29.08.2021 - 16:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Leuchtturm" aus der Denkfabrik: Maxhütte Innovations Campus in Sulzbach-Rosenberg

Die Ideen-Schatulle zur Folgenutzung des Maxhüttengeländes in Sulzbach-Rosenberg öffnet sich erneut. Drei findige Köpfe, teilweise bei Fraunhofer beheimatet, haben sich zusammengetan, um ein Zukunftskonzept für das Areal zu entwickeln.

Mit dieser grafischen Darstellung führen die Ideengeber der Öffentlichkeit den Maxhütte Innovations Campus schon einmal symbolisch vor Augen und nennen darin auch Details.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Der Ostbereich der ehemaligen Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg wäre schon nutzbar, der Westen wartet noch auf seine Schadstoffsanierung. Dazwischen wurden Anlagen demontiert und verschrottet, nur der Hochofen mit Gießhalle und Cowper künden in Sulzbach-Rosenberg noch vom vormaligen Stahlboom, aber auch von vielen menschlichen Schicksalen und vom Arbeitskampf. Frederik Betsch, Paul Wolf und Stefan Thar wollen nun eine neue Runde im reichhaltigen Ideen-Pool zur Folgenutzung einläuten. Sie setzen auf den Maxhütte Innovations Campus (MHIC), der ihrer Ansicht nach am Ende ein Leuchtturmprojekt für die Energie- und Rohstoffversorgung in Bayern werden könnte.

Doch davor hat der Herr nicht nur den Schweiß gesetzt, es müssen noch viele Weichen gestellt werden, um den Innovationszug für das riesige Gelände gleich in die richtige Richtung fahren zu lassen. Ob das Bestreben der Troika mit Frederik Betsch (Fraunhofer), Unternehmer und FWU-Stadtrat Stefan Thar sowie Paul Wolf (Fraunhofer) am Ende auch realisiert werden kann, soll eine dialogorientierte Projekt- oder Machbarkeitsstudie zeigen. Fördergelder dafür könnten über den Sonderfonds der Förderinitiative „Innenstädte beleben“ des bayerischen Städtebauförderungsprogramms fließen. Die Stadt Sulzbach-Rosenberg trete hier nach Angaben von Bürgermeister Michael Göth und Wirtschaftsförderer Hans-Jürgen Strehl als Projektträger auf und habe das Zukunftskonzept für das Maxhüttenareal dort bereits angemeldet. Auch im Kreistag stand der MHIC im Juli auf der Tagesordnung und traf dort auf einhellige Zustimmung.

Für Menschen und Umwelt

Frederik Betsch, Stefan Thar und Paul Wolf zeigen beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien Pioniergeist, sprudeln vor Ideen, kennen aber auch die vormalige Bedeutung, Errungenschaften sowie die Tradition der Maxhütte als bedeutendstes Stahlwerk in Bayern und Schwungrad des Wohlstands im Freistaat. Und genau darauf scheinen die Überlegungen der drei Männer zu basieren - in der Fortsetzung dieser Tradition, die am Ende zukunftsgerichtet allen Menschen und ihrer Umwelt nutzen soll.

„Wir wollen mit dem Zukunftskonzept Maxhütte Innovations Campus ein nachhaltiges, zukunftsorientiertes Nachnutzungsszenario für das Maxhütten-Gelände in Sulzbach-Rosenberg anregen. Mit der Ansiedlung von Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Ausbildungsstätten und Unternehmen soll ein wirtschaftsstarker Zukunftsort entstehen“, erklärt Frederik Betsch. Schwerpunktmäßig sollen dort nachhaltige energie- und umwelttechnische Lösungen für die Praxis entwickelt werden _ als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung, Bildung und Wirtschaft, so Paul Wolf weiter.

