14.11.2021 - 15:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenberg: Beim Volkstrauertag erstmals auch an Corona-Tote erinnert

Das Grauen ist allgegenwärtig, die Kriege wollen nicht enden: Macht der Volkstrauertag überhaupt noch Sinn? Diese Frage wurde beim Volkstrauertag am Rosenberger Kriegerdenkmal gestellt – und klar beantwortet.

von Heidi FranitzaProfil

Dass der Volkstrauertag zu den sogenannten stillen Gedenktagen gehört, machte sich auch in Rosenberg bemerkbar: Fast schweigend stellten sich am Sonntag, 14. November, die Vertreter von Parteien, Schulen, Behörden, Feuerwehren, Mitglieder der örtlichen Vereine und Verbände sowie Angehörige und Bürger zum Marsch hinauf auf den Schlossberg auf. Am Fuße des Ehrenmals fand die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag statt. Dazu spielte das städtische Bergknappenorchester und sorgte für die passende Stimmung.

Bürgermeister Michael Göth eröffnete die Veranstaltung und erinnerte dabei an die Bedeutung des Tages: „Das Gedenken am Volkstrauertag gilt allen Opfern von Krieg und verbrecherischer Gewalt, von Flucht und Vertreibung. Die Millionen Opfer beider Weltkriege und die neuen Opfer von Gewalt und Verbrechen nach 1945 müssen uns wieder und wieder dazu anspornen, dass wir uns für eine friedliche und gerechte Welt einsetzen.“

Corona-Tote nicht vergessen

Göth ermahnte aber auch an jene Toten zu denken, die vom Corona-Virus hinweg gerafft wurden: „Gedenken und trauern wir am heutigen Tag auch mit den Angehörigen um die weltweit über fünf Millionen Toten und annähernd 100.000 Toten durch das Corona-Virus in unserem Land.“

Das Stadtoberhaupt stellte auch die Frage, ob der Trauertag angesichts des allgegenwärtigen Grauens von nicht enden wollenden Kriegen überhaupt noch Sinn mache – um sie gleich selbst zu beantworten: „Völkerverständigung, Verzicht auf Bedrohung und Gewalt und die Hoffnung, dass es uns gelingt, gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der Konflikte nicht mehr mit Gewalt ausgetragen werden und alle Menschen friedlich nebeneinander leben, sind das Gebot der Stunde.“ Dies gelte nicht nur für den heutigen Tag. Unser alltägliches Leben müsse davon geprägt sein, ergänzte er.

Göth mahnt Versöhnung an

„Auf Hass, Grausamkeit und Menschenverachtung lässt sich keine Zukunft bauen.“ Göth wies in diesem Zusammenhang auf die Präambel der UNESCO hin: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Nach mitfühlenden Worten zur Totenehrung zeigte der Bürgermeister aber auch Zuversicht: „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause, in Europa und in der ganzen Welt.“

Die VdK-Kreisvorsitzende Marianne Kies-Baldasty legte einen Kranz nieder und forderte in ihrer Rede, dass mit Krieg und Gewalt als Mittel der Politik endlich Schluss sein müsse.

Demokratie verteidigen

Dem schloss sich Franz Schneller an. Der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Sulzbach-Rosenberg erinnerte an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und fand in seiner Ansprache angesichts von Populismus und gesellschaftlicher Spaltung eine Parallele zur Gegenwart. „Unser Gedenken an den Krieg und die Opfer ist stets verbunden mit dem Kampf um Demokratie. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, wie schnell es geht, die Demokratie für obsolet zu erklären und am Ende ganz abzuschaffen. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Schneller legte anschließend einen Kranz nieder und salutierte. Dann spielte das Bergknappenorchester und er rezitierte mit einer fast schon gebrochenen Stimme, den dritten Absatz des Textes „Der gute Kamerad“ von Ludwig Uhland: „Will mir die Hand noch reichen. Derweil ich eben lad. Kann die die Hand nicht geben. Bleib Du im ewigen Leben. Mein guter Kamerad!“ Worte die die Anwesenden betroffen und nachdenklich machten. So leise wie die Gedenkfeier anfing, so leise endete sie auch.

Hintergrund:

Volkstrauertag

  • Einführung: 1919 nach dem Ersten Weltkrieg auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK)
  • Aktiv seit: 1922 erstmals als Gedenktag zu Ehren der Opfer des Ersten Weltkrieges begangen
  • Umbenennung: Zwischen 1934 und 1945 wurde der Volkstrauertag von den Nazionalsozialisten aus ideologischen Gründen in "Heldengedenktag" umbenannt und instrumentalisiert
  • Neu-Einführung: Anfang der 1950er Jahre erhält der Volkstrauertag seine ursprüngliche Sinngebung zurück und wird seitdem in der Bundesrepublik immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen.

"Erinnerung und Trauer sind unser aller Verpflichtung. Es kommt darauf an, alle Generationen mit einzubeziehen und gemeinsam zu gedenken, zu trauern und das Vergangene zu reflektieren."

Bürgermeister Michael Göth

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