14.10.2021 - 16:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Perfekter Digitalblick in den Körper am St.-Anna-Krankenhaus – aber nicht für ambulante Kassenpatienten

„Geschwindigkeit und Auflösung sind sensationell.“ Vorstand Roland Ganzmann ist beeindruckt vom neuen Gerät: Im Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg arbeitet ein nagelneuer Magnetresonanztomograph. Aber aktuell hat die Sache noch einen Haken.

Der Radiologe und Ärztliche Leiter Bakia Bessong (rechts) arbeitet mit seinem Team schon seit einigen Tagen an dem neuen Gerät.
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Die bisher im St.-Anna-Krankenhaus ansässige radiologische Praxis von Dr. Dieter Herrneder war in Eigeninitiative zum 1. Oktober nach 20 Jahren wieder nach Amberg zurückgezogen und arbeitet jetzt im Gesundheitszentrum am Klinikum St. Marien. Um die Lücke zu schließen, nahm die Radiologie im St.-Anna-Krankenhaus vor einigen Tagen ein neues hochmodernes Großgerät in Betrieb. Der Neupreis solcher Magnetresonanztomographen liegt je nach Ausstattungsmodulen zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro.

Der Ärztliche Leiter Bakia Bessong zeigte sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien begeistert von den Vorzügen des digitalen Systems, das übrigens baugleich auch im Klinikum Nürnberg verwendet wird. „Wir verfügen jetzt über eine einzigartige Technologie, die das Signal direkt in der Spule am Patienten digitalisiert. Durch die Glasfaserübertragung der digitalen Breitbanddaten wird mögliches Rauschen beseitigt, das für analoge Übertragungen typisch ist. Geschwindigkeit und Auflösung sind einfach sensationell, ebenso wie die Bedienbarkeit und nicht zuletzt auch der Patientenkomfort.“

Und der Vorteil für die Patienten liegt klar auf der Hand: Sie erhalten sofort ein scharfes, detailreiches Bild der untersuchten Körperregion, der behandelnde Arzt kann eine exakte Diagnose stellen, und das Ganze ist nicht gesundheitsschädlich. Es geht schnell und genau – eben Stand der Technik.

Vorstand Roland Ganzmann sprach gar von einem Quantensprung im Vergleich zum bisherigen Bildmaterial, das von einer Radiologie-Praxis erarbeitet wurde. „Jetzt haben wir die Geräte- und die Befundungsqualität in eigenen Händen, davon werden unsere Ärzte und die von ihnen behandelten Patienten sehr profitieren können, auch mit Hilfe zusätzlicher Spezifikationen wie zum Beispiel für die Kardiologie. Das St.-Anna-Krankenhaus hat mit dem eigenen MRT einen weiteren Meilenstein als moderner und hochwertiger Klinikstandort erfüllt.“

Ermächtigung steht aus

Allerdings gibt es noch eine Hürde zu nehmen: Um den MRT in Sulzbach-Rosenberg auch bei den ambulanten Kassenpatienten als Leistung erbringen zu können, muss eine sogenannte Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung vorliegen. Diese wurde noch nicht erteilt, weil sich zwei niedergelassene Ärzte im Raum Amberg-Sulzbach dagegen ausgesprochen hatten.

Wie Ganzmann informierte, habe das Krankenhaus St. Anna schon im April dagegen Berufung eingelegt, über die aber in München noch nicht entschieden worden sei. „Diese Einschränkung ist ein absolut unzumutbarer Zustand für die 12 000 bis 14 000 Patienten im westlichen und nördlichen Landkreis“, äußerte ein niedergelassener Arzt, der damit die Meinung der großen Mehrheit seiner Kollegen zusammenfasste. Verwiesen wurde auf Wartezeiten von bis zu acht Wochen für einen Termin in Amberg oder alternativ auf lange Fahrtstrecken nach Nürnberg oder Fürth.

Stellvertretender Vorstand Thomas Baldauf ergänzte, dass Terminwünsche der Arztpraxen gerne ab sofort entgegengenommen werden, auch wenn sich das Ermächtigungsspektrum für den ambulanten Bereich teilweise noch im Beantragungsverfahren befinde und deshalb aktuell eingeschränkt sei.

Vorsicht bei Metall

Die elektromagnetischen Wellen führen zur Ausrichtung bestimmter Atomkerne (Wasserstoff) im Magnetfeld. Bei der Rückkehr der Kerne in den Normalzustand senden diese ein Signal aus, das eingefangen und in Bildern ausgegeben wird. So können unterschiedliche Gewebe, aber auch krankhafte Veränderungen wie Tumore dargestellt werden. Manchmal wird ein Kontrastmittel über den Blutkreislauf eingesetzt.

Metallteile im Magnetfeld können zu Verletzungen und zu Bildfehlern führen, Herzschrittmacher oder ähnliche Implantate durch das Magnetfeld beschädigt werden. Deshalb müssen alle Metallteile am Körper vor der Untersuchung abgelegt werden. Die Untersuchungsperson wird auf einer Liege in einen röhrenförmigen Magneten geschoben, die Prozedur selbst dauert zwischen 20 und 40 Minuten.

In Sachen Geburten gab es vor kurzem am St.-Anna-Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg Erfreuliches zu vermelden

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Ein genauer Blick in alle Schichten des Körpers, hier bei einem Fußgelenk, wird durch die neue digitale Technik möglich - kein Vergleich mehr zu den früheren Röntgenaufnahmen.
Hintergrund:

Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie oder MRI, ist ein diagnostisches Verfahren zur Erzeugung von Schnittbildern des menschlichen Körpers. Dies erfolgt im Unterschied zur Computertomographie (CT) ohne Röntgenstrahlung in einem Magneten mit hoher Feldstärke. Es werden Radiowellen erzeugt und durch den Körper, der im Magneten liegt, geschickt.

„Diese Einschränkung ist ein absolut unzumutbarer Zustand für die 12.000 bis 14.000 Patienten im westlichen und nördlichen Landkreis“

Ein niedergelassener Arzt zur Tatsache, dass ambulante Kassenpatienten den MRT noch nicht nutzen dürfen

 

 

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