17.01.2020 - 13:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Oberpfalz-Arkaden folgen auf Lilien-Center: Rundungen statt Rechteck-Kiste

Die Tage des Lilien-Centers in Sulzbach-Rosenberg sind gezählt. Anfang Juni soll der Abbruch beginnen. Was an gleicher Stelle nachfolgt, nennt sich "Oberpfalz-Arkaden". Im Stadtrat stellte Projektentwickler Hans-Jürgen Weber die Pläne vor.

Den Entwurf zu den „Oberpfalz-Arkaden“ stellten Architekt und Projektentwickler bei der Bauausschusssitzung im Rathaus vor. Wie die Planer mitteilten, könnten nach Abschluss der Transformation dort etwa 60 bis 70 neue Arbeitsplätze entstehen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Es wird nichts mehr stehenbleiben an der Rosenberger Straße, bis auf die Tiefgarage des Lilien-Centers. Sie soll auch noch genutzt werden, aber nicht für Autos, sondern als Füllort für das Abbruchmaterial der bestehenden Gebäude. "Darauf bauen wir dann die Oberpfalz-Arkaden anstatt mit den bestehenden fünf nur noch mit drei Etagen", nannte Hans-Jürgen Weber den ersten Schritt zur etwa 20 Millionen Euro schweren Transformation des alten Lilien-Centers.

Umfrage: Aus Liliencenter werden Oberpfalz-Arkaden: Können sie zum Kunden-Magneten werden?

Vier Monate wird die Abrissbirne am Ostrand der Altstadt Schwerstarbeit leisten, danach folgt die eigentliche 15-monatige Bauzeit, während der ein völlig neues Konzept bau- und nutzungstechnisch umgesetzt werden soll. Zum Ostergeschäft 2022 könnten die Pforten dann offiziell öffnen. Die Pläne dafür kommen vom Berliner Architekten Friedrich-W. Groefke, der auf Um- und Neubau von Einkaufszentren spezialisiert sei. Und das Interesse an der Vorstellung am Donnerstag im Bauausschuss war selten so groß - im Zuhörerbereich mussten im Rathaussaal zusätzliche Stühle aufgestellt werden.

Der Berliner Architekt Friedrich-W. Groefke (links) und Hans-Jürgen Weber aus Osnabrück stellten im Bauausschuss die Pläne zu den „Oberpfalz-Arkaden“ vor.

"Wir wollen dem Gebäude die Massigkeit nehmen", erklärten die Planer, die statt eines riesigen Gesamtkomplexes in einer "rechteckigen Kiste" auf "runde Lösungen" setzen. Dies soll mit getrennten Gebäuden auf drei verbunden Ebenen verwirklicht werden.

Mit Gastronomie

"Im Erdgeschoss wird der Vollsortimenter der einzige Anbieter sein, wo auch etwa 130 Parkplätze entstehen. Die zweite Ebene ist für Fachmärkte, darunter wieder NKD und KiK, einen Discounter sowie einen Drogisten vorgesehen. Und auf der dritten Ebene sind Gastronomie, ein Dienstleistungsbereich, Technik- und Sozialräume sowie eine weitere Verkaufsfläche vorgesehen", sagt Friedrich-W. Groefke.

Sulzbach-Rosenberg

Wie die Planer weiter angaben, bleibe eine Zufahrt von unten erhalten, die aber nicht an der östlichen Seite entlang führe, sondern parallel zum Friedhofberg die untere Ebene mit Parkplätzen und Vollsortimenter - hier stünden die Verhandlungen mit Edeka für ein E-Center auf mehr als 4000 m2 in der Endphase - erschließe. Von dort können Kunden auch auf die zweite Ebene fahren, wo es ebenfalls die gleiche Anzahl an Parkplätzen geben wird.

Die Oberpfalz-Arkaden aus östlicher Richtung.

Dort werden laut Planer im südwestlichen Gebäudeteil ein Discounter und darüber ein Drogist sowie im östlichen Bereich verschiedene Fachmärkte untergebracht. Von der zweiten Ebene aus könne das Gelände per Auto auch verlassen werden. Hierzu gab das Staatliche Bauamt bereits grünes Licht für eine neue Zufahrt, die in etwa schräg gegenüber der St.-Anna-Apotheke das Ein- beziehungsweise Ausfahren nach rechts oder links auf die Rosenberger Straße möglich mache. Außerdem würden Fußgänger von der Stadt her kommend auch die dritte Ebene mit Gastronomie und Dienstleistungsbereich problemlos erreichen. Ein Aufzug sorge zudem für Barrierefreiheit.

Blick aus Richtung Innenstadt auf die Oberpfalz-Arkaden.

Meilenstein der Stadtentwicklung

Sulzbach-Rosenberg

Wie es weiter bei der Vorstellung im Rathaus hieß, würden beim Neubau die modernsten energetischen Standards erfüllt, alles werde eingegrünt, bestehende Bäume sollen erhalten und E-Ladestationen eingerichtet werden. Der gesamte Komplex werde mit der Abwärme der Kühlanlagen über Wärmepumpentechnik beheizt. Nach der Vorstellung, die Stadträte und Publikum durchwegs mit Wohlwollen quittierten, nannte Bürgermeister Michael Göth die Pläne einen "Meilenstein der Stadtentwicklung".