Nach den Vorstellungen der Runde, die sich auch vom innovativen Fraunhofer-Charakter beflügelt sieht, sei das Maxhütten-Areal dabei zugleich Einsatzort, Präsentationsraum und Testfeld für Energie- und Ressourcentechnologien. Es werde klimapositiv geplant, mit neuartigen technischen Lösungen für nachhaltige Rohstoff- und Energiekreisläufe. „Die Technologien, die am Campus zum Einsatz kommen, werden an Ort und Stelle zum Anfassen präsentiert, weiterentwickelt und vertrieben“, sagt Stefan Thar, der sich seit etwa eineinhalb Jahren bei dieser Denkfabrik mit einbringt. Er sieht mit diesem umfassenden Konzept auch einen weiteren Anschub für den Eigentümer, endlich die Schadstoffsanierung des MH-Westgeländes aufs Gleis zu setzen, ohne die jedes Konzept zum Scheitern verurteilt wäre.

Großes Interesse

Fraunhofer Umsicht, die IHK Sulzbach-Rosenberg, die Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg, die OTH Amberg-Weiden sowie die regionale Politik als potenzielle Partner und Unterstützer des MHIC: „In den Diskussionen mit deren Vertretern wurde der Idee großes Interesse entgegengebracht und eine grundsätzliche Unterstützung signalisiert“, so Wolf, der dem Campus eine wichtige Anker-Funktion beimisst, die vor allem auch neue Berufe und viele Ausbildungsplätze hervorbringen könnte.

Beim Gespräch in der SRZ-Redaktion erwähnt Stefan Thar die enormen Standortvorteile des Geländes, die auch dem Freistaat „etwas wert sein sollten“, sowie das Wachstumspotenzial, das bei Realisierung vorhanden wäre. „Wir sind natürlich auf der Suche nach Interessenten und Investoren, die bei einer positiven Bewertung unseres Konzepts für ein Projekt dieser Größenordnung unabdingbar sind. Deshalb wird auch ein Förderverein gegründet, der die Entwicklung und Realisierung des MHIC auf dem ehemaligen MH-Gelände fördern soll“, blickt Thar voraus.

Frederik Betsch zieht Vergleiche mit Folgenutzungen von Montanbetrieben im Ruhrgebiet, nennt die Zeche „Zollverein“ , spricht von einer Traumkulisse in Rosenberg, sieht den Kulturraum Hochofen-Plaza integriert, erwähnt die Nähe zu den Forschungseinrichtungen und die Möglichkeit für die Öffentlichkeit, vor Ort die Alltagstauglichkeit zu demonstrieren. „Wir wollen die Technologie-Kompetenz gegen den Klimawandel hier sichtbar machen.“ Gemäß dem Fraunhofer-Vertreter sei nun die erste Treppenstufe erreicht, Angebote verschiedener Büros und Planer lägen vor, die mögliche Förderkulisse der Studie sei bekannt, und die Ausschreibungen würden mit der Stadtplanung abgeklärt. Im besten Fall könnte mit der Machbarkeitsstudie im Herbst begonnen werden. „Die Ideen zum Campus reißen nicht ab“, resümieren die Initiatoren, aber sie wissen auch, dass ohne Schadstoffsanierung am Gelände dort nur ein eiserner Sargdeckel bleiben wird.

Mehr zur Sanierung des westlichen Maxhütten-Geländes

Sulzbach-Rosenberg

Mehr zu den Forschungen bei Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg
Stadtrat Stefan Thar sowie von Fraunhofer Umsicht Paul Wolf und Frederik Betsch (von links) sind die Initiatoren des Maxhütte Innovations Campus, der ein Leuchtturmprojekt für Energie- und Rohstoffversorgung werden soll.
Hintergrund:

Vier Säulen des Maxhütte Innovations Campus

  • Vorzeigestandort und Leuchtturmprojekt für Energie- und Ressourceneffizienz
  • Wissenschaft und Forschung am Standort vereint
  • Entwicklungs- und Innovationszentrum
  • Berufliche Aus- und Weiterbildung

„Wir wollen mit dem Zukunftskonzept Maxhütte Innovations Campus ein nachhaltiges, zukunftsorientiertes Nachnutzungsszenario für das Maxhütten- Areal in Sulzbach-Rosenberg anregen.“

Frederik Betsch

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.