22.01.2019 - 10:07 Uhr
TheisseilOberpfalz

Personalmangel: Wirtshäuser kämpfen ums Überleben

Sonntagmittag bleibt ab sofort im Landgasthof Kett die Küche kalt. Denn es wird schwieriger, Fachpersonal zu finden. Mit diesem Problem steht das Theisseiler Wirtshaus nicht allein da.

Gastronomiebetriebe in der Region haben immer größere Probleme, geeignetes Fachpersonal zu finden.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

In einer Annonce teilt Johann Kett, Inhaber des Landgasthofs Kett in Theisseil, am vergangenen Samstag mit: „Liebe Gäste, schweren Herzens müssen wir leider bekannt geben, dass wir wegen Fachkräftemangel ab sofort an Sonn- und Feiertagen keinen Mittagstisch mehr anbieten können.“ – „Wir haben aber weiterhin an fünf Tagen in der Woche geöffnet.“, erklärt Kett auf Nachfrage am Telefon. Mehr will er dazu nicht sagen.

Probleme damit, Personal zu finden, kennt auch Renata Schaller von der Flosser Raststation Schaller am Bocklradweg. Anfang 2017 schloss sie ihr beliebtes Wirtshaus an Sonn- und Feiertagen, weil Personal fehlte, um die großen Besucheranstürme zu bewältigen. Aktuell sei zwar alles wieder in Ordnung. Allerdings glaubt sie, Fachkräftemangel herrsche dennoch. Und zwar branchenübergreifend. Handwerksbetriebe seien genauso betroffen wie Gasthöfe.

Warum aber ist es so schwierig geworden, professionelles Personal in der Gastronomie zu finden? „In der Region ist der Fachkräftemangel auf die insgesamt kleinere Betriebsstruktur der Gasthäuser zurückzuführen“, meint Robert Drechsel, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. „Familienbetriebe holen sich die Angestellten meist aus den eigenen Reihen.“ Urlaubsregionen, wie der Bayerische Wald, und Metropolen – Nürnberg zum Beispiel – dagegen saugten Fachkräfte ab. „Aufgrund ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses können die dort natürlich auch andere Löhne bezahlen“, fährt Drechsel fort.

Demnach bieten die großen Städte Bayerns „lukrativere Arbeitsangebote“ für junge Menschen. „München ist sehr beliebt. Die Mieten sind oftmals kein Problem“, sagt er. Die Arbeitnehmer fänden häufig ein Zimmer im Haus ihres Betriebs. „Die Arbeitsverhältnisse sind überall dieselben. Nur für den ein oder anderen ist es vielleicht interessanter, in einer Großstadt oder einem Skigebiet zu arbeiten.“

Kommentar zum Thema:

Theisseil

Für den Nachwuchs an Fachkräften braucht es deshalb Ausbildungsbetriebe, fordert Drechsel. Die gebe es zwar im Landkreis Neustadt/WN. Im Verhältnis zu anderen Regionen seien es allerdings relativ wenige. „Da sind wir schon etwas ausgedünnt. Das ist eine ungünstige Situation“, sagt Drechsel. Ein Positivbeispiel ist der Klostergasthof Speinshart, der nach wie vor ausbildet. Trotzdem klagt Betriebsleiterin Monika Neumann über Personalmangel. Denn ausbildungswilliger Nachwuchs sei ebenfalls dünn gesät.

Unabhängig vom Klostergasthof könnten auch die Öffnungszeiten dafür verantwortlich sein, weniger Lehrlinge zu finden, meint Drechsel: „Wenn ich einen Lehrling habe, dann muss ich ihn auch sinnvoll beschäftigen. Da kann ich nicht nur am Abend oder am Wochenende geöffnet haben.“ Für viele Gaststätten rentierten sich aber längere Öffnungszeiten nicht – ein Teufelskreis.

Rainer Reißfelder, Geschäftsführer für die Oberpfalz der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht eine weitere Problematik. Demnach sei es üblich, dass in Zeiten, in denen Fachkräfte fehlten, Fachpersonal in andere, besser zahlende Arbeitsbereiche abwandere. Das sei insbesondere dann Thema, wenn Betriebe Angestellte nicht nach Tarif bezahlten. „Wer in der Bundesliga spielen möchte, der darf seine Angestellten nicht wie in der Bezirksliga bezahlen.“ Für noch ausschlaggebender hält Reißfelder aber die schlechte „Planbarkeit der Arbeitszeit“ in der Gastronomie. „Wenn die Arbeitszeit in das Unplanbare geht, dann hilft auch die größte Liebe zum Beruf nichts mehr“, sagt der Gewerkschaftsvertreter.

Wirt Kett bleibt dennoch optimistisch: Seinen Landgasthof in Theisseil möchte er, „wenn denn alles gut geht, noch die nächsten zehn bis 15 Jahre weiterführen“.

Hintergrund:

Sonderfall Kantinen

Die Eröffnung einer Kantine bei großen Unternehmen mit angegliederter Gastronomie wie in Weiherhammer habe Folgen für die Branche in der Region gehabt. Das sagt der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Robert Drechsel. „Einerseits flohlockt man, weil das einen Beitrag zum Erhalt der Oberpfälzer Küche leistet. Andererseits hat die Eröffnung viele Fachkräfte angezogen. In diesem Fall haben zwei Wirte sogar zu mir gesagt, dass sie zusperren können, wenn sie ihre Bedienungen verlieren sollten.“

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