17.05.2021 - 17:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Montangeschichte der Heimat: Erz, Eisen und Stahl werden lebendig

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Gibt es in Sulzbach-Rosenberg in Sachen Maxhütte, Stahlwerk oder Annaschacht Erinnerungslücken? Eine Arbeitsgruppe will jetzt das Gedächtnis auffrischen.

Die Sulzbach-Rosenberger Stahlkocher und Bergleute schufen Wohlstand für ganz Bayern. Jetzt soll ihre Geschichte ausführlich dokumentiert werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Fast 20 Jahre liegt die Schließung der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg zurück, noch länger die letzten Schichten in den Erzgruben der Region. Auch im Hinblick auf die Zukunft des Rohrwerks Maxhütte steht endgültige Klarheit noch aus. Der überwiegende Teil der Familien in Stadt und Umland hat über Beschäftigungsverhältnisse Verbindungen zum ehemals größten Hüttenwerk in Bayern. Damit diese Zusammenhänge nicht in Vergessenheit geraten und den Bewohnern und Besuchern dauerhaft zur Verfügung stehen, legte eine Arbeitsgruppe nun ein Gesamtkonzept für die Montangeschichte im Stadtrat vor.

Wie bei Stadtführungen wiederholt von Teilnehmern, aber auch vom Bergknappenverein und der Historischen Gruppe Stiber-Fähnlein geäußert, sollte eine Vernetzung aller noch bestehenden Hinweise auf die Montanindustrie dafür sorgen, dass die Errungenschaften nicht in Vergessenheit geraten, ja sogar zu Lehrzwecken genutzt werden könnten. Mit dem jetzt vorgestellten und von den Fraktionen einhellig begrüßten Konzept soll dies nun endgültig möglich gemacht werden. Seinen Startschuss hat es bereits mit der angelaufenen Umgestaltung des St.-Anna-Schacht-Geländes mit dem Förderturm erlebt.

Die Bewohner des Landkreises Amberg-Sulzbach könnten auf eine über 1000-jährige Bergbautradition und ein reiches montangeschichtliches Erbe zurückblicken. Insbesondere die Stadt Sulzbach-Rosenberg, wie Christine Schaller-Kokesch und Nina Mutzbauer von der Stadtverwaltung ausführten, habe mit ihrer Bergbaugeschichte und der Verhüttung ein Alleinstellungsmerkmal in der Bergbauregion Oberpfalz sowie durch die Maxhütte in ganz Bayern. Deshalb sei es auch aus Verantwortung gegenüber regionaler Kultur und Historie unumgänglich, mit einem Gesamtkonzept die Montangeschichte aufzuarbeiten und zu dokumentieren.

Für alle Schichten

Die vergangene Hüttenindustrie solle allen Bevölkerungsschichten nähergebracht werden. Hier spiele Erlebnispädagogik für Schüler im Schaustollen „Max“ genauso eine Rolle wie Erwachsenenbildung im Stadtmuseum oder Naturerlebnis etwa auf dem Bergbaupfad. Für Armin Kraus als Vorsitzenden des örtlichen Bergbauvereins geht mit der Umsetzung ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Neben einer generellen Steigerung der Attraktivität für Stadt und Umland, sieht er einen deutlichen Mehrwert auch für Generationen, welche die aktive Zeit der Maxhütte nicht mitverfolgen konnten. „Auch in der Zukunft bleibt Sulzbach-Rosenberg eine Bergbaustadt. Kinder und Jugendliche sollen nicht nur auf Nachfrage etwas über unsere Montangeschichte erfahren, sondern mit dem neuen Konzept auch aktiv direkt in der Schule über den Lehrplan.“

Im Stadtrat gab es durchwegs Lob für Tätigkeit der Arbeitsgruppe (AG), die sich aus Vertretern der Verwaltung, der Planung und des Ehrenamtes zusammensetzt. Das ohne Gegenstimme verabschiedete Konzept soll eine Verbindung aller wichtigen Örtlichkeiten schaffen, die jede für sich ausführlich erhalten, dokumentiert, der Öffentlichkeit nähergebracht sowie denkmal- und kulturpädagogisch erlebbar gemacht wird. Wie die AG anführt, sollen nach der Umgestaltung des Annaschacht-Geländes im zweiten Teilprojekt die noch sichtbaren Bauwerke und Landschaftsbestandteile der Bergbaugeschichte für die weitere Dokumentation miteinander verknüpft werden. Im einzelnen geht es dabei um den Bergbaupfad, die Abteilungen zur Montangeschichte (Bergbau, Maxhütte) im Stadtmuseum, den Schaustollen Max, das Infozentrum Schlackenberg sowie die Maxhütte.

Schaustollen zum Anfassen

Zu den einzelnen Teilbereichen gibt es umfangreiche Beschreibungen von Einzelmaßnahmen, die im Gremium beispielhaft ins Blickfeld rückten. „Im Schaustollen soll besonderer Wert auf das Anschauen, Anfassen, Mitmachen und Ausprobieren gelegt werden. Die Montangeschichte und das Leben der Bergmänner soll Kindern und Erwachsenen pädagogisch und vor allem erlebnisreich – wie etwa schmieden oder Erz schürfen – nähergebracht werden. Der Schaustollen kann als Erweiterung der Bergbauabteilung des Stadtmuseums gesehen werden, dessen Schwerpunkt die pädagogische Arbeit ist“, sagte Nina Mutzbauer vom Stadtmarketing zu einem der Bereiche.

Beim Bergbaupfad gehen die Planer von einer neuen Aufteilung der Routen aus. Sie bringen eine Instandsetzung der Wege ins Spiel, die für Kinderwägen oder Ansprüche von Rollstuhl- und Radfahrern berücksichtigen sollten. Außerdem wird es künftig neue Wegsymbole und Infotafeln mit ansprechenden Texten und Bildern an den wichtigsten Orten entlang des Pfades geben.

Auch für die Montanabteilungen des Stadtmuseums gibt es viele Überlegungen. Unter anderem sollen sie komplett ins Erdgeschoß umziehen und mit neuer Technik sowie Multimediastation im Außenbereich ausgestattet werden. Zusammengefasst sah der Stadtrat das Vorhaben, das für Einheimische und Touristen einen echte Zugewinn und mehr Attraktivität bedeute, auf die Jahre verteilt als finanziell machbar an.

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Hintergrund:

Neues Montankonzept: Zeitplan und Kosten

Bei den Kosten der Teilbereiche ist nach Angaben des Baureferats voraussichtlich jeweils eine Leader-Förderung in Höhe von etwa 50 Prozent zu erwarten.

  • 2021/2022: Annaschacht (200 000 Euro)
  • 2021/2022: Konzept Montangeschichte Teil 2 (90 000 Euro).
  • 2023/2024: Umgestaltung und Aufwertung des Schaustollens Max (550 000 Euro).
  • 2024/2025: Drei Abschnitte für den Bergbaupfad (95 000 Euro).
  • 2025/2026: Neukonzeptionierung der Bergbauabteilung des Stadtmuseums (370 000 Euro).
Sechs Eisenerzgruben – im Bild die Grube Karoline mit dem Klenze-Schacht als Aquarell von Ilse Hutterer – gab es im Sulzbach-Rosenberger Stadtgebiet. Wo ihre Standorte lagen, soll ein Montankonzept sichtbar machen.

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