So ein gut 30 Meter hoher Kirwabaum hat ein ordentliches Gewicht und muss fest stehen. Nicht auszudenken, was bei einem Umstürzen passieren könnte. Das Sulzbach-Rosenberger Bauamt hat sich Gedanken darüber gemacht und diese in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses präsentiert. Kranwagen und Feuerwehrfahrzeuge – wie sie vergangenes Jahr zum Einsatz kamen – sind nämlich künftig nicht mehr erlaubt als Sicherheitsmittel beim Baumaufstellen, stellte Bürgermeister Michael Göth klar.
Kern der Überlegungen ist ein wichtiges Vorhaben: Aus Sicherheitsgründen sollen die Kirwabaumlöcher in Sulzbach und Rosenberg mit einer Spannvorrichtung ausgestattet werden, die künftig ein gefahrloses Aufstellen der Bäume gewährleistet. Es gäbe auch schon einen Anbieter: Von der Firma Bidlingmaier Technologie GmbH aus dem baden-württembergischen Betzenweiler, die sich als einziger Betrieb darauf spezialisiert hat, wurden vorsorglich Angebote für diese Spannvorrichtungen eingeholt.
Ober- und unterirdische Variante
Die Kirwabaum-Ständer mit dem Namen "Herkules Gigant" sind in einer ober- und einer unterirdischen Variante verfügbar. Für Sulzbach-Rosenberg sind beide im Gespräch. Der „Herkules Gigant“ sei ausgelegt für Baumhöhen bis 36 Meter und Durchmesser von 30 bis 45 Zentimetern bei einem Flächenschwerpunkt auf 11,5 Meter Höhe und einer Baumkronenfläche bis 7,5 Quadratmeter. „Die bestehenden Fundamente der Kirwabaumlöcher sind für die Spannvorrichtungen technisch nicht geeignet“, hatte das Baureferat ermittelt. Für die Standorte in Rosenberg und in Sulzbach müssten neue Fundamente mit je drei bis vier Quadratmetern dafür gebaut werden. Wichtig: Für Rosenberg sei die unterirdische Variante „Herkules Gigant“ möglich, für Sulzbach aber nur die oberirdische. Das liegt daran, dass sich unter dem Luitpoldplatz die Tiefgarage befindet – die Deckung zur Garage beträgt nur circa 1,50 Meter.
Die Kosten für den Kirwabaum-Ständer in Rosenberg, bestehend aus Einbauteil, schwenkbarer Spannvorrichtung und Fundament, lägen bei rund 32.000 Euro, für den Ständer in Sulzbach „Oberirdische Variante“ (Einbauteil, schwenkbare Spannvorrichtung und Fundament) rund 23.000 Euro.
Für Rosenberger unzumutbar
Es ginge aber auch nicht ganz so teuer. Die günstigere Ausführung wäre die oberirdische Ausführung für beide Standorte: Das heißt, in Sulzbach und in Rosenberg würde zwar zweimal je ein Fundament gegossen, aber nur ein Kirwabaum-Ständer beschafft und dieser pünktlich zur Kirwa wechselnd eingebaut – das käme auf ungefähr 39.000 Euro insgesamt (brutto, ohne Erd- und Pflasterarbeiten) gegenüber 55.000 Euro für zwei separate Lösungen.
Stefan Morgenschweis (CSU) fand sogleich den Pferdefuß: Wenn nur ein Halter für beide Kirwabäume existiere, habe schon der Woizkirwabaum ein extrem kurzes Leben: Nach seiner Aufrichtung Ende August müsste er Anfang September bereits nach rund zehn Tagen wieder vom Luitpoldplatz verschwinden, weil der Halter für die Rosenberger Kirwa gebraucht würde. „Das wird keine Freude auslösen“, orakelte der kirwagestählte Stadtrat. Und den Rosenbergern zuzumuten, ihren Baum dann auch gleich, quasi wegen der Gleichbehandlung, nach 14 Tagen abzuräumen, das käme ja schon überhaupt nicht in Frage.
Braucht es einen Kirwabaum?
Doris Schmidt-Hartmann (SURO2030) erinnerte an die Kirwan in Großenfalz und auch Breitenbrunn, wo die gleiche Gefährlichkeit herrsche und der Einbau solcher Halterungen gar nicht möglich sei. „Jetzt ist 50 Jahre nichts passiert, braucht es das jetzt?“, fragte Karl-Heinz Herbst (Grüne), der auch dem Kirwabaum an sich für die Zeit nach dem Austanzen komplett die Daseinsberechtigung absprach und für ein gemeinsames Gerät plädierte. „Bei aller Liebe“, konterte Joachim Bender (SPD), „der Kirwabaum gehört zum Stadtbild, das darf am Geld nicht scheitern.“
Ein Baukran koste auch Geld, erinnerte wiederum Patrick Fröhlich (CSU) und sprach sich ebenfalls für eine zweigleisige Lösung in Rosenberg (unterirdisch) und Sulzbach (oberirdisch) aus, ebenso für eine sofortige Abstimmung statt einer Haushaltsberatung. Sven Mörk (CSU) pflichtete bei und erinnerte an schwere Unfälle bei solchen Gelegenheiten in Deutschland. „Sicherheit ist unumgänglich.“ Auch gelte es in Rosenberg die Grundstücksfrage für den Standort der Halterung zu klären. Die Befahrbarkeit der Konstruktionen zu Parkzwecken lag Alexandra Ottmann (FWU) am Herzen.
"Ich bin sprachlos"
Schließlich brachte Stefan Morgenschweis –„Das ist ja allmählich wie im Komödienstadel, ich bin sprachlos“ – abschließend die Haftungsfrage beim Baumaufstellen ins Spiel: „Sicherheit ist absolut notwendig!“ Der Hauptausschuss beschloss am Ende (vorbehaltlich der Grundstücksfrage) einstimmig die Anschaffung von zwei separaten Ausführungen der Kirwabaum-Ständer: unterirdisch in Rosenberg, oberirdisch in Sulzbach. Dann fiel der Vorhang.
Kirwabaum-Ständer
- Woher? Die Firma Bidlingmaier (Landkreis Biberach, Baden-Württemberg) bietet die speziellen Spannvorrichtungen als bislang einzige Firma an.
- Varianten: "Herkules" (für kleinere Bäume) und "Herkules Gigant". Beide Herkules-Modelle sind in einer oberirdischen und einer unterirdischen Version bestellbar.
- Herkules Gigant: Sichert Baumhöhen bis 36 Meter und Durchmesser von 30 bis 45 Zentimetern.
- Kosten: Rosenberg (unterirdisch) ca. 32.000 Euro, Sulzbach (oberirdisch) ca. 23.000 Euro.



















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