30.11.2020 - 16:32 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Aus zwei mach eins: Die Vereinigung von Sulzbach und Rosenberg 1934

Im zweiten Teil der Serie des P-Seminars "Geschichte" am HCA-Gymnasium "Sulzbach und Rosenberg vor 100 Jahren" beleuchten die Schüler den Zusammenschluss von Sulzbach und Rosenberg während der Nazi-Zeit.

Offizieller Festakt anlässlich der Vereinigung von Sulzbach und Rosenberg am 26. August 1934. Der bayerische Innenminister Adolf Wagner (links) hielt die Festansprache. Neben ihm steht Paul Arendt.
von Externer BeitragProfil

Rosenberg ist alt, Sulzbach sogar uralt. Sulzbach-Rosenberg hingegen ist historisch gesehen sehr jung. Doch wie kam es zum "Bindestrich"?

Am 7. April 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, lud NSDAP-Kreisleiter Paul Arendt (mehr zu Paul Arendt im Laufe des Seminar-Projekts) zu einer gemeinsamen Sitzung des Rosenberger Gemeinderats und des Sulzbacher Stadtrats.

Prestigeprojekt der NSDAP

Arendt überrumpelte die weitestgehend ahnungslosen Räte: Ziel des Treffens war die Vereinigung der selbstständigen Gemeinden Sulzbach und Rosenberg. Diese sollte offiziell der Entwicklung der beiden Gemeinden und der Zusammenführung der Erz- und Eisenindustrie dienen. Vor allem aber wollte Paul Arendt Bürgermeister einer Stadt mit mehr als 10 000 Einwohnern sein.

Inszenierte "Liebesheirat"

Dargestellt wurde der Zusammenschluss als Liebesheirat, bei der es nicht nötig sei, positive und negative Argumente abzuwägen. Stattdessen brauche es "kritiklose Mitarbeit". Ganz im Sinne des neuen Bürgermeisters Paul Arendt kommentierte die frisch umgetaufte Sulzbach-Rosenberger Zeitung (sie hieß zuvor Sulzbacher Zeitung/Rosenberger Nachrichten) am 5. Juli 1934: "Liegt man friedlich noch in den Federn, kleben über Nacht schon Plakate, daß man nicht mehr 'Sulzbacher Bürger' ist oder 'Rosenberger Einwohner', sondern man ist ein anderer Mensch, man ist städtisch geworden. 'Sulzbach-Rosenberger' heißt man jetzt."

Viele Sulzbacher und Rosenberger standen der erzwungenen Vereinigung skeptisch gegenüber. Vor allem die Rosenberger fühlten sich übergangen und mussten beispielsweise den Verlust ihres Wappens verwinden - stattdessen bekamen sie einen Bindestrich. Wie sieht es heute, knapp 85 Jahre nach der Vereinigung mit der Einheit aus?

Start der Serie des P-Seminars "Geschichte"

Sulzbach-Rosenberg
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Buchtipp zum Vertiefen

Bernhard Piegsa: Aufbruch zwischen Schloß und Hüttenwerk. Sulzbach-Rosenberg von der "Weimarer Republik" zum "Wirtschaftswunder", Schriftenreihe des Stadtmuseums und des Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg 2005.

Briefkopfentwurf, den Paul Arendt anlässlich der Vereinigung von Sulzbach und Rosenberg in Auftrag gegeben hatte. Er wäre gerne Oberbürgermeister geworden, doch dazu war auch Sulzbach-Rosenberg zu unbedeutend. Bizarr mutet die Idee an, die Stadt, in der die Maxhütte steht, zum Luftkurort zu machen. Ostbayern wurde von den Nationalsozialisten gerne als Ostmark bezeichnet.

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