Zugang der Oberpfalz-Arkaden an der Rosenberger Straße in etwa auf Höhe der gegenüberliegenden St.-Anna-Apotheke.
In aller Regel stoßen Stadtrats- oder Ausschusssitzungen auf wenig öffentliches Interesse, aber die Vorstellung der Transformation des Lilien-Centers wollten sich viele Bürger am Donnerstag im Rathaus nicht entgehen lassen.
Blick auf die Oberpfalz-Arkaden aus nordöstlicher Richtung von der Rosenberger Straße kurz vor der Kurve.
Kommentar:

Entscheidender Pulsschlag

Das Totenglöckchen läutete dem Lilien-Center längst. Zwar war es bis auf die Startphase ab Oktober 2001 noch nie richtig mit Leben erfüllt worden, aber irgendwie keimte dann und wann doch etwas Hoffnung auf, um den Betonklotz nicht sofort beerdigen zu müssen. Aber der schleichende Tod biss immer wieder hart zu. Anker-Mieter zogen sich während der vergangenen 19 Jahre zurück, immer mehr Leerstand breitete sich in diesem prominenten Gebäude aus. Mit dem Rückzug der Postbank am 8. Mai 2018 war dann quasi die letzte Messe gelesen. Bis auf den Discounter Netto fehlten ab diesem Zeitpunkt richtige Frequenzbringer.
Dass das Lilien-Center deshalb schon seit Jahren zum Verkauf steht, war in Finanzkreisen bestens bekannt. Mehrmals fanden Investoren den Weg in die Stadtverwaltung. Auch der aktuelle Projektentwickler Hans-Jürgen Weber gehörte schon seit 2014 zum Interessentenkreis. Bis die Rahmenbedingungen aber für ihn passten, stand der 12. November 2019 im Kalender. Als neuer Grundstückeigentümer kann er dort nun für den entscheidenden Pulsschlag sorgen, der die Altstadt weiter aufleben lässt.

Andreas Royer

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Kommentare

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Michael Scherer

Ich habe mit großem Interesse den Ausführungen des Berliner Architekten gelauscht.
Auf meiner Plusseite steht:
Hundertwasser wäre von dem Konzept-Begrünung des Daches und weniger gerade Linien begeistert. Bäume sollen erhalten bleiben.
Gesamtkonzept mit Storg.Begeh oder befahrbar von beiden Seiten. Behindertengerecht ist ein Muss-da wir alle älter werden und steile Treppen eher ein No go sind. Lift ist mit eingeplant.
Ladestationen für E-Bike und Zoe.
Sollten die Investoren es tatsächlich schaffen Edeka anzusiedeln wäre das ein großer Pluspunkt da sich dann auch das Umfeld ändern würde.
Der Architekt ist gut.
Auf meiner Minusseite steht leider mehr.
Meiner Meinung nach sollte der Name Liliencenter bleiben da Bezug zur Stadt .
Der Abriß.
Tiefgarage mit Bauschutt befüllen ist raffiniert aber nicht sinnvoll - auf dem Parkdeck ist es im Sommer jetzt schon teilweise unerträglich heiss. Jeder sucht dann einen schattigen Platz für sein Auto .
Auch Photovoltaik am Dach sollte bei einem Neubau ein Muss sein.
Einheimische Firmen wurden nicht befragt. Mit nur NKD und Kik lässt sich das Gebäude ganz sicher nicht beleben. Einen Interessenten kenne ich -wurde aber nicht gefragt.
Die Planung vom Architekten mag gut sein aber solang die Geschäftsführer nicht mehr Aktivität an den Tag legen -wird nur Geld verbraten und nicht wirklich was verbessert.
Meine Vorschläge
Den Namen behalten da in aller Munde.Photovoltaik aufs Dach -Strom speichern und den Ladestationen kostenlos -max 1Std-während Einkauf zur Verfügung stellen.
Edeka oder ähnlich weiter vorantreiben.
Den damaligen Plan vervollständigen.3.Stock für z.B.Kleinere Wohnungen bauen. Sicher braucht dieser KASTEN eine Verhübschung DRINGEND. Den Plan eines motivierten Cafes das sich um Nachhaltigkeit bemüht und daher auch den Umweltschutzgedanken groß schreibt in die Tat umsetzen.
Einen Trinkbrunnen mit sauberem Wasser anbieten(Trinkgefäss mitbringen)
Dienstleistungen für eine älter werdende Bevölkerung (Medizin) anbieten.
Der Puplikumsverkehr wäre gesichert.
Da der Betonklotz sicher noch Jahre halten würde wäre eine großzügige Renovierung sinnvoll.
Abriß und Neubau sehe ich kritisch. Besser wäre in meinen Augen den ursprünglichen Plan zu
verwirklichen.
Elisabeth Scherer

19.01.2020