16.07.2019 - 15:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Ein Schmarrn": Studie würde die Oberpfalz total verändern

Die Krankenhaus-Studie der Bertelsmann-Stiftung hat eine heftige Debatte ausgelöst. Auch die Krankenhäuser in der Region sind von dem radikalen Vorschlag wenig begeistert. In der Oberpfalz würde sich demnach viel verändern.

Das St- Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg mit seinen 165 Betten müsste geschlossen werden - wenn es nach der aktuellen Bertelsmann-Studie geht.
von Julian Trager Kontakt Profil

Geht es nach der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, würde die Krankenhauslandschaft in der nördlichen und mittleren Oberpfalz ganz anders aussehen. Bis auf die Kliniken in Amberg und Weiden müssten alle anderen in der Region schließen. Die Krankenhäuser in Auerbach, Kemnath, Schwandorf, Sulzbach-Rosenberg, Tirschenreuth und Vohenstrauß - alle weg.

Die Autoren der Studie raten, von den derzeit 1400 Krankenhäusern nur noch rund 600 größere und besser ausgestattete Kliniken zu erhalten, um die Versorgung der Patienten zu verbessern. Denn: "Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung", so die Experten.

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Klaus Emmerich, Vorstand der Krankenhäuser in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach, sieht das ganz anders. Emmerich kämpft seit Jahren gegen das Kliniksterben im ländlichen Raum, hat darüber auch ein Buch geschrieben. Die Bertelsmann-Studie hat ihn verärgert, sehr sogar. Die Studie entziehe den kleinen Krankenhäusern die Existenzgrundlage, findet Emmerich. Sie spreche ihnen die Qualität ab. Das stimme aber nicht. "Es gibt genügend Studien, die belegen, dass kleinere Krankenhäuser bei Routinetätigkeiten besser sind als größere." Aber manche Dinge könnten freilich nur in größeren Kliniken durchgeführt werden, gibt er zu.

Die Studie ist für Emmerich trotzdem ein "Schmarrn". Der Vorschlag funktioniere im ländlichen Raum wie der Oberpfalz nicht. Schließt dort ein Krankenhaus, fehle in der Region viel mehr als nur eine Klinik. Dann gebe es dort oft keine Bereitschaftspraxis mehr, keine Notfallversorgung. "Krankenhäuser sind hier auch ambulante Versorger." In Ballungszentren wie München, Nürnberg oder Köln, wo die Fallstudie durchgeführt wurde, könne das schon klappen. Aber eben nicht in der Oberpfalz. "Die Leute hier spüren das als allererste, wenn die Krankenhäuser geschlossen werden."

Die Folgen könnten drastisch sein, glaubt Emmerich: Wegen der längeren Wege ins nächste Krankenhaus werden Menschen dann unterwegs sterben, die sonst in einer der kleineren und näher gelegenen Kliniken erstversorgt werden und dann in die Spezialklinik weitertransportiert werden könnten. "Wir können es uns doch nicht leisten, dass eine Person stirbt, weil zwischen Bayreuth und Amberg kein Krankenhaus liegt."

So sieht die Lage aktuell aus

Weiden in der Oberpfalz

Der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz (Weiden, Kemnath, Tirschenreuth, Vohenstrauß), Josef Götz, sieht es ähnlich, aber weniger dramatisch. Er hält die Studie für unrealistisch. Zudem sieht er Schwächen in der Argumentation der Autoren. Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle würden ohnehin bereits in größeren Kliniken durchgeführt, und nur in Ausnahmesituationen in kleineren. Götz sagt aber auch: "Das ein oder andere Krankenhaus ist sicherlich entbehrlich." Allerdings brauche man dann alternative Versorgungsangebote. So wie in Waldsassen, wo vor kurzem die Akutklinik geschlossen wurde. Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung sei am wichtigsten.

Das Klinikum Amberg wäre von dem radikalen Plan der Studie nur indirekt betroffen, es müsste dann halt viel mehr Patienten aufnehmen. Hubert Graf, kaufmännischer Direktor des Klinikums, hält das für problematisch. "Wir könnten keine riesigen Fallzahl- und Patientenzuwächse behandeln. Sehr, sehr schwierig."

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Sulzbach-Rosenberg

Kommentare

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Joachim Schmidt

Wenn wieder mal die Experten von oder in einer Studie der Bertelsmann Stiftung zitiert werden, denke ich an die Folge der Anstalt (online zu sehen) die schön aufzeigt, welche Interessen die Bertelsmann Stiftung vertritt.

Der otto Normalverbraucher sollte sich auch mal mit dem Thema "Studien-Design" und den Gestaltungsmöglichkeiten damit beschäftigen.

Dies führt dann zu Sätzen wie den folgenden, die an sich 0 Aussagekraft haben, aber schön die Interessen der Studien Finanziers erkennen lassen:

"Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung", so die Experten.

Zentralisierung, nochmehr Privatisierung des Industriezweiges "Krankenhaus", verständlich, dass auch Götz (AG) aus wirtschaftlichem Eigen-Interesse die "Entbehrlichkeit" der ein oder anderen Klinik propagiert.

16.07.2019