02.07.2021 - 13:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach zwei Monaten auf See: Minenjagdboot "Sulzbach-Rosenberg" kommt heim

65 Tage ohne Landgang und sechs Weltkriegsminen vernichtet: Die 42 Männer und Frauen des Sulzbach-Rosenberger Partner-Bootes sind von einer langen Nato-Mission in der Ostsee zurück im Kieler Heimathafen – inklusive einer "blauen Nase".

Mit einer wehenden bayerischen Flagge am Mast läuft der Minenjäger Sulzbach-Rosenberg nach zweimonatiger Operationszeit auf See wieder im Marinestützpunkt Kiel ein.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

"Das Boot ist absolut pünktlich um 10 Uhr eingelaufen." Das gibt Presseoffizier Achim Winkler gegenüber Oberpfalz-Medien bekannt und meint damit das gleichnamige Partnerboot von Sulzbach-Rosenberg. Der rund 650 Tonnen verdrängende Minenjäger der Deutschen Marine ist Winkler zufolge seit Freitag, 18. Juni, zurück in seinem Heimathafen Kiel. Nach zwei Monaten als Teil eines internationalen Nato-Manövers in der Ostsee, eingesperrt unter Pandemiebedingungen und ohne Landgang sind Kapitänleutnant Florian Förster und seine 42-köpfige Besatzung heilfroh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.

Das Boot aus dem 3. Minensuchgeschwader und seine Mannschaft haben laut Winkler den Stützpunkt am 15. April verlassen und gehörten seitdem zur Standing Nato Mine Countermeasures Group 1 (SNMCM) unter aktuell niederländischer Führung.

5500 Seemeilen in 65 Tagen

Für Kapitänleutnant Florian Förster und seine Mannschaft enden mit der Rückkehr fordernde, aber auch erlebnisreiche 65 Tage fast ohne Landgang. 5.500 Seemeilen (rund 10.000 Kilometer), viele davon bei stürmischem Frühjahrs-Wetter und schwerer See, legte die SUL, wie die "Sulzbach-Rosenberg" bei der Marine abgekürzt wird, zurück. Beim Einlaufen mit wehender bayerischer Fahne am Mast begrüßte das Heimatgeschwader den Rückkehrer mit Signalraketen. Ehefrauen und -männer, Partner, Kinder und Eltern der Besatzung warteten am Pier bereits sehnsüchtig darauf, ihre Liebsten in die Arme zu nehmen.

Das Marinemusikkorps Kiel spielte Winkler zufolge die bekannte Ballade "Sailing" von Rod Stewart und den traditionellen "Gruß an Kiel". Wie immer bei einer internationalen Einsatzfahrt folgte die Nationalhymne. Als der 35-jährige Florian Förster sein Boot an den Geschwaderkommandeur, Fregattenkapitän Terje Schmitt-Eliassen, vorschriftsgemäß zurückgemeldet hatte, sagte dieser: "Nun will ich nicht länger an dem gefährlichen Ort zwischen Ihnen, Ihren Familien und Ihrem verdienten Urlaub stehen." Danach habe es kein Halten mehr gegeben, berichtet Presseoffizier Winkler, der bei der rührenden Szene selbst dabei war.

Im Hafen nicht von Bord gegangen

Wenn deutsche Marine-Schiffe der Nato unterstellt werden, dauern diese Einsätze oft ein halbes Jahr. Wegen der Corona-Pandemie hatte die Marineführung aber entschieden, diese Zeit für die relativ kleinen Minenjagdboote wie die "Sulzbach-Rosenberg" auf höchstens drei Monate zu beschränken. "Durch die Einschränkungen der weltweiten Pandemie besteht für die Besatzungen so gut wie keine Möglichkeit des Landgangs, sodass sie auch in den Häfen an Bord sind und kaum Bewegungsfreiheit haben", sagt Achim Winkler zur Begründung. Das Boot habe zwar Häfen in Polen, Lettland, Litauen und Estland angelaufen und auch die Besatzung sei geimpft, dennoch seien die Corona-Auflagen streng und Landgänge – bis auf eine Ausnahme – verboten gewesen. Dennoch hätten die Frauen und Männer viel Gelegenheit gehabt, ihr Können erneut unter Beweis zu stellen, nachdem Boot und Besatzung bereits 2020 im gleichen Verband eingesetzt waren.

