Feuerwehr Thurndorf feiert Jubiläum nur auf dem Papier

Vor 150 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr Thurndorf aus der Taufe gehoben. 2021 hätten die Mitglieder gerne das Jubiläum groß gefeiert. Die Corona-Pandemie lässt das nicht zu. Aber zumindest gibt es ein neues Fahrzeug.

An den 150. Geburtstag der Thurndorfer Feuerwehr erinnert ein am Gerätehaus angebrachtes Transparent. Pandemiebedingt müssen die Thurndorfer auf ein Fest verzichten.
von Fritz FürkProfil

Ein Dorf mit einer langen Historie hätte in diesem Jahr zweifachen Grund die Sektkorken knallen zu lassen. Doch daraus wird nichts. Zum einem ist Thurndorf 900 Jahre alt und die Feuerwehr im Ort gibt es seit 150 Jahren. Gäbe es kein Covid-19, dann hätte jetzt im Juni der Bär gesteppt. Doch die Thurndorfer dürfen nicht feiern. Blasmusik, Festzug, Bratwürste vom Grill, Festbier und fesche Festdamen sind pandemiebedingt gestrichen. Auf den Geburtstag der Feuerwehr weisen zumindest ein großes Transparent am Giebel des Feuerwehrhauses und aufblasbare silberne Zahlen "150" sowie zahlreiche Luftballons hin.

Gegründet wurde die Wehr am 25. Mai 1871, nachdem der Bezirkstagspräsident ein Jahr zuvor die Gemeinden aufgerufen hatte, organisierte Feuerwehren ins Leben zu rufen. Bemerkenswert dabei ist: An diesem Tag lag der Markt Kirchenthumbach in Schutt und Asche. Es war Pfingstmontag, als die Feuerwehr sich in der Gastwirtschaft Kummert, in der ehemaligen Schloßschänke gründete. Doch sie musste gleich zum ersten Einsatz mit Pferden nach Kirchenthumbach ausrücken. Der Nachbarwehr gelang es das Pfarrhaus zu retten. Solche gegenseitige Hilfen schweißt zusammen. Kirchenthumbach wurde Patenverein der Thurndorfer Rothelme.

Löschspritze von 1888

Bereits am 18. November 1872 beschloss die Gemeinde den Bau des ersten Feuerwehrhäuschens. Dem damaligen Protokoll ist zu entnehmen, dass von den 56 stimmberechtigten Bürgern 32 erschienen. Den Bürgern wurde eröffnet, dass sich die Baukosten auf 115 Gulden belaufen. Aus den geschichtlichen Aufzeichnungen von Gerd Dettenhöfer ist ferner zu erfahren, schon 1886 hätten sich die Verantwortlichen bemüht, für die geplante Anschaffung einer Löschspritze bei den verschiedenen Stellen Zuschüsse zu erhalten. Am 30. April 1888 wurde der Kaufvertrag mit der Nürnberger Firma Justus Christian Braun über die Lieferung einer Löschmaschine abgeschlossen. Diese Spritze ist noch heute voll funktionsfähig.

Obwohl die Gemeinde alles daransetzte, die Wehr schlagkräftig zu erhalten, schienen die Aktiven weniger Interesse am Dienst gehabt zu haben. Der Inspektionsbericht des Bezirksamtes fiel damals entsprechend negativ aus. Die Vereinsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Thurndorf wurde in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entscheidend durch die beiden Weltkriege geprägt. Viele der Feuerwehrkameraden mussten ihr Leben lassen oder kehrten verwundet zurück.

Alle Akten über die Wehr, die sich in den Händen des langjährigen Kommandanten Hans Oberst befanden, wurden von der amerikanischen Besatzungsmacht verbrannt. Die Soldaten konnten NS-Uniformen nicht von der Feuerwehruniform, die beim Kommandanten im Schrank hingen, unterscheiden.

Das neue Jahrhundert begann für die Thurndorfer Wehr mit Problemen in der Vereinskasse. Viele Helme, Gurte und Dienstkleidung mussten angeschafft werden. Wo aber das nötige Geld hernehmen? So wurden die verschiedensten Quellen angeschrieben und um Geld gebeten. Sogar an den Thronerben Bayerns, Prinz Luitpold, schrieb man ein Gesuch. Ein Bittbrief an die damalige Feuerversicherungsanstalt blieb nicht ohne Wirkung: 100 Mark bekamen die Thurndorfer zugewiesen.

Die erste Fahne, die noch erhalten ist, wurde im Jahr 1907 angeschafft. Die Fahnenbräute waren damals: Theresia Oberst, Maria Reindl und Anna Höllerl.

Als sich die Thurndorfer Gemeindekasse erholt hatte, wurde 1911 eine fahrbare Leiter angeschafft. 1934 wurden zu Ergänzung des Feuerwehrschutzes zwei Löschweiher ausgebaut. 1949 erhielt die Wehr eine tragbare Motorspritze für 4012 Mark. 1966 konnte die Wehr als eine der ersten Dorffeuerwehren im Umkreis ein modernes Löschfahrzeug TSF 8 seiner Bestimmung übergeben, das später sogar mit Sprechfunk ausgerüstet wurde.

In den Jahren 1987 bis 1990 wurde unter Federführung von Bürgermeister Gerhard Sporer das im Jahr 1890 erbaute Schulhaus zu einem Feuerwehrgerätehaus umgebaut. Eine halbe Million Mark hat das Projekt gekostet. Das neue TSF 8 „Tanja“ wurde 1993 in Dienst gestellt. 2003 wurde das Dachgeschoss zu einem modernen Schulungs-. und Verwaltungsraum ausgebaut. Im selben Jahr baute die Gemeinde auf der Wiese neben dem Feuerwehrhaus einen unterirdischen Löschbehälter. In jüngster Zeit erhielt das Gerätehaus neue Fenster und ein neues Tor.

Im Jubiläumsjahr freuen sich die Mitglieder auf ihr neues Einsatzfahrzeug vom Typ TSFW (Tragkrafspritzenfahrzeug Wasser). Die Ausschreibung ist in Vorbereitung.

Auch Pressath feiert nicht

Pressath
Am 25. Mai 1871 wurde in der Schlossschänke in Thurndorf beim Kummert die Freiwillige Feuerwehr gegründet.
Die Fahnenbräute der Fahnenweihe im Jahr 1907 waren Anna Höllerl, Maria Reindl und Theresia Oberst.
An den 150. Geburtstag der Thurndorfer Feuerwehr erinnert ein am Gerätehaus angebrachtes Transparent.
Info:

150 Jahre FFW Thurndorf

  • 25. Mai 1871 Gründung im Gasthaus Kummert
  • 18. November 1872 Bau des ersten "Feuerwehrhäuschens"
  • 30. April 1888 Kaufvertrag über die erste Löschmaschine
  • 1911 Anschaffung einer fahrbaren Leiter
  • 1990 Umbau ehemaliges Schulhaus zum Feuerwehrgerätehaus
  • 2021 aktuelle Vorstandschaft: 1. Vorsitzender Manuel Lorenz, 2. Vorsitzender Michael Fronhöfer, Schriftführer Stefanie Fronhöfer, Kassier Christopher Dettenhöfer, 1. Kommandant Manuel Müllner, 2. Kommandant Roland Busch.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.