Als Thurndorf noch eigene Richter hatte

Schlägereien, Unzucht und Betrügereien – diese Vergehen beschäftigten die Richter in Thurndorf von 1597 bis 1684. Ein Blick in die Historie des Dorfes bringt manche kuriose Geschichte zum Vorschein.

Das hohe Gericht war im Alten Schloss untergebracht.
von Fritz FürkProfil

Das jetzt 900-jährige Thurndorf hatte von 1597 bis 1684 ein Richteramt mit exekutiver Gewalt. Nach Aufzeichnungen von Seminarlehrer Josef Köstler wurde zum Pfleger des neuerworbenen Amtes Thurndorf der jeweilige Landrichter von Auerbach ernannt. Die Rechnungen des Amtes Thurndorf stellte der Kastner (Kämmerer) von Auerbach aus. Diese beiden Beamten hatten neben ihren Sold auch 73 1/2 Tagwerk Thurndorfer kurfürstliche Wiesen um einen lächerlichen geringen Preis im Besitz, bis sie 1723 bis 1725 der Freiherr von Blumenthal vom Kurfürsten durch ein wucherndes Geldgeschäft käuflich erwarb und mit dem Gut Hammergänlas (heute Truppenübungsplatz) vereinigte.

Als Lokalbeamter wurde ein Richter eingestellt. Er war ein Jurist und hatte die niedere Gerichtsbarkeit, das Notariat, Inventur und Polizeigewalt auszuüben. Ihm oblag auch die gesamte Administration. Im Folgenden einige Auszüge von Polizeistrafen von 1600 bis 1680 im Amt Thurndorf:

1600: Georg Eschenbeck und Georg von der Grün haben sich wegen einer strittigen Fuhr gegenseitig beschimpft und geschlagen. Jeder hat zwei Gulden als Strafe zu zahlen. Der Tavernenwirt Kaspar Wiesend hat den Amtsknecht eine Maultasche gegeben und ihn am Kopf verwundet. Er hat 8 Gulden als Strafe zu bezahlen. Der Bauer H. Maier wird um 4 Gulden bestraft, weil er seine Hochzeit zu großzügig gehalten hat. Es sind nämlich über 5 Tische gewesen und 62 Personen als Hochzeitsgäste.

Schlägereien und unsittliches Verhalten

1606: Der Beck Georg Schwindl wird um 2 Gulden bestraft, weil er seit 14 Tagen kein Brot gebacken und seinen Weizen nach Thumbach verkauft hat.

1610: Mehrere Burschen haben in der Fasenacht einen Hirtbuben als Bären vermummt und sind mit ihm mit Pfeifen und Dudelsack im Berg und Dorf herumgezogen. Hans von der Grün zahlt 7 Gulden, die anderen Burschen haben ihre Straf am Leib erstanden.

1612: Der Hütmann Mathias Kandler wird drei Tage in den Turm gesperrt, weil er mit einem Schleißenlicht in den Kuhstall gegangen ist und an einem Sonntag ein Schweinlein hat stechen lassen.

1620: Georg Werl hat den Schulmeister Joachim Jeckl schwer injuriert und geschlagen, weshalb er um 4 1/2 Gulden bestraft wird. Der Schneider Lang und der Schuster Schmidt müssen 4 Gulden Strafe zahlen, weil sie sich beim Kartenspiel beschimpft und geschlagen haben.

1622: Fritz Kroher wurde mit 2 Kronen Strafe und 2 Tag Gefängnis belegt, weil er sich vor der Hochzeit zu seinem Weib gebettet, so dass selbes von der Zeit an eines Kindes gewesen ist.

1638: Hans Pittner, Hans Schwindl und Peter Ameis haben heimlicherweise einen Ochsen, den die kaiserlichen Truppen vergessen und stehen haben lassen, um 8 Gulden verkauft und den Erlös geteilt. Als Straf müssen sie 4 1/2 Gulden an das Amt zahlen.

1668: Jakob Schönmann hat den Christoph Heberl einen Landfahrer, Schelm, Dieb und Hundsfotzen genannt, weshalb er um 1 Gulden gestraft wird.

1676: Die Helene Rauch wird 5 Tage lang mit der Geigen öffentlich ausgestellt, weil sie mit einem Reitersmann sträfliche Leichtfertigkeit begangen hat. Die Katharina Fuchs hat man 1/2 Tag lang mit der Geigen vor dem Brunnen an den Pranger gestellt, weil sie den Metzgerknecht Schnabl nächtlicherweise in sich durchs Fenster hat einsteigen lassen.

"Ka über uns"

Nach den Aufzeichnungen von Seminarlehrer Josef Köstler aus Amberg im Jahre 1915 war Thurndorf von 1314 bis 1318 ein Marktflecken. Die Viehzucht war sehr gehoben; auch blüht in Thurndorf der Viehhandel und bringt reichlichen Gewinn in das Dorf. Die Bewohner gelten als sehr rührig und intelligent, sind gesprächig und neugierig, gesellig und vergnügungssüchtig. Sie hätten im Vergleich zu den anderen oberpfälzischen Bauern einen leichteren Sinn, ein hitziges Blut, einen größeren Freiheitsdrang und Unabhängigkeitssinn, aber auch ein angemessenes zu Sprecherei, zu Widerspruch und Opposition neigendes Wesen. Der damalige Bezirksamtmann Pündtner von Eschenbach nannte die Thurndorfer wegen dieser Eigenschaften "seine Franzosen". Er bezeichnete sie als "lebenslustig, geistig regsam, vorlaut und maulgewandt".

In der Schriftenreihe Bavaria II pag. 192 und 292 werden die Bewohner von Thurndorf wie folgt beschrieben: "Sie sind hochstämmig und elastisch. Die Burschen sind hübscher als in Altbayern und auf der Thurndorfer Hochebene finden sich viele saubere, Mädchen, die bereits mit 16 bis 17 Jahren völlig reif und mannbar sind. Die Thurndorfer sind von ihren geistigen und körperlichen Vorzügen so sehr überzeugt, dass sie sich seit alter Zeit ein eigenes Sprichwort geprägt haben das lautet: "Ka über uns" ("Keiner über uns"). Mit diesen drei Worten wollen sie ausdrücken, niemand ist gescheiter und gewandter als wir."

Nach Josef Köstler ist dies aber nicht der Fall. Berechtigt ist das Sprichwort nur insofern, als kein Wohnort der Umgebung höher liegt als Thurndorf. In Anbetracht dieses Umstandes können die Thurndorfer weiterhin sagen: "Ka über uns." Dass übrigens die Rede von höherer Intelligenz nicht gänzlich unberechtigt ist, beweist die stattliche Reihe jener geborenen Thurndorfer, welche höheren Studien absolviert und hochangesehene Stellen in Staat und Kirche erreicht haben.

900 Jahre Thurndorf: Am Rande des Kütschenrain

Thurndorf bei Kirchenthumbach
In der Taverne, später "Gasthof zum weißen Ross" gab es oft Raufereien, die streng bestraft wurden.
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