Zum 900-jährigen Bestehen: Erinnerungen an einen Thurndorfer "Promi"

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Thurndorf, der geschichtsträchtige Kütschenrain-Ort, der heuer sein 900-jähriges Bestehen feiern kann, hat im Laufe seiner Geschichte viele Persönlichkeiten und kluge Leute hervorgebracht. Doch keiner ist so bekannt wie Peregrinus Schwindl.

So sah das Geburtshaus des Thurndorfers Peregrinus Schwindl damals aus.
von Fritz FürkProfil

Dr. Peregrinus Schwindl wurde 1792 im Haus Nummer 37 im "Enerspeter-Hof" in Thurndorf geboren. Das Anwesen befindet sich noch in der heutigen Jakobusstraße. Ein Nachfolger von Schwindl, der inzwischen verstorbene Lothar Julius Troll, hat Familienforschungen angestellt. Ihm ist es allerdings nicht gelungen, die komplette Autobiografie Schwindls ans Tageslicht zu bringen. Nachweisbar ist jedoch, dass der ehrgeizige und hochinterlegente Bauernbub nach dem Schulbesuch in Thurndorf Jura studiert und promoviert hat. Er war Dragoneroffizier in den deutschen Freiheitskriegen gegen Napoleon und heiratete vermutlich eine sehr reiche Frau. Später wurde er Besitzer eines großen Gutes im niederbayerischen Landshut.

Im Jahr 1818 wurde er einer der jüngsten Abgeordneten der von König Maximilian I. Josef eingeführten Ständeversammlung und saß dort in vorderster Reihe auf Stuhl Nummer fünf. Die Kammer bestand aus fünf Klassen. Schwindl vertrat die Grund- und Gutsbesitzer. Als Abgeordneter musste er ein Vermögen von mindestens 30.000 Goldthalern nachweisen. Für damalige Verhältnisse eine ungeheure Summe.

Schwindl war von 1818 bis 1849 auch Mitglied des Landtages. Er hielt dort viele Reden und stellte hunderte Anfragen; später wurde er Vorsitzender vieler Regierungsausschüsse. Als ausgelöst durch die Französische Revolution, die Unruhen in Bayern überschwappten und in München Studentenrevolten ausbrachen, wurde die Presse unter Zensur gestellt. Daraufhin hielt Schwindl am 5. Mai 1831 eine der interessantesten Reden in der damaligen Zeit. Er griff die Pressezensur an. In einer denkwürdigen Sitzung vom 13. Mai 1831, als nach einem heißen parlamentarischen Kampf die Aufhebung der "Censurverwaltung" erfolgte, ergriff Schwindl das Wort: "Meine Herren! Die Censurverordnung vom 28. Jänner 1831 ist aufgehoben. Hoch lebe der König." Durch die Kammer erschall ein dreimal begeistertes Hoch.

Später war Schwindl auch verantwortlich für den Transport von Tausenden von Soldaten per Schiff nach Griechenland. Zudem war er für die Finanzierung der Aktion zuständig. In dieser Zeit stieg er auf zum Regierungsdirektor in Bayreuth und Regensburg und später zum Finanzdirektor in Landshut auf. 1860 erhielt er das Ritterkreuz der Bayerischen Krone und später das Ritterkreuz des Königlichen Verdienstordens vom heiligen Michael. Diese Orden waren damals die höchsten Auszeichnungen, die in Bayern verliehen wurden. Schwindl wurde zudem für seine Verdienste um das Königreich Bayern in den Adelsstand erhoben und nannte sich dann Von Schwindl. Am 13. Dezember starb er, ohne seine Heimat Thurndorf wiedergesehen zu haben. Die Bevölkerung von Landshut hat Schwindl würdevoll die letzte Ehre erwiesen.

Über sein Privatleben konnte Lothar Julius Troll leider keine näheren Einzelheiten in zeitgenössischen Unterlagen finden. Es könnte sein, dass er kinderlos gestorben ist. Um sein riesiges Vermögen ranken sich noch heute viele Gerüchte. Unbeantwortet ist auch die Frage, welche Rolle sein Bruder, der Dekan Josef Schwindl, Pfarrer in Burgkunstadt gespielt hat. J. Köstler schreibt in seiner Chronik von Thurndorf 1915: "Seine Thurndorfer Verwandten erbten von ihm ein beträchtliches Vermögen. Vermutlich sind die schönen, noch vorhandenen Feldkreuze in den Fluren um Thurndorf aus Dank für die reichliche Erbschaft errichtet worden."

900 Jahre Thurndorf: Ein Lehrer erzählt von früher

Thurndorf bei Kirchenthumbach
Ein Portrait von Peregrinus Schwindl.
Die Todesanzeige von Peregrinus Schwindl.
Hintergrund:

Der Ort Thurndorf

  • ...gehört heute zur Marktgemeinde Kirchenthumbach
  • ...liegt am Fuß des Kütschenrains
  • ...liegt circa einen Kilometer entfernt von der Grenze zwischen Oberpfalz und Oberfranken
  • ...feiert 2021 900-jähriges Bestehen
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