Sulzbach-Rosenberg
14.05.2024 - 12:47 Uhr
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Mountainbiker Leon Aures fährt in der Weltelite mit

Leon Aures aus Rummersricht und sein Mountainbike haben ein großes Ziel – den Weltcup. Die Voraussetzungen hat er erfüllt. Jetzt fehlt nur noch die Zusage. Die Mama hat derweil auch Angst um ihn.

von mfh

Mit dem Rad mitten durch die Blumenrabatten von der Oma, um dann mit einem gewagten Sprung von der eineinhalb Meter hohen Mauer ins Nichts zu springen. Leon darf das. Für ihn ist das eine Aufwärmübung, für jeden anderen Radfahrer wäre es der Freifahrtschein ins Krankenhaus.

Leon Aures, der 23-jährige Rummersrichter, ist aktiver Mountainbiker und fährt bei der größten deutschen Rennserie für Mountainbikes, der Enduro One, ganz vorne mit.

Schon als Kind tobte er sich mit dem Fahrrad im Umfeld des elterlichen Anwesens aus. Mit sieben Jahren trat er bei Cross-Country-Wettbewerben in die Pedale. Der Einstieg in den Wochenendrennzirkus kam nicht von ungefähr, hatte er doch mit seinem Papa bei Motorrad-Enduro-Wettbewerben dieses familiäre Feeling schon kennengelernt. Papa hängte allerdings seinen Motorradhelm früh an den Nagel, um sich als Betreuer, Mechaniker, Koch, Sanitäter, Trainer, Pädagoge und Psychologe ganz den sportlichen Ambitionen seines Sohnes zu widmen.

Zwei schwere Verletzungen

Leon fuhr vorne mit bei der Jugend-EM und Bundesliga. Er startete jahrelang bei nationalen und internationalen Wettbewerben, fuhr Siege ein und sammelte Pokale wie andere Jungs in seinem Alter Pokemon-Karten. Als 17-Jähriger suchte er neue Herausforderungen und stieg in die Klasse Enduro/Mountainbike um. Hier setzte er sprichwörtlich seinen Siegeszug fort. Er startete national und international und gewann als bisherige Krönung seiner Laufbahn 2022 die Enduro One, die größte Enduro-Serie für Mountainbikes in Deutschland mit rund 600 Startern. Bei diesen Veranstaltungen werden alle 5 Minuten 10 Fahrer auf die Strecke geschickt. Eine Runde ist dann zwischen 40 und 50 Kilometer lang und beinhaltet rund 2000 Höhenmeter. In die Streckenführung sind 5 bis 8 Stages eingebaut. Bei diesen Sonderprüfungen startet alle 30 Sekunden ein Fahrer.

Gelernt hat Leon den Beruf des Schreiners. Mittlerweile arbeitet er jedoch im elterlichen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. „So ist es einfacher, die Wochenendfahrten zu Wettbewerben in den Arbeitsablauf des Betriebs zu integrieren“, erklärt Leon. Die Eltern nicken zustimmend. Der Aufwand für die Teilnahme an den Veranstaltungen wird jedoch durch die Erfolgsbilanz gerechtfertigt. Wenn es die Zeit erlaubt, fahren auch Mutter Martina und seine Schwester Mia mit. Sie kümmern sich dann vornehmlich um das leibliche Wohl ihrer Männer, sind sozusagen die eigenen Schlachtenbummler am Rande der Rennstrecke. „Ich bin natürlich stolz darauf, dass er an dem Sport so viel Spaß und vorne mit fährt“, bekennt Mama Aures, gibt aber auch zu: „Ich bin jedes Mal froh, wenn er gesund wieder nach Hause kommt.“ Damit spricht sie ein Thema an, das man gerne beiseiteschiebt. Das Unfallrisiko bei einem Rennen im Gelände darf man nicht unterschätzen. Leon hat es zweimal erwischt. Vor acht Jahren musste er einen komplizierten Arm-Splitterbruch auskurieren. Letztes Jahr bei einem EM-Lauf stürzte er so schwer, dass es sogar den Helm zerlegte, er aber zum Glück weitgehend unbeschadet davon kam.

Jedes Rennen neue Reifen

Materialschäden und Verschleiß am Fahrrad sind dagegen an der Tagesordnung. Basis für das Wettbewerbsrad ist das Modell SB 160 des Herstellers Yeti, wobei 160 den Federweg der Hinterradschwinge angibt. „Jedes Rennen fangen wir auch mit einem neuen Satz Reifen an“, informiert Leon über die Reifenwahl weiter. „Nur bei ausgesprochenen Schlammrennen wechseln wir auf Reifen mit einem noch offeneren Profil.“ Die Kette wird spätestens nach zwei Rennen ausgetauscht.

Um im Mountainbike Enduro Worldcup starten zu dürfen, muss man im Vorjahr bei den verschiedensten Rennen eine bestimmte Punktzahl erreichen und sich dann bei einer Kommission bewerben. Die Voraussetzungen hat Leon erfüllt, eine Zusage hat er allerdings noch nicht. Berufliche Verpflichtungen und die weiten Anreisen zu den sechs WM-Veranstaltungen in ganz Europa setzen deswegen auch ein Fragezeichen hinter dieses Vorhaben. Zumindest im Moment.

Das Wettbewerbsjahr ist ja noch jung und vielleicht hat es für Leon noch ein paar Überraschungen parat. Wer weiß?

Info:

Enduro Worldcup

  • Die Enduro World Series (oder EWS) ist eine internationale Mountainbike-Meisterschaft, die Mitte 2012 ins Leben gerufen wurde. Die erste Staffel dieses Wettbewerbs fand 2013 statt.
  • Stationen 2024
    10. bis 12. Mai: Finale Outdoor Region, Italien
    17. bis 19. Mai: Bielsko Biala, Polen
    7. bis 9. Juni: Leogang, Österreich
    Juli: Haute-Savoie, Frankreich
    12. bis 14. Juli: Valais, Schweiz
    6. bis 8. September: Loudenvielle, Frankreich
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