"Meine Erwartungen waren, dass meine Besatzung und ich auch dieses Mal im internationalen Rahmen zeigen, was wir können. Die Erfahrungen der letzten Teilnahme haben sich bezahlt gemacht. Wir konnten höchst professionell auftreten und die an uns gestellten Aufgaben, ob bei seemännischen, operativen oder Minenjagd-Manövern, immer zur Zufriedenheit des Kommandeurs erledigen", gibt Kapitänleutnant Florian Förster bekannt. Kommandeur war in diesem Fall der Niederländer Jan Wijchers.

Weltkriegs-Minen geräumt

Das Team der "Sulzbach-Rosenberg" war nicht untätig: Sechs Minen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden durch die Besatzung des Minenjagdbootes gefunden und beseitigt. Nach der Teilnahme am Manöver "Open Spirit 2021" in estnischen Gewässern übte die Besatzung mit finnischen, litauischen und polnischen Minenjagdeinheiten unterschiedlichste Manöver auf See. Seit Anfang Juni war die "Sulzbach-Rosenberg" dann am US-geführten Manöver "Baltops" (Baltic Operations) dabei. Und zuvor kreuzte der Minenjäger schon im Frühjahr in norwegischen Gewässern und holte sich hier laut Winkler ein besonderes Wappen. "Das Boot überfuhr dort den Polarkreis und trägt seitdem stolz eine blaue Nase, eine blau gemalte Bugspitze." Weil das nicht jedes Schiff der Marine habe, sei die Besatzung stolz auf diese Auszeichnung.

Am Ende der Nato-Übung in Ostsee lief das Kieler Boot gemeinsam mit drei US-amerikanischen, drei kanadischen, einem dänischen, einem französischen, belgischen und niederländischen und zwei anderen deutschen Schiffen in Kiel ein.

Auf die 43 Seemänner und -frauen der "Sulzbach-Rosenberg" wartet nun erstmal der wohlverdiente Besatzungsurlaub, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Anschließend geht es in die Nachbereitung des Einsatzes, die nahtlos in die Vorbereitung neuer Aufgaben übergeht.

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Sulzbach-Rosenberg
Info:

Aufgaben und Besatzung der "Sulzbach-Rosenberg"

  • Manöver und Ausbildung sind nur eine Aufgabe. Das Minenjagdboot der "Frankenthal-Klasse" sichert die Seewege durch Präsenz und Minenabwehr und wird auch zur Altlastenbeseitigung in Nord- und Ostsee eingesetzt. Dabei räumt das Boot Seeminen, Torpedos und Bomben aus den Weltkriegen oder dem Kalten Krieg, die bis heute gefährlich sind.
  • Die "Sulzbach-Rosenberg" gehört zum 3. Minensuchgeschwader der Einsatzflottille 1 (Kiel) und hat zehn Schwesterboote. Auf ihr fährt momentan die Besatzung des Schwesterbootes "Weilheim". Laut Marine-Pressesprecher Achim Winkler ist es normal, dass Besatzungen und Boote rotieren, je nach Ausbildungsstand und Einsatzbereitschaft.
  • Die Besatzung der "Sulzbach-Rosenberg" war schon häufiger auf Besuch in der Oberpfälzer Patenstadt, umgekehrt waren städtische Delegationen bereits auf dem Boot in Kiel.
  • Die Patenschaft zwischen Stadt und Marine besteht seit 1964. Bis zu dessen Ausmusterung 1992 gab es eine Patenschaft mit dem Minenjäger "Schütze", ab 1995 mit der neuen "Sulzbach-Rosenberg". Zuletzt war im April 2015 eine Delegation in Kiel, der Gegenbesuch einer Abordnung der Besatzung erfolgte kurz darauf im Juni zum Altstadtfest.

 

 

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