04.05.2020 - 16:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Optimismus im Seniorenheim: "Angst habe ich keine"

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Von der Corona-Pandemie sind alle Menschen betroffen. Als besonders gefährdet gelten die Älteren, Risikopatienten und Bewohner von Altenheimen. Wie kommen sie zurecht mit Kontaktsperre, Angst vor Ansteckung, dem Sterben ihrer Mitbewohner?

Mit Maske und Rollator sind Bewohner des Kastenbauer-Hauses im blühenden Garten unterwegs.
von Helga KammProfil

Ursula G. (84): "Das ist jetzt alles anders geworden"

"Angst habe ich keine. Wenn es kommen soll, kommt es." Anna M. lebt im Neubau des Caritas-Altenheims St. Barbara. Vor knapp zwei Jahren, nach einem Schlaganfall, hat sie ihr Haus dem Sohn übergeben und ist ins Altenheim gezogen. Die 86-Jährige fühlt sich dort wohl, auch in Corona-Zeiten. "Wir können hinaus, auch in den Garten", erzählt sie. Dort dreht sie im Rollstuhl ein paar Runden, muss auch keine Maske tragen, anders als das gesamte Personal. Die Tage vergehen ihr schnell mit Zeitungslesen, mit Büchern und Gesprächen mit anderen Heimbewohnern, auch mit ihrer Arbeit im Heimbeirat.

Anna M. (86): "Angst habe ich keine. Wenn es kommen soll, kommt es."

Ursula G. ist noch nicht lang im Kastenbauer-Haus in Sulzbach-Rosenberg. Im Mai 2019 ist ihr Mann gestorben. Das Haus und den Garten in Lintach zu pflegen, ist der 84-Jährigen immer schwerer gefallen. Ihre Töchter haben ihr geraten: "Geh doch in ein betreutes Wohnen." Dort, im Kastenbauer-Haus, ist sie eine von denen, die noch selbstbestimmt leben wollen und können.

Dass ihre Töchter sie besucht oder abgeholt haben, heim in die Familie oder zu Veranstaltungen, machte ihr den Heimaufenthalt ganz angenehm. "Das ist jetzt alles anders geworden", sagt Ursula G. Sie darf das Haus nicht verlassen, die Angehörigen dürfen zwar kommen, aber nur über den Zaun mit ihr reden. Telefonieren geht immer, aber reicht das? "Wäre ich noch daheim in Lintach", überlegt die Seniorin, "könnte ich mich freier bewegen." Aber: Die Entscheidung wurde getroffen, ein Zurück gibt es nicht mehr.

Edelbert B. (85): "Der Kontakt mit den Nachbarn ist spärlich geworden"

Edelbert B. braucht wegen einer Nervenstörung an den Füßen den Stock oder den Rollator. Nach 20 Jahren Berufstätigkeit in Lauterhofen kam der ehemalige Pfarrer und Religionslehrer seiner Familie wegen nach Sulzbach-Rosenberg zurück und fand vor zwei Jahren Aufnahme im Kastenbauer-Haus.

Was sie momentan vermisst, sind die Gymnastikstunden mit ihrer Therapeutin, der der Zutritt ins Heim nicht erlaubt ist. Auch die Söhne, Schwiegertöchter und Enkel dürfen sie nicht besuchen, das tut weh. "Gut, dass wir telefonieren können", sagt Anna M., fügt sich aber in das Unvermeidliche in einer schwierigen Zeit.

Das Betreute Wohnen dort besteht für den rüstigen Senior lediglich im Mittagessen, seinen Haushalt einschließlich der Pflege seiner Wäsche macht er selber. Zu seinem Alltag gehören Bücher, der Aufenthalt im Garten und etliche Kilometer Fahrt auf seinem Heimtrainer. In der Vor-Corona-Zeit war Edelbert B. oft mit dem Auto unterwegs, besuchte Familie und Freunde, fuhr zum Einkaufen. Jetzt steht sein Auto verschlossen auf dem Parkplatz des Heims. "Ich werde auch nicht mehr fahren", sagt er, "mit 85 muss damit mal Schluss sein."

Angst vor dem Virus hat B. nicht, wohl aber sieht er die Veränderungen, die die Pandemie bewirkt. "Der Kontakt mit den Nachbarn ist spärlich geworden", beschreibt der die Stimmung im Haus. Es gebe kein gemeinsames Singen mehr, kein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel auf dem Flur, das Mittagessen werde ins Zimmer gebracht. Aber Edelbert B. ist zuversichtlich: "Es werden wieder normale Zeiten kommen, dann kann ich auch meine Familie wieder in den Arm nehmen."

Maria M. (87): "Ich bin alt, habe mein Leben gelebt"

Das kleine Appartement von Maria M. im Bavaria-Heim war lange verwaist. An Ostern kam die 87-Jährige im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg auf die Isolierstation. Ihr Sohn und ihre Tochter durften sie nicht besuchen, Kontakt war nur möglich über das Personal der Station. Maria M. hat sich nicht gefürchtet, aber doch damit gerechnet, dass das Virus sie anstecken könnte. "Ich bin alt, habe mein Leben gelebt", waren ihre Worte, ruhig und gelassen sah sie dem Schicksal entgegen. Lebensverlängernde Maßnahmen, auch die Beatmung, lehnte sie ab. Doch ihre Stunde war noch nicht gekommen. Mittlerweile wurde Maria M. negativ getestet, es geht ihr besser, sie ist wieder im Heim.

Annemarie H. (84): "Lisa darf nicht mehr kommen."

Annemarie H. (84) lebte 20 Jahre lang im Marienheim Amberg. Nach schwerer Erkrankung war sie auf Hilfe angewiesen, hatte Probleme mit der Motorik, brauchte den Rollstuhl. "Mir geht es gut, ich bin zufrieden", beschrieb sie ihre nicht leichte Situation. Die Corona-Pandemie aber brachte für sie eine gravierende Veränderung mit sich: "Lisa darf nicht mehr kommen." Lisa ist ihre Schwester, die täglich bei ihr im Heim war, sie mit dem Rollstuhl mitnahm in die Stadt, ins Café, zum Friseur. Diese Abwechslung gab es nicht mehr. Trotzdem haderte Annemarie H. nicht. Aber dass sie Lisa bald wiedersehen dürfte, wünschte sie sich sehr.

Sie hat Lisa wiedergesehen, für einen kurzen Moment, als sie im Sanka ins Krankenhaus gebracht wurde. Annemarie H. ist nach einem Schlaganfall am 27. April verstorben.

Coronavirus breitete sich in Hirschauer Seniorenheim aus

Hirschau
Auch im Caritas-Altenheim St. Barbara besteht Kontaktverbot für Bewohner und Besucher.
Verwaist ist der gemütliche Sitzplatz im Bavaria-Seniorenheim.
Der weitläufige Garten des St.- Barbara-Altenheimes bietet den Bewohnern die Möglichkeit zum Aufenthalt an der frischen Luft.
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