07.11.2021 - 14:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Lama Tendar zu Besuch in Sulzbach-Rosenberg: "Licht für Tibet" soll weiter leuchten

Was haben Rewalsar, eine kleine Stadt im Norden Indiens und das oberpfälzische Rosenberg miteinander zu tun? Es sind zwei Menschen, die diese Orte verbinden: Simone Gradl und Lama Tendar. Außerdem viel Mitgefühl und Nächstenliebe.

Im Garten eines Privathauses in Amberg gestaltet Lama Tendar eine Feuer-Puja.
von Helga KammProfil

Lama Tendar ist mittlerweile sehr bekannt in Sulzbach-Rosenberg und Umgebung, Umgekehrt gilt das für Simone Gradl ebenso in Rewalsar. Seit ihrer Gründung des Vereins "Licht für Tibet" im Jahr 2009 hat sie zehn Hilfsreisen nach Indien unternommen, gestoppt lediglich in den vergangenen beiden Jahren durch die Pandemie. Lama Tendar wiederum hat 2008 und 2010 für großes Interesse gesorgt, als er im Rahmen von Tibet-Wochen im Sulzbach-Rosenberger LCC Sand- und Stein-Mandalas gelegt hat - streng nach buddhistischen Regeln und so, wie er es in langen Jahren der Ausbildung gelernt hat. Weitere Besuche in der Stadt waren die Folge, auch momentan hält sich Lama Tendar wieder in Sulzbach-Rosenberg auf. Für Oberpfalz-Medien erzählen er und Simone Gradl, wie alles begann.

"Ich habe mich schon als junges Mädchen für Tibet und seine Kultur interessiert", beschreibt Simone, die Chefin des Rosenberger Friseursalons "Haare und Mehr", wie es zu ihrem späteren Engagement kam. Sie habe ihren katholischen Glauben nicht abgelegt, aber die buddhistische Philosophie spreche sie an, und beides könne sie vereinbaren.

Die Flucht ein Abschied für immer

Über einen tibetischen Arzt in Freiburg sei der Kontakt mit Lama Tendar zustande gekommen, dem tibetischen Lehrer, Stupa- und Mandala-Meister. Durch ihn lernte sie die Lage der Exil-Tibeter kennen, die aus dem chinesisch besetzten Tibet Jahr für Jahr über die Himalaya-Pässe nach Nordindien flüchten. "Es ist vor allem für die Kinder ein Abschied für immer von ihrer Heimat und ihren Familien, denn eine Rückkehr nach Tibet ist zu gefährlich." Bei ihrer ersten Reise nach Nordindien zusammen mit ihrem Mann Peter konnte sich Simone von der Not und dem Elend der Menschen dort überzeugen. "Dann war ich nicht mehr die Selbe", blickt sie heute zurück. Sie gründete den Verein "Licht für Tibet" und machte Mitgefühl und Nächstenliebe zu ihrem Herzensanliegen, ihrer Lebensaufgabe.

Simone organisierte die erste Tibet-Woche im LCC, in der Lama Tendar das erste Steinmandala in Europa legte. "„Für die Medizin", erklärt der Meister den damaligen Kreis mit den vier Elementen, "denn deren Balance ist sehr wichtig für unsere Gesundheit und die der Erde." Das Besondere an dieser Woche: "Es wurden 13 großformatige Fotos von tibetischen Kindern aus der Stadt von Lama Tendar ausgestellt, sie alle haben einen Paten gefunden", freut sich Simone heute noch über diesen ersten Erfolg.

Paten zahlen monatlich 30 Euro

Mittlerweile kann sie auf bereits 69 Patenschaften zählen, Menschen aus der Stadt und der Region, vor allem auch Firmen, die mit einem Monatsbeitrag von 30 Euro Menschen in der tibetischen Flüchtlingsgemeinde unterstützen. "Das sind Kinder, alte Leute, auch Nonnen, die in 3000 Metern in Höhlen leben und sich keine Medikamente leisten können", beschreibt sie den bedürftigen Empfängerkreis, den sie auch von Lama Tendar genannt bekommt.

