Am Sulzbach-Rosenberger Altstadtfest war es dieses Jahr so heiß wie wohl noch nie. Bei rund 38 Grad stand die Hitze in der Innenstadt, die Sonne brannte auf das Kopfsteinpflaster und den Gastronomen entging ordentlich Geschäft, weil die Menschen sich erst spät abends aufs Fest schleppten. Für kommendes Wochenende sind nun erneut um die 30 Grad vorausgesagt. Die aktuell hochsommerlichen Temperaturen nimmt ein in der Stadt gut bekannter Naturschützer zum Anlass, mehr Hitzeschutz anzumahnen. Dabei kritisiert er nicht nur, sondern macht auch konkrete Vorschläge.
Es handelt sich dabei um Peter Zahn, der bis Mai 30 Jahre lang in Sulzbach-Rosenberg Umweltschutzbeauftragter war und zugleich Ehrenvorsitzender der Kreisgruppe Amberg-Sulzbach des Bund Naturschutz ist.
Zahn, Gymnasiallehrer im (Un)Ruhestand, weist auf Bekanntes hin, nämlich, dass "bedrohliche Wetterereignisse" immer intensiver werden, länger anhalten und dass auch die Stadt Sulzbach-Rosenberg frühzeitig die Möglichkeit gehabt hätte, was dagegen zu tun. "Geschehen ist allerdings wenig", schreibt er an Oberpfalz-Medien. Man habe zwei Trinkwasserspender aufgestellt, klimaresistente Ersatzbäume gepflanzt und eine Infoveranstaltung angeboten.
Zahn: Stadt ist zu zögerlich
Der 84-Jährige nicht ohne kritischen Unterton: "Sonst gibt es nur Absichtserklärungen zu neuen Baumpflanzungen und Vorgaben in der Bauleitplanung. Angesichts der aktuellen Entwicklungen kann sich die Stadt ein so zögerliches Verhalten nicht länger leisten." Schutzmaßnahmen dürften "nicht länger hinausgezögert" werden. Zwar hat sich auch Armin Rüger (bis 2026 für die SPD im Stadtrat) in den vergangenen Jahren intensiv für Hitzeschutz eingesetzt und auf ein Konzept gedrängt, doch davon ist laut Zahn "viel in den Ausschüssen versandet".
Dem Naturschützer zufolge wäre ein Klimaschutzaktionsplan als "Gesamtkonzept" hilfreich, doch bis sowas ausgearbeitet ist, vergehe viel Zeit. Deshalb fordert er Einzelmaßnahmen, mit denen man sofort beginnen könne – und deren Ziel immer der "Schutz der Bevölkerung vor extremen Klimawandel-Folgen" sei.
Zahn nennt vier Bereiche: Unter 1. "Innenstadtgrün fördern" schlägt er Baumpflanzungen auf Straßen und Plätzen vor. Laut dem Ex-Umweltschutzbeauftragten gibt es dazu bereits seit 33 Jahren Vorschläge. Auch will er Dächer und Wände begrünen, zugebaute Bereiche entsiegeln oder bei Brunnen neue Oberflächenwasserläufe schaffen.
Aktion "Trinkwasser für alle"
Unter 2. "Schattenspender und Kühlsysteme" schlägt Zahn Sonnensegel und Wassersprühsysteme dort vor, wo Baumpflanzungen nicht möglich sind, sowie die Aktion "Trinkwasser für alle". Die gibt es zum Beispiel in Amberg. Passanten können sich in Geschäften kostenlos Trinkwasser geben lassen.
Der Punkt 3 "Motorisierten Individualverkehr reduzieren" dürfte schon kontroverser sein, denn hier bringt Zahn Vorschläge wie "verkehrsberuhigte Abschnitte", "Fahrspuren für Radfahrer", "Grüninseln auf ehemaligen Parkflächen" und "Umstieg auf ÖPNV fördern" vor. Außerdem (Punkt 4) fordert Zahn die "Förderung von Wäldern als CO2-Senken und zur Temperaturregulation".
Der Naturschützer zitiert das Präsidium des Deutschen Städtetags, wonach "Klimaschutz und Klimafolgenanpassung eine politische Aufgabe der Städte" seien. Selbst wenn Sulzbach-Rosenberg nahezu pleite ist, müsse die Stadt deshalb "unverzüglich" in die Umsetzung der Schutzmaßnahmen einsteigen. Seine konkrete Forderung: "Sofort alle finanzierbaren Schutzmaßnahmen auf den Weg bringen."
Frank: "Fordern ist leicht"
Oberpfalz-Medien hat mit Bürgermeister Stefan Frank (CSU) über diese nachdrücklichen Forderungen gesprochen. Ist die Stadt beim Klimaschutz zögerlich? Was wird konkret getan? Und warum nicht mehr?
Frank gibt sich bei dem Thema aufgeschlossen, sagt, er stehe Schutzmaßnahmen offen gegenüber. Und er lobt Zahn auch als "das grüne Gewissen der Stadt". Das Problem sei nur, so der Bürgermeister: "Forderungen kann ich leicht stellen. Ich brauche aber Maßnahmen, die umsetzbar sind, die auf Bürgerverständnis stoßen und die bezahlbar sind."
Damit will Frank die Diskussion keineswegs abwürgen, aber auf Schwierigkeiten hinweisen. Er nennt Beispiele: Als 2022 Pläne zur Umgestaltung des Kugelplatzes öffentlich wurden und durch mehr Sitz- und Grünflächen auch Parkplätze weggefallen wären, sei der Aufschrei der Anwohner groß gewesen.
Bürger einbinden kostet Zeit
Weiterer Fall: "Auf Höhe Möbel Münch gibt es eine Straßenrandbegrünung, das gehört auch zu unserem Konzept, mehr Grün zu schaffen. Jetzt beschweren sich aber Autofahrer, die aus dem Hitzelmühlweg kommen, dass die Sicht beeinträchtigt wäre. Einer schrieb in einer Mail, die Stadt würde alles zuwuchern lassen."
Frank verweist zudem auf die Diskussion um das geplante Fällen von Bäumen an der Jahnschule für einen zwingend nötigen Anbau: "Wenn wir bei jeder einzelnen Maßnahme vorher Bürger einbinden, dauert das seine Zeit. Ich bin gerne bereit, diesen Weg zu gehen, aber es muss klar sein, dass es ein Spagat ist." Deshalb wolle er die Neubaugebiete (Loderhof III, Katzenberg Nord) auch "grüner" gestalten, möglichst wenig versiegeln und Vorgaben in der Bauleitplanung machen – dann wüssten Bürger von vorneherein, was auf sie zukommt, wenn sie dort hinziehen.
Und noch was ist Frank zum Waldumbau wichtig: "Eine der größten Maßnahmen, die wir als Stadt derzeit machen, ist, wie von Zahn gefordert, den Waldumbau massiv voranzutreiben. Deshalb hatten wir in den Fatzen erst einen großen Holzeinschlag." Auf das Gegenargument, dass das aber den Luitpoldplatz nicht abkühlen würde, entgegnet Frank: "Wenn ich in der Stadt einen Baum pflanze, ist das ein Riesenaufwand. Im Stadtwald lässt sich sowas leicht umsetzen. Und es geht auch um das Klima, das um die Stadt herum ist. Wer weiß, wie die Temperaturen am Luitpoldplatz wären, hätten wir den grünen Gürtel drumherum nicht."


























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