22.09.2021 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Photovoltaik auf der Deponie „Erzhülle“: Klimaschutz lässt fast keine Alternative zu

Grundsätzlich ist die Hausmülldeponie „Erzhülle“ für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage geeignet. Im Stadtrat gab es dazu nur wenige kritische Stimmen. Allerdings birgt das Gelände gewisse Hürden für eine wirtschaftliche PV-Nutzung.

Auf der etwa fünf Hektar großen Sanierungsfläche der ehemaligen Hausmülldeponie "Erzhülle" sind die Arbeiten zur Abdichtung angelaufen. Viele Stadträte könnten sich dort schon in absehbarer Zeit eine Freiflächen-Photovoltaikanlage vorstellen, um dem Klimawandel zu begegnen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Photovoltaikanlagen auf Konversionsflächen finden meist viele Befürworter. Neue Flächen müssen nicht versiegelt oder der Landwirtschaft entzogen werden. So eine Möglichkeit bietet sich für die Stadt Sulzbach-Rosenberg nun mit dem Gelände der ehemaligen Erzgrube „Karoline“, wo später Tausende Tonnen Hausmüll abgelagert wurden. Zurzeit wird die Deponie nördlich von Sulzbach-Rosenberg saniert. Dazu ist eine Profilierung und Abdichtung des Geländes notwendig. CSU-Fraktionssprecher Patrick Fröhlich beantragte schon im November 2020 die Prüfung einer möglichen PV-Anlage auf dem Deponiegelände.

Jetzt kam die am Dienstag im Ratsgremium vorgestellte Machbarkeitsstudie zu dem Schluss, dass sich die Deponie „Erzhülle“ aufgrund ihres Süd- bis Südwesthanges bestens für Photovoltaik eignet. „Angesichts der nicht mehr aufzuhaltenden Energiewende, den immer gravierender werdenden Auswirkungen des globalen Klimawandels und der immer stärker werdenden Forderung nach Nachhaltigkeit halten wir es für dringend notwendig und langfristig unumgänglich, solche Flächen wie die ehemalige Deponie Erzhülle für die Energiewende zu nutzen“, resümierte Geologe Peter Swoboda von der R & H Umwelt GmbH aus Nürnberg, die auch die Sanierung der ehemaligen Müllgrube leitet.

Detailliert verwies der Fachmann aber auch auf die Erschwernisse, die der dortige Aufbau einer PV-Anlage mit sich bringen würde. Unter anderem nannte er Naturschutz-Ausgleichsflächen auf dem Gelände, einen technischen Mehraufwand wegen der Hanglage bei der Aufständerung der Module, eine Rekultivierungsschicht von nur einem Meter Mächtigkeit auf der Folie, mögliche Bodensetzungen sowie eine schlechtere Vergütung für PV-Strom. „Unter Berücksichtigung der vielen Unwägbarkeiten dürfte die Amortisierungszeit sehr wahrscheinlich zwischen 20 und 25 Jahren liegen“, so Peter Swoboda, der die Gesamtkosten für die PV-Anlage in Sulzbachs Norden zwischen 2,8 und 3,54 Millionen Euro bezifferte.

Elektroflotte und Wasserstoff

Seiner Meinung nach sollte die Möglichkeit der Nutzung der Deponiefläche zur Erzeugung von PV-Strom in jedem Fall weiterverfolgt werden. Eventuell würden sich daraus noch andere Perspektiven, etwa die Nutzung des PV-Stroms für eine Elektroflotte der Stadt Sulzbach-Rosenberg oder die Herstellung von Wasserstoff, ergeben.

„Trotz der kritischen Bewertung in Bezug auf einen wirtschaftlichen Betrieb der Photovoltaikanlage empfehlen wir aus ökologischen und vor allem Klimaschutz-Gründen und als Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen die Errichtung einer PV-Anlage auf der ehemaligen Deponie ,Erzhülle‘ weiterzuverfolgen. Wenn solche Konversionsflächen nicht sinnvoll genutzt werden, wird der vollständige Umstieg auf regenerative Energien niemals oder erst in vielen Jahren gelingen“, gab sich der R&H Umwelt-Geschäftsführer überzeugt.