Das Geld der Paten und auch freie Spenden kommen auf den Cent genau den Empfängern zu. Simone Gradl lässt da keinen Zweifel aufkommen. "Ich bin nur der Überbringer des Geldes. Alle Flüge meiner Hilfsreisen, Unterkunft und Verpflegung werden aus eigener Tasche bezahlt", versichert sie. Die Geldübergabe werde fotografiert, und die Empfänger seien gehalten, ihren Paten nicht nur zu danken, sondern auch die Höhe des empfangenen Betrages mitzuteilen.

OP für ein kleines Mädchen mit Verbrennungen

"Durch die Patenschaften ist mit den Jahren eine stattliche Summe an Hilfsgeldern zusammengekommen", rechnet sie vor, "mit der wir viel Not lindern konnten." Mit zusätzlichen freien Spenden, auch von Banken und Firmen, unterstützte der Verein ein Tibetcamp in Südindien, bezahlte die OP eines kleines Mädchens mit Verbrennungen und half einem Altenheim in Ladak. Viel Zeit und Kraft steckt die Rosenbergerin in ihr Hilfswerk. "Ich habe kein Hobby", lacht sie, "meine Energie teile ich auf in meinen Beruf und die Hilfe für Tibet."

"Jedes Individuum ist sehr wertvoll, und man kann viel erreichen, wenn man es mit dem Herzen macht", ist der Kommentar Lama Tendars zu ihrer Statistik. Der tibetische Lehrer und Erbauer von Stupas lebt in seiner Stadt nicht in einem Kloster, unterrichtet aber in Meditation, im Legen von Mandalas, begleitet Sterbende und macht Pujas, wenn er gebraucht wird.

Kunst und Vergänglichkeit

Mit dem Legen von Mandalas hat er bereits als Student im Alter von 25 Jahren begonnen. Diese religiösen Kunstwerke entstehen aus farbigem Sand, gemahlen aus Himalaya-Steinen, oder aus Halbedelsteinen. "Ein ganzer Lebenslauf ist in einem Mandala enthalten", erklärt Lama Tendar, "Kindheit, Jugend, Alter und Tod." Kurze Zeit nach der aufwendigen Fertigstellung werde das Mandala wieder zerstört, "als Zeichen der Vergänglichkeit, denn wenn die Zeit kommt, müssen wir alle gehen."

Noch ist es nicht so weit. Der Tibeter hält sich in Rosenberg auf, um mit Simone Gradl über neue Projekte zu sprechen, auch um Paten zu treffen und weitere zu werben. Ein Höhepunkt fand in einem Amberger Garten statt: Nach einer privaten Einladung gestaltete Lama Tendar mit einer Feuer-Puja eine feierliche Handlung zu Ehren von Buddha, an der rund einhundert Gäste teilnahmen und der Lebenden und der Verstorbenen gedachten. Dabei wurden verschiedenfarbige Fähnchen verwendet und schließlich im Feuer verbrannt, während der Lama seinen oft wiederholten Wunsch äußerte: "Mögen alle Wesen glücklich sein!"

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"Es war stets mein Wunsch, für Kinder etwas zu tun"

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Hintergrund:

Zur Person: Lama Tendar

  • Ausbildung: Nachdem ihn seine Mutter im Kindesalter von Tibet über den Himalaya nach Indien gebracht hatte, absolvierte er an der Universität in Buthan ein Studium für Mandala- und Stupabau. In Darjeeling folgte eine mehrjährige Ausbildung in tibetisch-buddhistischer Philosophie.
  • Tätigkeit: Auf seinen Reisen durch Indien, Singapur, Taiwan, Malaysia, Australien, USA und Deutschland fertigte er zahlreiche Mandalas an und baute Stupas.
  • Begegnungen: Lama Tendar bleibt noch bis zum 20. November in Sulzbach-Rosenberg. Treffen mit ihm sind nach Anmeldung unter 0160/90 28 08 97 möglich
Service:

Spendenkonto "Licht für Tibet"

  • Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg
  • Bic: GENO DEF1 SZH
  • Iban: DE967 526 170 0000 068 0257

 

 

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