Es gäbe keinen Computer und kein Smartphone, kein Waschbecken, keinen Spiegel, keine Tasse, keinen Strand, keine Zahnpasta, ohne Sand keinen Beton, aber auch kein sauberes Trinkwasser – vieles liegt am Sand. Aber auch eine endliche Ressource, neben Wasser der wichtigste Rohstoff, Lebensraum für Pflanzen und Tiere. "Sand ist", wie es Landrat Richard Reisinger bei der Ausstellungseröffnung in Theuern formulierte, „ein höchst kostbares, immer seltener werdendes Gut“ und die Ausstellung „Wunderwelt Sand“ wohl auch ein gutes Stück „praktizierte und lebendes Stück Montangeschichte“. Auch Museumsleiter Martin Schreiner, der mit der ersten öffentlichen Veranstaltung heuer, nach den Corona-Vorgaben, eine höchst interessante und informative Schau präsentierte, während im Schloss Theuern der Bauabschnitt II auf Hochtouren läuft. Musikalisch unterhalten von Barbara Regnat (Harfe) hatten sich die Bürgermeister Brigitte Bachmann (Birgland,) Erich Meidinger (Ebermannsdorf), Hermann Falk (Hirschau), Marcus Eichenmüller (Schnaittenbach) und Hausherr Roland Strehl (Kümmersbruck) eingefunden – alle sind direkt und indirekt mit dem Material Sand verbunden, hieß es. Dazu kamen Vertreter sandverarbeitenden Betriebe aus dem Landkreis, der „Sandgürtel“ um Amberg in Freihöls, Freihung oder vor allem aber das Kaolinzentrum in Hirschau und Schnaittenbach mit dem weithin sichtbaren Monte Kaolino. Die gewaltigen Sandberge zieren auch das Ausstellungsplakat. Museumsleiter Schreiner hatte die Choreografie übernommen, den Sand „wissenschaftlich betrachtet“. Der heutige Sand sei das Ergebnis eines Millionen Jahre dauernden Zyklus, Sand sei auch nicht gleich Sand. Eine Erkenntnis, die sich auch durch die Ausstellung ziehe. Schreiner meinte, Sand sei erlebbar in der Ausstellung, er sei in allen Facetten zu sehen, zu begehen und zu berühren. Gezeigt werden einfachste Werkzeuge, Gerätschaften, die noch anfangs des 20. Jahrhunderts bei der Sandgewinnung zum Einsatz kamen. Schreiner: "Sand wird mittlerweile, das ist scheinbar paradox, nach Saudi-Arabien verkauft, denn der Wüstensand eignet sich nämlich nicht für Mörtel oder Beton." Sand sei einmal knapp werdender Rohstoff aber auch Lebensraum für eine mannigfache Tierwelt. Darauf ging insonderheit Referent Tom Konopka vom Bund Naturschutz Nürnberg ein, der sich hauptsächlich auf das Großprojekt „Sand-Achse Franken“ bezog. In den vergangenen 100 Jahren sei ein Verlust von 99 Prozent Sandlebensräume zu verzeichnen. "Siedlungs-Bebauung, Sandabbau, Kunstdüngereinsatz, Straßenbau – zwei Drittel aller Gebäude bestehen aus Beton, und der wiederum besteht aus Sand." 30 000 Tonnen Sand werden pro Autobahnkilometer benötigt, eine Million Tonnen habe die Bahntrasse Nürnberg-Ingolstadt gefordert. „ Der Rohstoff Sand, seit der Eiszeit entstanden, wird knapp." Das Projekt „Sand-Achse“ Franken des Bund Naturschutz hat sich zur Aufgabe gemacht, auf einer Fläche zwischen Bamberg und Weißenburg den Sandboden zu erhalten und damit als Lebensraum für rund 300 seltene Tiere und Pflanzen zu bewahren.
Die Ausstellung dauert bis zum 13. Dezember und ist dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet


















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