03.02.2020 - 16:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Seidel-Anwesen in Sulzbach-Rosenberg gehört jetzt der Stadt

Da musste der Stadtheimatpfleger schon mal mit Rücktritt drohen, weil ihm der Ankauf des Seidel-Anwesens zu zögerlich voranschritt. Viel Herzblut bringt Markus Lommer für das kulturelle Juwel ein. Die Stadt vermeldet nun den Erwerb.

Jürgen Winter, Leiter des Liegenschafts-Referats, Stadtheimatpfleger Markus Lommer, Fördervereinsvorsitzender Peter Geiger und Bürgermeister Michael Göth (von links) freuen sich, dass das Seidel-Anwesen seit Dezember 2019 in städtischem Besitz ist.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Spätestens seit dem Sensationsfund der Max-und-Moritz-Vorläufer-Geschichte "Der Kuchenteig" von Wilhelm Busch im Jahr 2008 im Seidel-Archiv rückte der Wert des gesamten Ensembles ins öffentliche Bewusstsein. Immer wieder wiesen seitdem Fachkreise auf die herausragende kultur- und geistesgeschichtliche Bedeutung des Anwesens hin. Zur dauerhaften Sicherung sahen Experten deshalb einen Ankauf durch die Stadt als unumgänglich an. Auch die Besitzer-Familie König aus Frankfurt wollte sich einer Veräußerung nicht entgegenstellen, sah in einer zügigen Umsetzung keinerlei Nachteile. Hier zählte für die Eigentümer in erster Linie die Planungssicherheit. Dennoch sollte es rund 14 Jahre dauern, bis die Stadt Sulzbach-Rosenberg Vollzug melden konnte. Anfang Dezember ging nach Angaben von Hans-Jürgen Winter, Leiter des Liegenschaftsreferats, die notarielle Beurkundung über die Bühne.

2008 sorgte das Seidel-Anwesen mit einem literarischen Sensationsfund für Schlagzeilen

2017 diskutierte der Stadtrat über einen Bürgerentscheid zum Kauf des Seidel-Anwesens

Wichtiger Meilenstein

Im weiteren Beisein von Stadtheimatpfleger Markus Lommer und Seidel-Fördervereins-Vorsitzendem Peter Geiger machte Bürgermeister Michael Göth am Montagvormittag im Seidel-Saal den seiner Ansicht nach für das kulturelle Leben enorm wichtigen Meilenstein des Ankaufs offiziell öffentlich bekannt. "Der Besitz-Übergang ist mit dem 1. Januar 2020 vollzogen." Für gut 500 000 Euro wechselten die Immobilien Luitpoldplatz 4 und Bindergasse 5 die Besitzer. Wie erneut vorgestellt, handelt es sich beim Seidel-Ensemble um zwei Bereiche: Luitpoldplatz 4 mit der Buchhandlung Dorner, dem Café Minerva, Wohnungen und Archivbereichen in den Obergeschossen sowie um Bindergasse 5 mit dem Seidel-Saal (Historische Druckerei), darüber Lager- und Büroflächen. Vom Büro Bergmann stammt das Konzept der Folgenutzung, das im Januar 2018 im Bauausschuss zur Diskussion stand. Die Experten stellten damals eine Mischnutzung der beiden Anwesen vor, die vieles unter einen Hut bringen soll. Am Ende werde es eine Verbindung mit dem angrenzenden Haus für Bürgerdienste geben, was auch einen barrierefreien Zugang zu den Ämter möglich mache. Lagerflächen und Büroräume gehören ebenfalls zur gemischten Nutzung wie museal-kulturelle Flächen und Bereiche für die Stadtverwaltung im Vordergebäude.Einzelne Projekte würden dann je nach städtischer Haushaltslage umgesetzt.

Im November 2017 drohte der Stadtheimatpfleger wegen der Ankaufs-Debatte mit Rücktritt

Kunst, Kultur und Bildung

"Das hat jetzt natürlich schon etwas länger gedauert, aber unsere Devise lautete immer Sorgfalt vor Schnelligkeit", blickt Markus Lommer ohne Groll auf die unsicheren Zeiten bis zum Ankauf zurück. Trotz dieser relativ langen Phase der Ungewissheit habe es immer wieder viele kulturelle Veranstaltungen gegeben, die seit 2011 rund 60 000 Gäste besuchten. "Mit dem Seidel-Anwesen steigern wir ganz klar die Attraktivität der Stadt und schaffen Raum für Kunst, Kultur und Bildung", resümierte Peter Geiger.

Artikel zum Nutzungskonzept für das Seidel-Anwesen

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