26.07.2021 - 17:42 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Melanie Bittner (38) aus Gebenbach: Deutsche Vizemeisterin im Bodybuilding

"Sie ist ein Ausnahmetalent", lobt Trainer Florian Kreysler. "Ich habe mir einen Traum erfüllt", gesteht Melanie Bittner. Die Gebenbacherin ist deutsche Bodybuilding-Vizemeisterin. Der Weg dahin war kein Zuckerschlecken. Im wahrsten Sinne.

Gestählte Muskeln, Sixpack: Das ist Melanie Bittners Lohn für Disziplin und Training. Die 38-Jährige aus Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) hat sich mit der Teilnahme an Bodybuilding-Wettbewerben einen Traum erfüllt.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Melanie Bittner ist deutsche Vizemeisterin in der Figurklasse im Bodybuilding. Hinter diesem Titel steckt vor allem eines. Disziplin. Im Falle der Gebenbacherin kam auch noch das nötige Talent dazu. Und Bodybuilding sei natürlich auch irgendwie ein Lifestyle, sagt Melanie Bittner. Man müsse dafür anders kochen, anders essen, anders trainieren. Die 38-Jährige nimmt sieben Mal in der Woche die Hanteln zur Hand und täglich 2200 Kalorien zu sich - in Nicht-Wettkampfzeiten. Mal eine Bratwurstsemmel zwischendurch? Kommt so gut wie nicht vor. "Vielleicht mal ein Stück Kuchen oder ein Eis." Wenn es zu Wettkämpfen geht, dann reduziert sie die Kalorienmenge um die Hälfte. "Damit alles überschüssige Fett abgebaut wird und die Sehnen und Adern gut rauskommen."

Im Bodybuilding zählt die Optik. Das Ideal sind klar definierte Muskeln. "Je härter man ist, umso besser", erklärt Bittner. In dem Moment, in dem man die Bühne betritt, müssen Sehnen und Muskeln zu sehen sein. "Man muss posen und zeigen, was man hat. Man darf nicht künstlich lachen, sondern von innen heraus. Die Jury muss sehen, dass es einem Spaß macht." Die Frauen tragen bei dem Auftritt elf Zentimeter hohe Stöckelschuhe. Das Gehen mit Hacken musste auch Melanie Bittner erst lernen. "Keiner hat ja normalerweise so hohe Schuhe an. Damit kann man ja nicht mal Autofahren." Sie lacht. Doch die hohen Schuhe helfen dabei, die Körperspannung zu halten. "Man kann sich damit besser präsentieren."

Ein Bodybuilder jenseits der 70

Schon immer sportlicher Typ

Melanie Bittner war schon immer ein sportlicher Typ. "Aber ich hatte da einen Rettungsring." Sie deutet eine Bewegung um Bauch und Hüfte an. Fitness, Boxen und Kraftdreikampf waren ihre Disziplinen. Dann kam Bodybuilding. "Ich wollte das schon immer machen", schwärmt sie. Schon mit 15 Jahren hätte sie Männer mit großem Bizeps beneidet. "Ich wollte dazugehören. Ich mag halt einfach Muskeln." Ihr Ehemann dagegen sei ganz normal, sagt sie selbst. "Es kann ja nur einer einen Batscher haben." Trotz ihres mittlerweile gestählten Körpers sei sie aber nicht selbstverliebt. "Ich bin selbst mein größter Kritiker. Ich gehöre nicht zu denen, die von sich sagen: Boah, schau' ich toll aus. Ich sehe vielmehr die Schwachstellen."

Normalerweise beginnen die Athleten mit 18 Jahren. Dass Melanie Bittner mit 38 Jahren das erste Mal auf der Bühne stand und diese Erfolge erzielte, sei schon herausragend, betont ihr Trainer Florian Kreysler, der sie auf diesem Weg begleitet hat. In seinem Fitnessstudio "Fit for fun" in Sulzbach-Rosenberg hängen Bilder aus der Anfangszeit. Sie zeigen eine dunkelhaarige, sportliche Frau. Mittlerweile wirken Bizeps, Trizeps und Co bei Melanie Bittner komplett verändert.

