28.08.2020 - 14:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Seien Sie dankbar für Ihre Krankenhäuser!"

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Interview mit dem scheidenden Vorstand des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach, Klaus Emmerich.

Klinik-Vorstand Klaus Emmerich.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

ONETZ: Herr Emmerich, Sie verlassen in wenigen Tagen das Kommunalunternehmen und gehen in den Ruhestand. Wenn Sie zurückblicken: Was war das größte Highlight als Vorstand?

Klaus Emmerich: Das größte Highlight stets die Mitarbeiter des St.-Anna-Krankenhauses und der St.-Johannes-Klinik. Das Betriebsklima in unseren Krankenhäusern ist einmalig. Das macht auch die Ausstrahlung in der Öffentlichkeit aus. Die Mitarbeiter sind freundlich, aufgeschlossen für notwendige Veränderungen, engagiert und patientenorientiert. Sie leben die Kliniken mit Herz und bringen sich mit großem Einsatz ein. Ich habe nie ein so gutes familiäres Betriebsklima in einem Unternehmen erlebt wie hier! Dafür bin ich sehr dankbar.

ONETZ: Was war während Ihrer Amtszeit Ihre wichtigste Entscheidung?

Die wichtigste Entscheidung wurde bereits im November 2012, also in meinem ersten Amtsjahr, getroffen: Wir haben in unserer Unternehmensstrategie entschieden, keine medizinische Arbeitsteilung mit benachbarten Krankenhäusern einzugehen, sondern unser Leistungsangebot kontinuierlich zu erweitern, statt es aus Kostengründen zu reduzieren.
Kostensenkungen und Fusionen sind zwar die Empfehlungen der Gesundheitsminister und Gesundheitsökonomen. Sie haben aber in unserer Region dazu geführt, dass die kleinen Krankenhäuser zunehmend unattraktiv und unwirtschaftlich wurden. Hersbruck, Parsberg, Waldsassen und Vohenstrauß sind eindrucksvolle Beispiele dafür, dass Leistungsreduzierung und Kostensenkungsmaßnahmen existenzbedrohend werden können. Die Patienten kommen nicht mehr, die Krankenhäuser werden geschlossen.
Stattdessen haben wir genau das Gegenteil getan: Wir haben aufgerüstet, Zentren gebildet, das Krankenhausgebäude saniert, ein Fachärztezentrum errichtet und neue Behandlungsmethoden eingeführt, zum Beispiel das Herzkatheterlabor oder die Wirbelsäulenchirurgie.
Die Patienten begrüßen das und würden uns zu 90 Prozent weiter empfehlen, sagt eine unabhängige Befragung der Patienten über die Weiße Liste der Bertelsmann-Stiftung.

ONETZ: Seit Jahren kämpfen Sie gegen Kliniksterben. Droht das Krankenhaussterben auch im Landkreis Amberg–Sulzbach?

Definitiv nicht! Unser besonderes Glück ist, dass der Landkreis das St.-Anna-Krankenhaus und die St.-Johannes-Klinik mit Millionenbeträgen unterstützt. Dies kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und ist ein Vertrauensbeweis. Deshalb darf ich dem Landkreis und auch Landrat Richard Reisinger ein ganz großes Dankeschön aussprechen. Die hohe medizinische Behandlungsqualität wäre nicht möglich, wenn wir nicht hohe finanzielle Beiträge des Landkreises erhielten.
Im Gegenzug sind wir aufgrund der qualitativ hochwertigen und menschlichen Behandlung unserer Patienten - das dürfen wir selbstbewusst sagen - ein Aushängeschild des Landkreises. Solange dieses Bündnis weitergeführt wird, habe ich keine Sorge um unsere Krankenhäuser.
Trotzdem: Es ist ein Skandal, dass Häuser unserer Größenordnung nicht ausreichend finanziert werden und der Landkreis Millionen zuschießen muss. Wir sind kein Wirtschaftsbetrieb, sondern leisten medizinische Hilfe im Rahmen der Daseinsvorsorge. Dafür haben wir Anspruch auf vollumfängliche Kostenerstattung. Dass dieser Anspruch nicht ausreichend erfüllt wird, ist eine bittere Pille. Das Klinikpersonal würde sich mehr Wertschätzung für seine Aufgabe seitens der Gesundheitspolitik wünschen!

ONETZ: Sie haben also keine Sorgen um die Zukunft der Landkreiskrankenhäuser?

Nein. Landkreis und Landrat werden die Krankenhäuser weiter unterstützen, die Mitarbeiter sich weiter engagieren. Mein Nachfolger als Vorstand, Roland Ganzmann, ist eine sehr gute Wahl. Solange die Unternehmen ihren Kurs als selbstständige Krankenhäuser mit hohem Versorgungsangebot fortsetzen, wird es auch in Zukunft das St.-Anna-Krankenhaus und die St.-Johannes-Klinik geben.
Wohl aber habe ich Wut im Bauch: Die unzureichende Finanzierung, viele strukturelle Hürden und eine ausgeprägte Misstrauenspolitik des Bundesgesundheitsministeriums machen uns im Alltag das Leben sehr schwer. Da würde ich mir andere gesundheitspolitische Rahmenbedingungen dringend wünschen.

ONETZ:

Was meinen Sie mit ausgeprägter Misstrauenspolitik? : Unberechtigte Vorwürfe über schlechte Qualität in kleinen Krankenhäusern seitens Bundesgesundheitsminister Spahn und der Bertelsmann-Stiftung, massive Überwachungsbürokratie und ein viel zu enger finanzieller Rahmen. Wir leisten medizinische Hilfe, wenn Menschen uns brauchen. Das haben wir insbesondere während der Corona-Pandemie eindrucksvoll bewiesen. Im Gegenzug würden wir uns von Gesundheitsministern und Gesundheitsökonomen mehr Wertschätzung und Unterstützung im Alltag wünschen.

ONETZ: Was wäre Ihre letzte Botschaft an die Region?

Ein ganz großes Dankeschön an die Mitarbeiter für ihren engagierten Einsatz, ebenso an den Landkreis für sein Vertrauen, ein sehr persönliches Dankeschön an Landrat Richard Reisinger. Er war es, der mich vor gut acht Jahren im Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens als Vorstand vorgeschlagen hat. Auch meine Frau musste oft auf mich verzichten. Der Bevölkerung möchte ich signalisieren: Seien Sie dankbar für Ihre Krankenhäuser im Landkreis. Wohnortnahe Kliniken sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb schenken Sie uns bitte weiter Ihr Vertrauen.

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