14.09.2021 - 17:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft führt Wissenschaftler in Sulzbach-Rosenberg zusammen

Vor mehr als 300 Jahren in Sulzbach gedruckt, beschäftigt eine außergewöhnliche Ausgabe des Neuen Testaments bis heute die Fachwelt.

Das Concerto Foscari mit Jonathan Keren, Mauro Colantonio, Susanne Herre und Alon Sariel bereicherte die Tagung der Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft mit einem Konzert in der Synagoge.
von Externer BeitragProfil

1684 erschien in Sulzbach ein Druck des Neuen Testaments in syrischer Sprache, der als besonders nah am Urtext gilt und in hebräischen Buchstaben gesetzt war, um auch Juden den Zugang zu ermöglichen. Mit diesem Druck beschäftigte sich die Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft in ihrer jüngsten Tagung im Sulzbach-Rosenberger Rathaus.

Wissenschaftler gingen in ihren Beiträgen dem Interesse christlicher und jüdischer Gelehrter an diesem Text nach. Anna-Maria Vileno aus Brüssel und Robert Wilkinson, England, die kürzlich einen verloren geglaubten Text von Knorr von Rosenroth über die Kindheit Jesus wieder entdeckt haben, zeigten, wie Knorr die linguistischen Ähnlichkeiten zwischen dem syrischen Bibeltext und kabbalistischen Texten in aramäischer Sprache auszunutzen verstand, um für die Wahrhaftigkeit bestimmter christlicher Glaubenssätze zu argumentieren. Andere Teilnehmer erweiterten den Fokus, indem sie beispielsweise die Rolle des syrischen Neuen Testaments im deutschen Pietismus des 20. Jahrhunderts untersuchten.

Eine Reihe von Vorträgen näherte sich dem syrischen Bibeltext von der jüdischen Perspektive aus an. Der israelische Forscher Tzachi Weiss erläuterte etwa, inwieweit die syrische Sprache als Vermittlerin fungierte und die syrische Weisheitstradition Pate für ein zentrales Buch der jüdischen Mystik, den Sefer Yezira ("Das Buch der Schöpfung") gestanden haben mag. Begleitend wurden auch einige hebräische Drucke im Original präsentiert.

Um das Thema christliche Kabbala für einen weiteren Kreis zu öffnen, veranstaltete die Gesellschaft in der ehemaligen Synagoge von Sulzbach-Rosenberg auch ein Konzert. Das Ensemble Concerto Foscari unter der Leitung von Alon Sariel lud das Publikum zu einer musikalischen Reise zu den Wirkungsstätten jüdischer und christlicher Kabbalisten ein. Gespielt wurden Werke von Matthew Locke, Enríquez de Valderrábano und Adam Jarzębski. Die vier Musiker wurden von dem begeisterten Publikum erst nach mehreren Zugaben entlassen.

Ausstellung, Konzert und Tagung wurden im Rahmen des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefördert. Die Tagung wurde auch von der Hanns-Seidel-Stiftung finanziell unterstützt.

Licht und Schatten - christlich-jüdische Perspektiven

Amberg

 

 

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