05.10.2021 - 13:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wie der Vater so der Sohn: Zwischen Geigen-Unterricht und "Feuerbach Quartett"

Ein Leben ohne Musik ist für Eugen Hubert undenkbar. Seine Leidenschaft gibt der Bratschist des "Feuerbach Quartetts" mittlerweile auch als Dozent weiter. Ein Gespräch über väterliche Fußstapfen und eine Initialzündung im Philosophen-Café.

Ob Pop, Rock oder Klassik: Das "Feuerbach Quartett" (Eugen Hubert, Max Eisinger, Jamila Musayeva, Lukas Kroczek, v.re.) hat Spaß an der Musik
von Anke SchäferProfil

28 Jahre lang waren die Streicherklasse und das Orchesters der Städtischen Sing- und Musikschule (SMS) Sulzbach-Rosenberg die Domäne von Richard Hubert. Seit Schuljahresbeginn hat nun sein Sohn Eugen das Dienstzimmer im Schloss bezogen, um dort die familieneigene Geigentradition fortzusetzen. Als Mitglied des hoch gehandelten "Feuerbach Quartetts" sind aber auch große Bühnen, Clubs und Crossover sein Ding.

Was für seine Tätigkeit an der Schule theoretisch eine Hypothek sein könnte, empfindet Eugen Hubert als Erleichterung. Nicht nur in den übernommenen Schülerinnen und Schülern erkennt er im übertragenen Sinne die väterliche Handschrift, er entdeckt sie auch tatsächlich noch in den Notenblättern. Und er kann ihn jederzeit kontaktieren, wenn er Rat in der einen oder anderen Frage braucht.

Als Kind wollte Eugen Hubert Pilot werden

Auch die Abstammung aus einer reinen Musikerfamilie ist für Eugen Hubert nie zum Ballast geworden, im Gegenteil. Als Kind wollte er Pilot werden, seine musikalischen Talente wurden gefördert, aber nicht erzwungen. Auf die elterliche Frage hin, ob er sich denn eine Karriere als Musiker vorstellen könnte, wollte sich der 14-Jährige diesen Weg auch offen halten. Der Spaß am dazu notwendigen, ernsthaften Üben ließ nicht lange auf sich warten – der bereits Musik studierende, ältere Bruder steuerte als Vorbild und Ansporn das Seine dazu bei.

An dieser Stelle muss man natürlich auch fragen, ob sich die familiäre Musikertradition auch in der nächsten Generation fortsetzen könnte. „Auf jeden Fall“, antwortet Eugen Hubert. Ein Instrument soll sein Sohn, der jetzt mit sieben Monaten schon auf dem Klavier herumpatscht, schon lernen.

Mit "Feuerbach Quartett" auf Tour

Derweil sorgt Eugen Hubert außerhalb der Schulmauern gerne für Aufsehen mit dem „Feuerbach Quartett“. Hinterfragt man dessen Entstehungsgeschichte, stößt man allerdings nicht auf vier begeisterte Anhänger der Philosophie. Vielmehr wohnten die Musikstudenten Max Eisinger, Lukas Kroczek, Eugen Hubert und ihre Kollegin Jamila Musayeva in der Nürnberger Ludwig-Feuerbach-Straße und verfielen bierlaunig im dortigen „Café Feuerbach“ auf die Idee, ein Streichensemble zu gründen.

Nun musste nur noch ein Name her und da erwies sich ein Blick auf die Überschrift der Speisekarte als hilfreich – „Feuerbach“ assoziierten die Vier allerdings erst mal eher mit dem Element „Feuer“ und – natürlich – dem Komponisten Bach. Der Bezug zum Philosophen kam dann aber doch auch noch durch.

In den vergangenen sechs Jahren hat das Quartett bereits vier Alben produziert und unzählige Säle in der ganzen Republik mit heißen Rock-/Pop-Adaptionen für die klassische Besetzung und cooler Performance zum Kochen gebracht. Die Pandemie hat da zuletzt natürlich ordentlich Sand ins Getriebe gestreut. Immerhin wurden diese Monate für niemanden finanziell schwierig, "aber schön war es nicht", sagt Hubert. Die gemeinsame Routine hat ebenfalls keinen gravierenden Schaden genommen. Nach dreimal wöchentlichen Proben in der Gründungsphase verstehen sich die professionellen Musiker schon länger beinahe blind. Ein gemeinsamer Tag vor dem Konzert reicht ihnen, für ein neues Programm nehmen sie sich zwei Intensiv-Wochen Zeit.

Begeisterung für klassische Musik

Kann man mit diesem unterhaltsamen, entspannten Ansatz eigentlich auch Schwellenangst nehmen und neues Publikum für klassische Musik begeistern? „Absolut“, sagt Eugen Hubert. Den Beweis treten sie in der kommenden Saison an, wenn erstmals Klassisches auf das moderne Repertoire trifft. Diese Strategie funktioniert übrigens bereits gut bei noch jüngeren Generationen: Im Rahmen ihres „Education Program“ trägt das Quartett die Begeisterung für "selbstgemachte", klassische Musik vormittags in die Schulen und freut sich, wenn der Funke so überspringt, dass es abends im Konzert ein Wiedersehen gibt. In absehbarer Zeit wohl auch in Sulzbach-Rosenberg zu erleben.

Begeisterung wecken ist im Übrigen auch Eugen Huberts Antrieb beim Unterrichten: „Die Schülerinnen und Schüler sollen Spaß am Instrument haben“. Und auch der Spaß an Fortschritten ist ihm wichtig, seine Schützlinge sollen sehen, "dass aus Arbeit etwas heraus kommt“. 99 Prozent werden seiner Einschätzung nach zwar Hobby-Musikerinnen und -musiker bleiben, die Lektion trägt aber weit darüber hinaus.

Neues Programm in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Bratschist Eugen Hubert
Hintergrund:

Zur Person: Eugen Hubert

  • Eugen Hubert, geboren 1986 in Russland, erhielt seinen ersten Geigenunterricht von Vater Richard Hubert, bei seiner Mutter lernte er Klavierspielen
  • schon während der Schulzeit erhielt er Unterricht an der Musikhochschule Würzburg
  • das Viola-Studium an der Hochschule für Musik hat er mit Diplom und Master abgeschlossen
  • mit Jamila Musayeva (Violine), Max Eisinger (Violine) und Lukas Kroczek (Violoncello) bildet er das "Feuerbach Quartett"
  • vier Alben hat das Quartett veröffentlicht: "Feuerbach Quartett", "Knights and Fools", "Bombax" und "Born to be child"
  • an der Städtischen Sing- und Musikschule (SMS) Sulzbach-Rosenberg unterrichtet er Violine und Viola

Das Quartett von Eugen Hubert

 

 

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