11.10.2021 - 16:14 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neue Vorschläge für den Verlauf der B 14: Außen herum statt mitten durch?

Es könnte so einfach sein: Der überörtliche Verkehr wird um die Stadt Sulzbach-Rosenberg herum geleitet, die B 14 abgestuft. SURO2030 hat diese Möglichkeit der Verkehrsminderung ins Spiel gebracht. Doch ist das überhaupt möglich?

Der rot eingezeichnete Verlauf stellt den Trassenvorschlag von SuRo2030 dar - eine Umgehung zwischen Gebenbach/Mimbach (B 14) und Amberg/Sulzbach-Rosenberg (B 85).
von Autor geProfil

„Obwohl bereits vor 20 Jahren im Bundesverkehrswegeplan als unhaltbarer Zustand angeprangert, schlängelt sich die B 14 noch immer auf verwundenem Pfad mitten durch unsere Stadt. Nicht nur Anwohner leiden unter Lärm und Abgasen durch den Verkehr, unmittelbar vorbei an Kindergarten und Grundschule kreuzt diese Bundesstraße auch Schulwege.“ So beschreiben Dieter Pirner und Christian Koch von SuRo2030 die aktuelle Situation im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien.

Mit der Eröffnung der Oberpfalz-Arkaden am Bierhalsberg werde die Verkehrslast noch einmal deutlich ansteigen. Entsprechend dringlich müsse eine Lösung gefunden werden, die Bundesstraße endlich aus der Stadt zu verbannen. „Ein im Bundesverkehrswegeplan zitiertes Gutachten geht durch eine Umgehung von einer Reduzierung von 30 Prozent des Gesamtverkehrs und im Besonderen von rund 50 Prozent des Güterverkehrs aus, welche die Lärm- und Schadstoffemissionen stark reduziert.“ Die geplante Linksabbiegespur am Bierhalsberg werde die Situation zusätzlich verschärfen.

Die 2011 auf rund 21 Millionen Euro veranschlagte Nordtrasse als Umgehung sei wegen der enormen Kosten und der erheblichen Eingriffe in Kulturlandschaft und Landschaftsschutzgebiete endgültig vom Tisch. Alternative Varianten wie etwa eine Trasse via Europastraße und Industriegebiet Unterschwaig seien ebenso kaum mehrheitsfähig. „Eine perfekte Lösung müsste zum einen der Forderung des Bundesverkehrswegeplans 2030 nach einer Verlegung der B14 außerhalb des Stadtgebietes nachkommen, zum anderen müsste sie in ökonomischer und ökologischer Hinsicht mehrheitsfähig sein, also so weit möglich vorhandene Infrastruktur nutzen und gegebenenfalls umwidmen.“

Über die B 299

Hier nun bringt SuRo2030 einen öffentlich bislang kaum diskutierten Lösungsansatz ins Spiel, der ohne nennenswerte Investitionen und zusätzliche Flächenversiegelung der Forderung des Bundesverkehrswegeplans 2030 nachkommt. Pirner und Koch erklären ihn auch auf der Internetseite: „Das Fundament unseres Vorschlags bildet die exzellente verkehrstechnische Anbindung Sulzbach-Rosenbergs zur B 14 und B 85 sowie die Nähe zur B 299. Statt eines millionenschweren Neubaus einer Umgehungsstraße würden diese bereits ausgebauten Verkehrswege genutzt, um von der B 14 kommend, via B 85 und B 299 die Stadt Sulzbach-Rosenberg sowie den Markt Hahnbach großräumig südlich zu umfahren, um nach Mimbach dann wieder auf die B14 zu stoßen.“ Oder kurz gesagt: aus Richtung Hirschau kommend nach Gebenbach links abbiegen auf die B 299, dann bis Amberg, dort auf die B 85 Richtung Sulzbach oder entsprechend zurück: Ein Umweg von gerade acht Kilometern zur jetzigen Straßenführung, der wegen der linearen Trassenführung, wegfallender Ampeln und zulässigen Höchstgeschwindigkeiten im Schnitt nur etwa vier Minuten länger in Anspruch nehme.

Was müsste hierfür getan werden? Die Lösung scheint einfach: Nicht mehr als eine Umwidmung bzw. Herabstufung der bisherigen B 14 zwischen Sulzbach-Rosenberg und Mimbach, wodurch nach Übernahme dieser formalen Änderung in das Kartenmaterial von Navigationsgeräten der Transit-Verkehr automatisch an Sulzbach-Rosenberg vorbei geleitet werden würde.

Straßenverkehrsbehörden könnten die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten. Die bürokratischen Hürden hierfür seien allerdings recht hoch und lägen immer im Ermessen der zuständigen Behörde. Einfacher sei dies, wenn eine Bundesstraße durch Herabstufung umgewidmet werde. Im Falle der B 14 sei dies nie geschehen. Begründet werde dies mit der Entfernung der Bundesstraße zur - eigentlich als Entlastung angedachten - Autobahn A 6. Die überregionale Verkehrsbedeutung werde also als noch zu hoch angesehen, um eine Herabstufung zu rechtfertigen.

