05.01.2021 - 16:28 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Weniger Zuschüsse, verspäteter Abriss: Neue Hürden für Waldbadsanierung in Sulzbach-Rosenberg

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Veränderte Beckenlandschaft, neue Wärmehalle, Rutschenhügel: Die angekündigte Generalsanierung des Waldbads brachte viele gute Nachrichten mit sich. Nun verzögern sich die Bauarbeiten. Weniger Fördergeld als erhofft gibt es auch.

Im Winter ist das Waldbad sowieso geschlossen. Das wird sich jedoch auch im kommenden Sommer nicht ändern. Selbst wenn die Corona-Pandemie es zuließe - wegen der Bauarbeiten ist die Badesaison 2021 vollständig gestrichen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Eigentlich hätten im Sulzbach-Rosenberger Waldbad schon längst die Bagger anrücken müssen. Bereits über den Winter sollte dort die Wärmehalle abgerissen werden – als Vorbereitung für die Neu- und Umbaumaßnahmen im kommenden Frühjahr. So zumindest sieht es der Beschluss des Bauausschusses des Stadtrats von Juli 2020 für die geplante Generalsanierung des Freibads vor. Doch wie jeder Spaziergänger, der einen Blick über den Zaun wirft, schnell feststellen kann, ist daraus nichts geworden. Wann beginnen die Arbeiten? Ist die geplante Wiederöffnung in zwei Jahren gefährdet? Und gibt es im Sommer eine verkürzte Badesaison? Oberpfalz-Medien hat bei Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn nachgehakt.

Dass die Wärmehalle immer noch steht, erklärt die Beamtin mit der Pandemie. Wegen Corona habe der österreichische Architekt Markus Pichler, der den Zuschlag für das 8,5 Millionen Euro teure Sanierungsprojekt erhalten hat, nicht einreisen können. "Der hätte jedes Mal in Quarantäne gemusst, wenn er gekommen wäre", erklärt Schöllhorn. "Man kann natürlich viel über Mail und Telefon klären, aber für ein solches Vorhaben muss der Architekt vor Ort sein. Das funktioniert digital einfach nicht." Aktuell seien deshalb nur kleinere Vorbereitungsmaßnahmen getroffen worden. "Wir haben das Waldbad vom Netz genommen, Strom und Fernwärme sind abgeschaltet, das Wasser ist raus."

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Waldbad bleibt 2021 geschlossen

Laut Planung besteht die Generalsanierung des Bades aus drei Bauabschnitten (siehe Infokasten). Die beiden ersten Etappen mit dem Neubau der Wärmehalle, der Beckensanierung und der Installation eines Rutschenhügels sollen demnach bis Frühjahr 2022 abgeschlossen sein – pünktlich zur Badesaison. Dieser Zeitplan ist laut Schöllhorn durch die Verzögerung beim Abriss nicht gefährdet. "Der eigentliche Baubeginn war sowieso erst ab März vorgesehen, weil bei Frost im Winter nicht viel gemacht werden kann." Es sei angedacht, noch im Januar die einzelnen Aufträge an die Baufirmen zu vergeben.

Schlechte Nachrichten gibt es für Waldbad-Fans dennoch: Das Schwimmvergnügen im Sommer 2021 fällt vollständig ins Wasser. Dies stehe inzwischen definitiv fest, habe aber nichts mit der aktuellen, pandemiebedingten Verzögerung bei den Abrissarbeiten zu tun, informiert die Stadtbaumeisterin. "Technisch ist das nicht machbar. Die Leitungen sind gekappt, die ganze Technik wird demontiert, da ist Schwimmen unmöglich – wir können die Leute ja nicht in einen Naturteich steigen lassen." Im vergangenen Jahr hatten viele noch die Hoffnung auf zumindest eine verkürzte Badesaison gehegt. In der Stadtratssitzung im Juli erkundigte sich Florian Bart (JU), ob man nicht immerhing für wenige Wochen aufsperren könne. Architekt Markus Pichler entgegnete jedoch, dass durch den temporären Baustopp der Zeitplan in Gefahr geriete, da die Sommermonate als wertvolle Bauphase nicht vergeudet werden dürften.

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Weniger Fördergeld als erhofft

Neuigkeiten gibt es auch, was die Finanzierung betrifft. Für das 8,5-Millionen-Euro-Projekt hat die Stadt Fördergelder in Höhe von 1,6 Millionen Euro beantragt. Nun liegt der Bescheid vor: Laut Schöllhorn überweist der Freistaat lediglich 1.171.000 Euro – eine Lücke von fast 430.000 Euro zum ursprünglichen Wunsch-Betrag. "Die Fördersumme ist leider Gottes geringer ausgefallen, als wir uns erhofft haben", sagt die Stadtbaumeisterin. Einen Grund zur Unzufriedenheit gebe es aber nicht. "Der Höchstfördersatz beträgt 40 Prozent. Den haben wir natürlich auch beantragt. Wir haben 33,5 Prozent bekommen – damit muss man zufrieden sein, immerhin gibt es überhaupt Geld, und das ist nicht wenig."

Dass die staatliche Förderung geringer ausfällt als maximal möglich, bedeutet aber eine weitere Belastung für den städtischen Haushalt. Um die Sanierungsmaßnahmen dennoch umzusetzen, wie vom Stadtrat beschlossen, wird der Kämmerer nun tiefer in die Tasche greifen und den Fehlbetrag aus dem Sockel der Stadt auffüllen müssen. Da die Steuereinnahmen wegen der Coronapandemie eingebrochen sind und die Folgewirkungen sich noch mehrere Jahre bemerkbar machen dürften, wird die Sanierung des Bades für die Stadt unter dem Strich teurer. Dass nun nachträglich wegen der Finanzlage der Rotstift bei einzelnen Bauprojekten im Waldbad angesetzt wird, hätten die Bürger jedoch nicht zu befürchten, gibt Schöllhorn Entwarnung. "Es gibt einen Stadtratsbeschluss, der sagt, dass die Baumaßnahme so umgesetzt wird. Das steht und ist unabhängig vom Fördergeld."

Die pünktliche Wiedereröffnung des Waldbads im Sommer 2022 ist nicht so sicher wie es scheint. Ein Kommentar.

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Hintergrund:

Generalsanierung des Waldbads – drei Bauabschnitte

  • Bauabschnitt 1a: Erneuerung des 50-Meter-Schwimmerbeckens durch ein Edelstahlbecken; Anheben des Schwimmerbeckens auf Höhe des Nichtschwimmerbeckens und der Wärmehalle, um Barrierefreiheit zu erreichen; Neubau und Vergrößerung der Wärmehalle, um mehr Platz für Umkleiden und Duschen zu schaffen; Erneuerung Einschwimmkanal, Unterteilung des Nichtschwimmerareals in zwei Becken und Bau einer Triple-Slide-Breitwellenrutsche
  • Bauabschnitt 1b: Sanierung Springerbecken und Bademeister-Häuschen, Neubau eines Rutschenhügels mit Röhren- und Turbo-Slide-Rutsche
  • Bauabschnitt 2: Bau einer Schwimmhalle als Anschluss an die Wärmehalle in nördlicher Richtung

Die Bauabschnitte 1a und b sollen bis zum Frühjahr 2022 abgeschlossen sein. Sie beinhalten mit dem Bau eines Schmutzwasserkanals auch die Erneuerung der Wasserentsorgung des Waldbads. Der Abschnitt 2 ist eine perspektivische Planung, für den aktuell weder ein konkreter Zeitplan noch die Finanzierung gesichert sind.

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