Kolchose-Imkerin in Kaliningrad - eine Einzelgängerin, die 150 Bienenvölker betreut. Den Stuttgarter Tobias Miltenberger, der nach einer Sinnkrise vom Autobauer zum Stadtimker wird, sieht Lachauer ohne Schleier arbeiten, "mit zwei Stacheln auf der Stirnglatze und etwas gerötet". Sie beschreibt den "Bienenkönig" im slowenischen Ljubljana, der in der Tito-Ära mit 17 Jahren jüngstes Mitglied in einem Imkerverein war, "einem Dissidentenclub, in dem über alles geredet wurde, nicht nur über Bienen". Und dann die Begegnung mit dem Imker aus Syrien in ihrem derzeitigen Wohnort in Lüneburg. In seinem Heimatland seien durch den Krieg 86 Prozent der Bienen verloren gegangen, erzählt er ihr. Beim Heimischwerden in Deutschland habe ihm die Imkerei geholfen.

Imker gebe es überall auf der Welt, ergänzt Andreas Royer. So habe Slowenien durchgesetzt, dass es seit zwei Jahren jeweils am 20. Mai den Weltbienentag gibt. Erwiesen sei auch, dass Sudetendeutsche vor der Vertreibung den Tschechen die Imkerei beigebracht hätten. Vor Ort, so der Kreisvorsitzende, lege man viel Wert auf pädagogische Ausbildung. Es gebe momentan 150 "Imker auf Probe", darunter auch Frauen, die von einem "Paten" betreut würden.

Aus den Reihen der Zuhörer beantwortet Lachauer Fragen. Während der Interviews mache sie keine Notizen, schreibe aber am Abend alles genau auf. Sie selber habe wegen ihrer zahlreichen Reisen keine Bienen, helfe aber bei einem Imker "oft mit großer Freude". Aus jedem Land nimmt Ulla Lachauer Honig mit, kauft ihn oder bekommt ihn geschenkt. "Der wird manchmal gegessen, sagt sie, ist Landschaft auf der Zunge, oft aber steht er in meinem Regal als Erinnerung an Menschen und Orte".

Ralf Volkert und Andreas Royer danken, die Besucher applaudieren. Die vorangegangene abendliche Wanderung von Sulzbach über den Annaberg ins Schulmuseum nach Rosenberg will Ulla Lachauer gern in guter Erinnerung behalten.

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