Sicherer für Anwohner

Dass Herabstufungen aber durchaus machbar seien und auch umgesetzt würden, sehe man zwischen Neumarkt und Regensburg: „Hier wurde 2016 die B 8 zwischen der B 299 bei Neumarkt bis zur Anschlussstelle Rosenhof östlich von Regensburg zur Staatsstraße 2660 umgewidmet - auf einer Strecke von immerhin 77 Kilometern.“ Es wäre dringend nötig, so viel Schwerlastverkehr wie möglich auf Autobahnen zu verbannen. Um hier eine Lösung zu finden, die Sulzbach-Rosenberg wirklich entlastet, müsse die Stadt mit allen beteiligten Behörden und Entscheidungsträgern in einen Dialog treten. „Parallel muss etwas dafür getan werden, die Strecke für Lkw unattraktiver und so für Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen.“ Würde die Durchfahrt nur wenige Minuten länger in Anspruch nehmen, würden dies Navigationsgeräte berücksichtigen und alternative Routen empfehlen. Wichtiger erster Schritt wäre etwa eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in der Hofgartenstraße bis zur „Meister-Kreuzung“, eventuell gar bis zur Storg-Kreuzung, wenn man die neue Linksabbiegespur zu den Oberpfalzarkaden berücksichtigt. Dies liege in der Verantwortung des Landratsamtes und sei mit der anliegenden Pestalozzi-Grundschule und dem Kindergarten St. Anna leicht zu begründen.

Fazit der Planer von SuRo2030: „Was einfache, die Steuerkassen schonende Lösungen darstellen würde, erfordert einzig den Willen, dem Fernverkehr zugunsten eines besseren Stadtklimas und der Entlastung von Anwohnern einen zeitlich vernachlässigbaren Umweg zuzumuten. Für die Stadtentwicklung wäre dies tatsächlich der vielbeschworene Meilenstein.“

Baudirektor Stefan Noll

Was meint das Staatliche Bauamt dazu? Baudirektor Stefan Noll hat eine klare Ansicht: „Das ist total illusorisch. So lange eine Straße da ist und unabhängig davon, in welcher Baulast gewidmet, wird sie auch benutzt von den Menschen, Schilder hin, Schilder her.“ Eine formelle Umstufung bringe deswegen gar nichts. Überdies lägen weder in straßenrechtlicher noch in straßenverkehrsrechtlicher Hinsicht auch nur ansatzweise Gründe für diese Umstufung oder gar Fahrverbote vor. Zudem würde sich der entstehende Umweg von acht Kilometern schon drastisch auswirken: „Hochgerechnet auf die Verkehrsbelastung ergibt dies eine Menge Mehrverbrauch. Für beispielsweise 1000 Fahrzeuge pro Tag bedeuten 8 Kilometer zusammen täglich 8000 Kilometer Mehrweg mit einem Kraftstoffmehrbedarf von fast 600 Liter pro Tag. Hochgerechnet aufs Jahr wären dies rund zehn 20 000-Liter-Tanklastzüge.“

Dazu käme noch ein anderer, wichtiger Punkt: „Den Verkehr zu verdrängen, führt zwangsläufig zu Verlagerungen auf andere Straßen, z.B. auf die B 299 und damit die Bayreuther Straße in Amberg. Diese weist bereits bisher eine überdurchschnittlich hohe Verkehrsbelastung auf, gerät jetzt schon öfter an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und würde die aus Sulzbach-Rosenberg verdrängten zusätzlichen Verkehre kaum verkraften. Sankt-Florian lässt grüßen.“

Wegen all dieser Tatsachen hält Noll den SuRo2030-Vorschlag für gänzlich unrealistisch. Ganz abgesehen davon, dass die ganzen Verhandlungen darüber in den zuständigen Bundes- und Landesministerien geführt werden müssten. Die rechtlichen Voraussetzungen seien zudem nicht ansatzweise gegeben.

Mehr zur Sanierung der B 14 bei Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Mehr zur Freigabe der B 14 bei Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Dreiteiliger "Masterplan" von SURO2030

Ein dreiteiliger „Masterplan“ könnte diese Entwicklung einleiten:

  • Alternative Routen: Möglichst schnell kommunale Mittel zur Verkehrsberuhigung ansetzen, damit alternative Routen vermehrt interessant werden.
  • Herabstufung: Nachholen der Herabstufung der B 14, wie sie durch den Ausbau der A 6 ursprünglich geplant war, um den Gemeinden mehr Handlungsfreiheit zu gewähren.
  • Entlastung: Die im Bundesverkehrswegeplan geforderte Entlastung der Stadt einfordern.

„Das ist total illusorisch. So lange eine Straße da ist und unabhängig davon, in welcher Baulast gewidmet, wird sie auch benutzt von den Menschen, Schilder hin, Schilder her.“

Baudirektor Stefan Noll, Staatliches Bauamt

Baudirektor Stefan Noll, Staatliches Bauamt

 

 

Kommentare

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Martin Pfeifer

Der Vorschlag ist zu schön, um wahr zu sein. Entgegen der Annahme der Initiatoren von SuRo2030 wird jedes Navigations-Gerät wohl den Zeit-Vorteil von 4 min erkennen und den Autofahrer nicht auf den neuen Weg über Amberg schicken. Und Autofahrer, die die Streckenführung kennen, werden aus Gewohnheit sicher weiterhin den alten Weg fahren. Wir haben zur Zeit Sondierungsverhandlungen einer zukünftigen Koalition, die sich allen ernstes anstrengen wird, den CO2-Ausstoß und den damit verbundenen Anstieg der Erderwärmung drastisch zu reduzieren. Da wirkt ein Vorschlag, der längere Wege erzeugt, wie aus der Steinzeit. Den längeren Weg wird jeder Autofahrer, vor allem der tägliche Pendler, schnell in seinem Portemonnaie bewirken. Auch schon wieder eine Motivation, die vertraute Strecke zu benutzen. Oder sich einen anderen Schleichweg durch Sulzbach-Rosenberg zu suchen.

Ich sehe in dieser einfachen Umwidmung kein Potential, den Verkehr durch Sulzbach-Rosenberg zu reduzieren.

12.10.2021