09.10.2020 - 11:39 Uhr
Thanheim bei EnsdorfOberpfalz

Solarpark in Thanheim bleibt brisantes Thema

Dass ein geplanter 23 Hektar großer Solarpark in Thanheim nicht zustande kommt, sorgt bei der Besitzerfamilie der Flächen für Ärger. Der Ensdorfer Bürgermeister Hans Ram wehrt sich gegen die Kritik.

"Unser Boden für unsere Bauern" steht als Protest auf einem Plakat geschrieben, das dort angebracht ist, wo ein 23 Hektar großer Solarpark entstehen sollte.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Der Klimawandel und die damit einhergehende viel geforderte Energiewende bleibt eines der brisantesten Themen - auch wenn Corona die vergangenen Monate die Schlagzeilen dominiert hat. Einen Beitrag zum Klimaschutz sehen viele in Solarparks, die allerdings nicht unumstritten sind. Im Beitrag "Licht und Schatten: Jede Menge Ärger um Solarparks in der Region" von Oberpfalz-Medien ist von diesem Umstand ausführlich berichtet worden.

Unter anderem fand eine geplante Freiflächen-PV-Anlage am Ortseingang von Thanheim (Ensdorf, Kreis Amberg-Sulzbach) Erwähnung. Auf einem Plakat auf einer Wiese neben der Straße steht: "Unser Boden für unsere Bauern." Lokale Landwirte haben das draufgeschrieben. Gegen einen dort geplanten 23 Hektar großen Solarpark hatte es Gegenwehr gegeben.

Auf die Berichterstattung hin wandte sich Rolf Landes an unser Medienhaus. "Wir, die Familie Landes, sind Besitzer dieser Flächen und haben die Planung und Antragsstellung dieses Vorhabens initiiert", erläutert er in einem Schreiben. Gegen das Argument, dass "beste landwirtschaftliche Fläche" der Bewirtschaftung entzogen werde, wehrt er sich: "Vor knapp 65 Jahren, als meine Großeltern den Hof in Langenwies gekauft haben, waren all die für diese Anlage infrage kommenden Flächen Ödland oder Wiese." Es sei vor allem dem Know-How und dem jahrzehntelangem Engagement seines Vaters zu verdanken, dass ein Teil dieser Flächen heute als Ackerland nutzbar sei. Knapp ein Drittel der Fläche sei schon seit 20 Jahren "Stilllegungsfläche", was bedeute, dass diese zwar noch als Ackerland gelistet sei, jedoch nicht mehr als solches genutzt werde. "Mit der Erstellung eines Solarparks würden all diese Flächen ihrer ursprünglichen landwirtschaftlichen Nutzung zurückgeführt werden, nämlich der Beweidung." Geplant sei eine Schafhaltung gewesen.

Licht und Schatten: Jede Menge Ärger um Solarparks in der Region

Oberpfalz

Gemeinde setzt auf kleine Anlagen

Als Investor sollte ein deutsches Photovoltaik-Unternehmen auftreten. "Die Größe eines Solarparks spielt natürlich bei der Finanzierung und Rentabilität eine signifikante Rolle", erklärt Landes diesen Schritt. Außerdem argumentiert er, dass der Gemeinde Ensdorf 70 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen zu Gute gekommen wären. Des Weiteren seien verschiedene Modelle angedacht gewesen, bei denen jeder Anwohner die Möglichkeit habe, sich am Solarpark zu beteiligen, oder dass Einwohner der Gemeinde in Form von günstigeren Strompreisen profitiert hätten.

Die Größe eines Solarparks spielt natürlich bei der Finanzierung und Rentabilität eine signifikante Rolle

Rolf Landes

Ensdorfs Bürgermeister Hans Ram, der aus einem Bauernhof stammt, hält dagegen: "Das Problem ist so eine große Anlage - und dass der Investor in Mannheim sitzt." Diesbezüglich sei er besser vorsichtig. "Sollte er Konkurs gehen, steht die Anlage rum. Wir hätten ungern irgendeine Gesellschaft da", erklärt der Bürgermeister. Prinzipiell stehe er den Erneuerbaren Energien "durchaus aufgeschlossen" gegenüber. Photovoltaik sieht Ram auch als "viel effektiver" als Biogas an. Allerdings setzt er lieber auf kleine Anlagen und Böden, auf denen man sonst nichts anbauen könne. Er bleibt dabei, dass es sich in Thanheim um die bereits erwähnten "besten landwirtschaftlichen Flächen" handle.

Rolf Landes kritisiert indes auch die Kommunikation mit der Gemeinde Ensdorf: "Seit Beginn der Planungen haben wir aktiv den Austausch mit unseren direkten Nachbarn als auch den Vertretern der Gemeinde, dem Bürgermeister und Gemeinderat von Ensdorf gesucht, auch in der Hoffnung, das durch dessen Initiative unser Anliegen in die Öffentlichkeit von Ensdorf getragen werden würde." Landes fordert deshalb die "aktive Einbindung eines möglichst großen Bevölkerungsanteils auf ein breites Fundament zu stellen und eine gewisse Führungsrolle zu übernehmen." Das, so seine Kritik, sei nicht geschehen: "Leider gibt es bis heute - Antragstellung war im Juli 2019 - keine offizielle Stellungsnahme uns gegenüber. Auch scheint es kein Interesse seitens des neugewählten Gemeinderates und Bürgermeisters zu geben, sich zumindest einmal persönlich ein Bild vor Ort zu machen. Ich erlebe hier keinerlei Transparenz seitens der Gemeinde gegenüber uns, dem Antragsteller, als auch den Mitbürgern von Ensdorf."

Firma verfolgt Projekt nicht mehr

Aus Sicht von Bürgermeister Ram sei ein Gemeinderatsbeschluss sozusagen die Antwort gewesen, der eine Flächenbegrenzung auf 2,6 Hektar pro Freiflächen-Photovoltaikanlage vorsieht. "Das hat bis heute Bestand", erklärt Ram. Zumal sei vonseiten der Familie Landes kein neuerlicher Antrag mehr bei der Gemeinde eingegangen, weshalb der Bürgermeister auch "keine Veranlassung" sehe, aktiv zu werden. Laut Landes habe auch das Mannheimer Unternehmen die Gemeinde mehrmals kontaktiert, allerdings keine Rückmeldung bekommen. Mittlerweile verfolge die Firma das Projekt Solarpark Langenwies nicht weiter.

Über den Gemeinderatsbeschluss ist bereits berichtet worden

Ensdorf
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