08.08.2021 - 12:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sommerkonzert des Bayerischen Landesjugendorchesters in Sulzbach-Rosenberg

Der Schlosshof in Sulzbach-Rosenberg bot die schöne Kulisse für ein besonderes Konzert. Das Bayerische Landesjugendorchester war angetreten, um die Zuhörer mit Musik zu verwöhnen und vielleicht auch, um die Regenwolken zu vertreiben.

von Autor COGProfil

Mancher bange Blick ging in den Himmel, aber Petrus ist offensichtlich ein Freund hochkarätiger Orchestermusik. Denn das Sommerkonzert des Bayerischen Landesjugendorchesters im Schlosshof blieb vom Regen verschont.

Beim Stichwort "Sintflut" denken den meisten Menschen derzeit wohl an das Ahrtal. Johannes Wiedenhofer (*2005) ließ sich voriges Jahr von zwei Gemälden des englischen Malers William Turner inspirieren, der den finsteren Abend der Sintflut und den lichtvollen Morgen danach malte. Dazu komponierte der junge Mann das beeindruckende "Beyond Darkness", das jetzt vom Bayerischen Landesjugendorchesters (BLJO) uraufgeführt wurde. Da konnte man den Regen im 1. Satz fast mit den Händen greifen. Anfangs tröpfelte es nur, dann fiel der Regen immer dichter und die Flut wurde beängstigend. Gebannt lauschten die Zuhörer, als in der Musik die Wassermassen mit wilder Dramatik jedes Tal füllten und schließlich die ganze Welt bedeckten.

Das Land taucht auf

Entsetzensstarre, zugleich aber auch einen zarten Hoffnungsschimmer hauchte eine Flöte dann in den Abend, flirrend ergänzte eine Klarinette, langsam wurde es in "Beyond Darkness" heller. Dunst schwebte über den Wassermassen, allmählich tauchte das Land wieder auf. All das malt der vielfach preisgekrönte Komponist mit allen Farben des Orchesters. Das Publikum feierte Wiedenhofer mit stürmischem Beifall, bis er auf die Bühne kam. Von diesem Ausnahmetalent wird man bestimmt noch viel Gutes hören. Die Besucher des Konzerts im Schlosshof konnten den Beginn einer großen Karriere erleben. Mathis Stier ist ein hervorragender Fagottist, der im BLJO für Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Fagott und Orchester B-Dur eine kongeniale Begleitung fand. Bei den Konzerten des BLJO ist es immer wieder erstaunlich, wie die jungen Musiker in der kurzen Probenphase zu einem homogenen Klangkörper zusammenwachsen und auf einen Solisten eingehen können. Sie umschmeichelten Stier, waren sein Echo und Stichwortgeber, so dass er seine hoch virtuose Solopartie zum Blühen und Leuchten bringen konnte. Mal spielte er sinnlich mit opulenter Klangfülle, dann leichtfüßig-beweglich. Immer erfreute er mit einem außergewöhnlich schönen Ton und ansteckender Spielfreude, dabei genoss er sichtlich Mozarts Humor. Die Zuhörer waren begeistert.

Sonate für Fagott und Cello

Als der Applaus nicht enden wollte, spielte Stier mit einer Cellistin aus dem Orchester zusammen noch den 3. Satz aus Mozarts Sonate für Fagott und Cello – ein munteres, unbeschwert heiteres Vergnügen. Schwere Kost hingegen ist Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 4 e-Moll. Man hätte meinen können, dass die Musiker des BLJO zu jung sind, um die Tiefe dieses Werks wirklich zu erfassen, aber Dirigent Radoslaw Szulc führte sie einfühlsam und sicher durch alle Abgründe. Mit raumgreifenden Gesten und detaillierten Zeichen erreichte er jedes einzelne Orchestermitglied. Absolute Präzision und Klarheit ließen die Instrumentalisten nie in Unsicherheit. So gelang eine dichte, intensive Interpretation der Sinfonie als Brahms' Testament. Alle Instrumentengruppen erwiesen sich als hervorragend besetzt. Wunderbar waren die Streicher, deren sinnliches Piano den Zuhörern eine wohlige Gänsehaut machte. Prächtig waren die Blechbläser, ausdrucksstark und flexibel das Holz.

Stürmischer Beifall

Wie gebannt lauschten die Musikliebhaber bis zum letzten Ton, dann brach stürmischer Beifall los. Immer wieder musste der Dirigent zurück auf die Bühne kommen, dann ließ er sich endlich erweichen und hob erneut den Taktstock. Als Zugabe verwöhnte das BLJO das Publikum mit Brahms' Ungarischem Tanz Nr. 5 – ein wunderbarer Abschluss für einen rundum gelungenen Abend.

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