13.10.2021 - 17:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schriftsteller Franz Dobler: "Roman ist Arbeit, Gedichte sind Ausflüge"

Krimis kann er, mit Musik kennt er sich aus. Franz Dobler ist aber auch schon lange ein großer Lyriker. Seine gesammelten Werke stellt er jetzt in Sulzbach-Rosenberg vor. Wie Gedicht, Western und Musik zusammenkommen, verrät er vorab.

Schriftsteller Franz Dobler und die Band "Das Hobos"
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Herr Dobler, 29 Jahre Lyrik jetzt versammelt in einem Band: Was lässt sich mit Gedichten besser ausdrücken als mit Prosa?

Franz Dobler: Meine Gedichte sind wie Fotos, Momentaufnahmen. Die meisten sind nicht sehr lang, auch wenn der Raum hinter den Worten riesig sein kann. In dieser Schnelligkeit, nicht zu verwechseln mit Hektik oder Speed, liegt der Reiz für mich. Roman ist Arbeit, Gedichte sind Ausflüge.

ONETZ: Im Gedicht „Gefährliches Leben“ konstatieren Sie, einen Roman zu schreiben sei genauso gefährlich wie einen Millionenraub durchzuführen. Wie steht es mit dem Gefahrenpotenzial bei Gedichten?

Franz Dobler: Wenn ich an einem Roman ein Jahr arbeite und am Schluss auf die Idee komme, dass ich das Ding besser wegwerfen sollte, dann ist das eine Gefahr, die bei meiner Art, Gedichte zu schreiben, nicht entsteht.

ONETZ: Und welche Rolle spielt die Musik beim Schreiben von Gedichten? Haben Sie vor den Worten schon eine bestimmte Melodie im Kopf?

Franz Dobler: Ich schreibe fast nie einen Song, denke also nicht an Musik. Aber manche Gedichte sind von Songs inspiriert und ich halte mich an ein Schema. Manche Gedichte schreibe ich später um, wenn ich sie mit der Band Das Hobos vertone.

ONETZ: Friedrich Ani, ein anderer Großer der politischen Gegenwartslyrik, hat gesagt , Lyrik sei die Quintessenz seiner Beobachtungen, Gedanken und sein Versuch, etwas zu begreifen. Würden Sie das auch unterschreiben?

Franz Dobler: Unbedingt! Wenn mein Freund Ani was sagt, unterschreibe ich das sowieso geradezu blind.

ONETZ: Wie kamen eigentlich Western und Country-Musik in Ihre Gedichte?

Franz Dobler: Naja, ich erfinde in meiner Literatur sehr wenig, und weil Musik schon so lange so wichtig für mich ist, kommt die immer wieder rein, ohne dass ich das verhindern könnte. Eine Zeit lang war das Country. Bei meinem ersten Gedichtband „Jesse James und andere Westerngedichte“ haben mich die Parallelen zwischen den Westerntypen aus dem Fernsehen und gewissen bayerischen Typen interessiert. Mein Vater hat mir Schießen beigebracht, und wir hatten keine Waffenscheine, niemals!

ONETZ: Bei Ihrem Gastspiel in Sulzbach-Rosenberg ist auch die befreundete Band „Das Hobos“ mit am Start. Erwarten das Publikum vertonte Gedichte oder davon unabhängige musikalische Untermalung?

Franz Dobler: Es gibt drei Sets: Ich lese allein, wir performen zusammen mit vertonten Gedichten, sie spielen allein. Jeweils etwa 30 Minuten.

ONETZ: Und weil der Titel des Buches so schön ist: Wollen Sie immer noch nur kriegen, was Sie haben wollen?

Franz Dobler: Danke für das Kompliment. Meine langen Titel sind ja sehr umstritten, ich leide fast darunter! Aber ja: ich will immer noch auf keinen Fall den netten Mist kriegen, den man schon am nächsten Tag nicht mehr haben will.

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Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Zu Person und Veranstaltung

  • Franz Dobler ist Journalist, Schriftsteller und DJ
  • 1993 Bayerischer Literaturförderpreis, 2015 und 2017 Deutscher Krimipreis
  • "Ich will doch immer nur kriegen was ich haben will", Gedichte 1991-2020, mit Fotografien von Juliane Liebert, Starfruit Publications, 288 Seiten, gebunden, 25 Euro
  • ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst "Die schönsten Deutschen Bücher 2021"
  • "Das Hobos" spielen seit 2010 zusammen, seit 2015 arbeiten sie mit Franz Dobler zusammen, Stilrichtung laut Dobler Electro-Krautrock-Folk
  • musikalische Lesung mit Franz Dobler & Das Hobos, Donnerstag, 14. Oktober, 19.30 Uhr, Capitol, Sulzbach-Rosenberg
  • Tickets 15 Euro, Buchhandlung Volkert Sulzbach-Rosenberg, Tel. 09661/812373

 

 

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