Melanies Geheimnis heißt Disziplin. "Wenn man trainiert, muss man die Muskeln spüren. Wenn man die Beine trainiert, muss man danach Wackelpudding in den Beinen haben. Wenn ich den Rücken trainieren will, muss ich den Rücken spüren und nicht meinen Arm." Das Training integriert sie sogar in ihren Alltag. Zuhause hat sie sich ein eigenes Fitnessstudio eingerichtet. "Ich kann den Trockner einschalten und nebenbei schnell pumpen gehen." Der Alltag müsse ja weitergehen. "So ist halt das Leben, man geht in die Arbeit, hat Kinder, aber das war einfach schon immer mein Traum."

Kompletter Verzicht auf Zucker

Schon lange hat Melanie Bittner ihre eigenen Rituale. Sie kocht für die Kinder und für sich extra. Sie nimmt sich in die Arbeit - die Bittners haben eine Bäckerei - selbst zubereitetes Essen mit: Haferflocken, Reis, Gemüse, Banane. "Ich esse sechs bis sieben Mal am Tag kleinere Portionen." Den Leckereien aus der Backstube kann sie getrost widerstehen. Sie verzichtet komplett auf Zucker. "Ich habe immer Energie, keine Fressanfälle, kein Bedürfnis nach Süßigkeiten. Mein Körper kriegt alles: Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Fette, einfach alles, was er braucht." Das schlägt sich nieder - oder eben nicht. Ihr Körper-Fettanteil liegt bei sieben Prozent.

Muskeln stützen die Wirbelsäule

Das Training erfolge im Einklang mit den Möglichkeiten ihres Körpers. Das ist in Melanie Bittners Fall auch extrem wichtig, denn sie wurde mit Skoliose, einer schiefen Wirbelsäule geboren. In ihrer Kindheit gehörte Krankengymnastik zur Normalität. Mittlerweile wurde in der unteren Wirbelsäule und in der Hüfte Arthrose daraus. "Ein Arzt hat zu mir gesagt: Wenn ich nicht so sportlich wäre, säße ich schon längst im Rollstuhl." Ihre Muskulatur ist wie ein natürliches Korsett. Es stabilisiert die Wirbelsäule. "Das ist der Trick und eine wahnsinnige Arbeit. Mit Bodybuilding ist alles besser." Weil sie selbst weiß, was sie ihrem Körper Gutes tut, können ihr auch kritische Stimmen nichts anhaben. Die kommen vor allem über die sozialen Medien. Darauf versucht sie gar nicht erst einzugehen. "Ich weiß nicht, ob das gesünder ist, wenn jemand täglich fünf Stücke Kuchen isst."

Frauen und Bodybuilding: Fitness pur

Waldsassen
Info:

Wettkampfkategorien und Präsentation

  • Die Wettkampfkategorien bei der "World Fitness Federation" (WFF) heißen beispielsweise Bikinimodel, Sportmodel, Aerobic oder Figur. Bei den Männern gibt es die Klassen Sportmodel, Bermuda oder Figur.
  • Melanie Bittner startete in der Figurklasse bei den Wettkämpfen der „World Fitness Federation“ (WFF) und "National Amateur Body-Builders' Association" (NABBA), wo sie heuer den zweiten und den dritten Platz belegte.
  • Die Richter beurteilen die Teilnehmer nach einer Reihe von Aspekten des Körpers. Dazu gehören beispielsweise Muskelkraft, Kondition, Größe, Form, Proportion, Symmetrie oder Balance.
  • Zusätzlich zu den physischen Aspekten wird auch die Bühnenpräsenz berücksichtigt. "Das ist das Selbstvertrauen und die insgesamt positive Energie, die sie auf der Bühne ausstrahlen", heißt es in den Bewertungskriterien der WFF.
  • In der Figurklasse absolvieren die Wettbewerber drei separate Bewertungsrunden, in denen die Jury den Sieger basierend auf den verschiedenen Aspekten des Körpers auf der Bühne bestimmt. Die erste Runde ist ein 60-sekündiges individuelles freies Posing. Die zweite und dritte Runde werden in Gruppen bewertet; die Symmetrierunde (Vierteldrehungen) und die obligatorische Posenrunde (Muskulatur).

"Ich kann mir das Essen auch nicht an Cheat-Days, also Fresstagen, reinschoppen. Das könnte ich gar nicht mit meinem Kopf vereinbaren."

Bodybuilderin Melanie Bittner

Bodybuilderin Melanie Bittner

"An Melli sieht man, was man schaffen kann, wenn man nur will. Das ist reine Kopfsache."

Trainer Florian Kreysler

Trainer Florian Kreysler

 

 

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