Seine Anregungen, dort auch in der Zukunft alternative Möglichkeiten zur Stromabnahme oder zur Verwertung und die Einbindung von lokalen Energieversorgern zu prüfen, nahm auch Bürgermeister Michael Göth wohlwollend zur Kenntnis, in dem er Möglichkeiten des Anlagen-Leasings und die Wasserstoff-Erzeugung ansprach. Auch könnte er sich die Kommune als Abnehmer des PV-Stroms vorstellen. Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn bewertete ebenfalls die Hemmnisse auf der Deponiefläche, sprach sich aber dort für eine Vorzeigefläche für alternative Energien oder Energiespeicherung aus. Zudem regte er die Einbindung von Fraunhofer Umsicht an und plädierte dafür, Flächennutzungspläne auch für erneuerbare Energien anzupassen.

Fraunhofer Umsicht einbinden

CSU-Fraktionsvorsitzender Patrick Fröhlich zeigte sich ebenfalls als ausdrücklicher Befürworter einer PV-Anlage auf der Deponie, sah die Notwendigkeit, solche Konversionsflächen für die Energiewende zu nutzen und bedauerte, dass Stadtrat und Verwaltung dies nicht rechtzeitig auch beim Schlackenberg-Gelände in die Wege geleitet hätten. „Zunächst aber muss man die Voraussetzungen schaffen, mit Planern reden, Fraunhofer einbinden und Fördermöglichkeiten prüfen“, so Fröhlich. Auch SPD-Fraktionssprecher Achim Bender sah die enorme Bedeutung dieser Fläche für die alternative Energienutzung, nannte die große PV-Anlage der Firma Kurz als Beispiel und plädierte dafür, sich als Stadt dort alle Möglichkeiten offen zu halten.

Yvonne Rösel sprach für die Bündnisgrünen von einem Glücksfall, eine solche Fläche für Sonnenstrom oder alternative Formen nutzen zu können. „So eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen. Die positive Haltung im Stadtrat dazu sehe ich als großen Schritt nach vorne.“ Doris Schmidt-Hartmann (SURO2030) sah für ihre Fraktion nur eine Zustimmungsmöglichkeit, falls die Stadt grundsätzliche Überlegungen für einen Energieentwicklungsplan mit einem festen Kriterienkatalog anstelle. Darunter fielen etwa Fragen nach geeigneten Standorten, Investoren, Möglichkeiten der Kopplung mit anderen Formen der Energieerzeugung oder der grundsätzlich benötigten Strommenge.

Martin Pöllath (FDP/FWS) sprach sich klar für weitere Planungen in Sachen PV-Anlage aus und regte an, den Empfehlungen des Gutachters zu folgen. Eventuell könnte es auch nach der Bundestagswahl neue Fördermöglichkeiten für Solarstromerzeugung geben. Für Stefan Thar (FWU) war das Vorhaben mit Blick auf den Stadthaushalt eine Nummer zu groß – nur ein Investor könnte das seiner Meinung nach realisieren. Wolfgang Berndt (Die Linke) sprach sich ebenfalls für weitere Untersuchungen aus und sah für die Stadt eine gute Möglichkeit der Eigenstrom-Erzeugung. Am Ende votierte das Gremium einstimmig für weitere Planungen auf der Deponie im Sinne der Vorschläge in der Machbarkeitsstudie.

Mehr zu Bürger-Solarstrom von der Deponie "Erzhülle" in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Mehr zu den Belastungen auf dem Gelände der Deponie "Erzhülle"

Sulzbach-Rosenberg
So könnte die Verteilung der Photovoltaik-Module auf der früheren Hausmülldeponie "Erzhülle" aussehen.
Die Abdichtung der Deponiefläche läuft.
Hintergrund:

Nutzungsmöglichkeiten der Deponiefläche

  • Sonnenstrom für die Stadt
  • Anlagen-Leasing durch die Stadt
  • Wasserstoff-Erzeugung
  • Kooperation mit Energieversorgern
  • Fläche für Energiespeicherung

„Wenn solche Konversionsflächen nicht sinnvoll genutzt werden, wird der vollständige Umstieg auf regenerative Energien niemals oder erst in vielen Jahren gelingen.“

Peter Swoboda, Gutachter und Geologe

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.