26.01.2021 - 17:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbachische Intelligenzblätter: Als die Zeitung laufen lernte

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Die Wiege des Oberpfälzer Zeitungswesens stand in Sulzbach. Stadtheimatpfleger Markus Lommer fand dazu klare Beweise im Seidel-Archiv. Verbunden ist damit auch ein besonderes Jubiläum.

Die Intelligenzblätter als Vorläufer der Sulzbach-Rosenberger Zeitung.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Mit diesem Januar begann für unsere Region nicht nur ein neues Jahr. Sie darf heuer nach Recherchen von Markus Lommer auch ein markantes Jubiläum ihrer Presselandschaft feiern: Vor einem Vierteljahrtausend, am "17. Jänner 1771", gab es in der Oberen Pfalz die erste Ausgabe einer eigenen Zeitung. "Regensburg ausgenommen - die Freie Reichsstadt gehörte seinerzeit noch gar nicht zur Oberpfalz. Der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags (1663-1806) hatte schon vor gut dreieinhalb Jahrhunderten eigene Nachrichtenblätter", so der promovierte Theologe.

Vor 250 Jahren

Aber immerhin sei im innovativen Sulzbach vor nunmehr 250 Jahren die erste Zeitung hierzulande aus den Druckerpressen gekommen. Vom benachbarten Amberg etwa sei frühestens ab 1783 ein "Gemeinnütziges Wochenblatt" bekannt. Und da Weiden im späten 18. Jahrhundert zum Fürstentum Sulzbach gehörte, war das "Sulzbacher Intelligenzblatt" von 1771 auch für den Standort des heutigen Verlags "Oberpfalz-Medien" das erste öffentliche Massenmedium, gibt Lommer im Pressegespräch an.

Wie der Fachmann erklärt, ziele "Intelligenzblatt" nicht auf den Verstand der damaligen Leute ab. Es handle sich um eine Art Mischung aus Regierungs-Amtsblatt und Zeitung im heutigen Sinne. Der Titel-Begriff sei ganz wörtlich zu nehmen: "Intelligenz" = "Erkenntnis" werde hier dahingehend verstanden, dass in diesem Blatt neue Dinge "zur Kenntnis" gebracht werden.

Monatliche Erscheinung

"Der erste Artikel ist übrigens gleich die Bekanntgabe einer Notverordnung vom 14. Januar 1771 wegen einer Missernte. So startete die Oberpfälzer Pressekultur in einer Krisenzeit, gleich der unsrigen. Und als ob man Corona vorausgeahnt hätte, wünscht der anonyme Redakteur am Ende des Vorworts seinen Lesern: ,Dieses Jahr bringe allen zugleich die gute Gesundheit', nennt Markus Lommer Details

Anfangs sei das Blatt 1771 nur einmal monatlich herausgekommen. Eine Ausgabe hatte zwölf oder 16 Seiten im "Quart"-Format (hier: 20,5 x 16,5 cm). Am Ende eines Jahres habe es laut der Untersuchung des Stadtheimatpflegers auch einen kompletten Jahrgang gebunden zu kaufen gegeben - aufgrund der vielen Verlautbarungen und Informationen, die abgedruckt waren, sei die Zeitung auch gerne archiviert worden.

„Der erste Artikel ist übrigens gleich die Bekanntgabe einer Notverordnung vom 14. Januar 1771 wegen einer Missernte. So startete die Oberpfälzer Pressekultur in einer Krisenzeit, gleich der unsrigen.“

Stadtheimatpfleger Markus Lommer

Stadtheimatpfleger Markus Lommer

Wie Lommer weiter angibt, verkünde der Titel des ersten Jahresbandes in blumigen Worten, dass das "Churfürstliche Intelligenz- und Addreß-Comtoir allda" der Sulzbacher Regierung hinter diesem neuen Presseorgan steckte.

Näheres verrate der Vorbericht, in dem deutlich werde, das die Herausgabe der Intelligenzblätter auf eine Verordnung der kurfürstlichen Regierung zurückgehe. Abgezielt wurde damit auf die Förderung des Handels und der Wirtschaft im Herzogtum Sulzbach. Dabei habe man das beliebte "Münchner Intelligenz-Blatt" als Vorbild genommen.

Wichtiger Bildungsauftrag

Das lokale Blatt hatte in der Epoche der Aufklärung auch einen wichtigen Bildungsauftrag zu leisten und bezog die Bevölkerung in die inhaltliche Gestaltung mit ein. Markus Lommer nennt dabei unter anderem Tipps zur Verbesserung der Landwirtschaft, gutmeinende Erinnerungen, Briefe als Muster für gutes Schreiben, gelehrte Sachen, Erfindungen oder Themen der Hauswirtschaft. Die Beiträge konnten unter der Versicherung eingesandt werden, dass sie "gratis und mit patriotischem Vergnügen" in diesen Blättern abgedruckt werden.

Stadtheimatpfleger Markus Lommer, der sich hier vor allem auf die Schätze des Seidel-Archivs stützen kann, will in loser Folge immer wieder kleine Raritäten und Schmankerln, Spektakuläres und Interessantes aus 250 Jahren regionaler Pressegeschichte präsentieren.

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Ein weiterer gedruckter Nachfolger der Intelligenzblätter war ab 1843 das Sulzbacher Wochenblatt aus den Druckmaschinen im Seidel-Anwesen.

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