24.06.2021 - 16:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg: Jetzt steht die „Ent-Sammlung“ an

Für die Sulzbach-Rosenberger war das Stadtmuseum bisher immer eine gute Adresse. Mittlerweile gibt es dort aber mehr Inventar als Räume. Das Dilemma ist der fehlende Überblick.

Seit Jahren wird im Stadtrat eine neue konzeptionelle Ausrichtung des Stadtmuseums gefordert. Damit zusammen hängt die Suche nach einem Depot.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Stadtbewohner und Auswärtige jeden Alters, Kinder, Schüler und Studenten – sie alle werden im Stadtmuseum in der Sulzbach-Rosenberger Neustadt fündig, wenn es um die Historie eines schon im Mittelalter hoch bedeutsamen Adelssitzes im Nordgau geht. Doch das in die Jahre gekommene Museumskonzept verlangt nach einer Frischzellenkur in Form einer neuen Ausrichtung, was auch schon mehrfach im Stadtrat ein Thema war. Aktuell ging es am Dienstag, 22. Juni, in diesem Gremium um die Schaffung eines zentralen Depots für die Museen der Stadt, denn am Stammsitz quillt alles aus den Nähten und die Lager sind teilweise für die Aufbewahrung von Kulturgütern ungeeignet.

Die Fraktion von FDP/FWS hatte in der März-Sitzung den gleichlautenden Antrag gestellt, da aus Sicht der Liberalen nur in einem Depot-Neubau oder dem Ausbau eines geeigneten Objektes sinnvolle Lagermöglichkeiten und die dafür notwendigen raumklimatischen Bedingungen geschaffen werden könnten. Dort sollten Kapazitäten für alle Museen der Stadt vorgesehen werden. Wie Bürgermeister Göth bereits im November 2020 im Hauptausschuss aufmerksam machte, seien die Aufnahmemöglichkeiten im Archiv und im Museum bereits erschöpft. Beim Stadtmuseum komme zusätzlich die nicht fachgerechte Lagerung der Ausstellungsgegenstände hinzu.

Erst Bedarf ermitteln

Wie vom Haupt- und Rechtsreferat im Stadtrat zu erfahren war, sollte ein mögliches Depot mindesten 1050 Quadratmeter umfassen, um den aktuellen Bestand zu archivieren, außerdem verlange die Fortschreibung der Stadtgeschichte einen Puffer von etwa 200 Quadratmeter. „Wir brauchen so ein Depot, aber es sollte zuvor genau überprüft werden, was am Ende darin aufbewahrt beziehungsweise aussortiert wird“, sah Patrick Fröhlich (CSU) einen gangbaren Weg. Erst nach der Inventarisierung und Kategorisierung der potenziellen Exponate sollte die Verwaltung prüfen, ob es städtische Gebäude gebe, die die Ansprüche eines zentralen Museumsdepots erfüllen, oder den Neubau eines Depots planen.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei nach Ansicht des Rathauschefs auch die Neukonzeption des Stadtmuseums mit den Themenschwerpunkten „Montangeschichte“, „Druckereigeschichte“ und „Stadtgeschichte“. Unter diesen Aspekten soll ein externer Experte die Kategorisierung übernehmen, was durch eine Leader-Förderung sowie Haushaltsmittel finanziell abgedeckt sei. Erst nach Abschluss der Vorarbeiten werde sich der Stadtrat erneut mit der Thematik beschäftigen, um letztlich über Gebäude, Platzbedarf und Standort zu entscheiden. Der Beschluss dazu fiel einstimmig aus. Die ursprüngliche Sitzungsvorlage hätte die Inventarisierung parallel zur Suche nach Gebäuden vorgesehen.

Bahnhof als Lager?

Stefan Thar (FWU) sprach sich bei der Diskussion vehement gegen einen Neubau aus und schlug das Bahnhofsgebäude als alternative Lagermöglichkeit vor. Achim Bender (SPD) wollte in den Beschlussvorschlag die Begriffe „Ent-Sammlung“ und „Rückgabe“ mit aufgenommen wissen, um eine genauere Basis für weitere Entscheidungen zu erhalten. Und Wolfgang Berndt (Linke) sprach sich generell für eine großzügigere Planung aus, um den Bedarf auch in Zukunft decken zu können.

Bis aber die Sulzbach-Rosenberger und Touristen das Stadtmuseum in seinem „neuen Kleid“ erleben können, wird noch etwas Zeit vergehen. Während der Interimsphase soll zunächst ein Teil der dann kategorisierten Exponate im Sulzbacher Feuerwehrhaus am Annabergweg zwischengelagert werden. Dabei darf es sich aus statischen Gründen aber nur um leichte Gegenstände handeln.

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Hintergrund:

Museumsgeschichte

  • 1904: Beschluss der Museumsgründung
  • 1907: Eröffnung im Rathaussaal
  • 1912: Schließung
  • 1935: Depot im städtischen Baulager Frieser und in der Synagoge, ab 1947 im Schinhammer-Stadel
  • 1964: Eröffnung des Museums im Festsaal des Schlosses
  • 1983: Schließung im Schloss, Inventarisierung und Konzept
  • 1986: Eröffnung in Neustadt 14 bis 16 in Abschnitten

„Wir brauchen so ein Depot, aber es sollte zuvor genau überprüft werden, was am Ende darin aufbewahrt beziehungsweise aussortiert wird.“

Patrick Fröhlich, CSU-Fraktionssprecher

Patrick Fröhlich, CSU-Fraktionssprecher

 

 

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