Thurndorf: Ein Wappenstein als Blickfang

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In eine der letzten Bastionen zwischen Altbayern und Franken ist ein Teil der Geschichte zurückgekehrt. In Stein gemeißelt, ist die Historie von Thurndorf, einem der geschichtsträchtigsten Orte der Gegend, wieder allgegenwärtig geworden.

Der Wappenstein des Thurndorfer Schlosses.
von Fritz FürkProfil

Neuer Blickfang ist der Wappenstein des ehemaligen Thurndorfer Schlosses. Das Ende des 16. Jahrhunderts aus feinem Sandstein gemeißelte Wappen war früher über dem Haupteingang des Gebäudes in die Mauer eingelassen. Der 1976 erfolgte Abbruch war ein erheblicher Verlust für die Kulturgeschichte Thurndorfs.

Der Wappenstein ist nicht nur ein einfacher Stein, sondern ein historisches Kunstdenkmal, zumal das Schloss 1909 in die Kunstdenkmäler Bayerns aufgenommen wurde. Fast 44 Jahre war er eingelagert und ist so der Nachwelt erhalten geblieben.

Historische Quellen belegen den Bau eines neuen Schlosses aus dem Baumaterial zweier alter Schlösser beziehungsweise der alten Burg zwischen 1585 und 1597 durch Alexander von Redwitz und dessen Sohn. Ein drittes Schloss wurde zur selben Zeit in ein Pfarrhaus umgewandelt.

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Kirchenthumbach

Alexander von Redwitz hatte eine Frau aus dem Hause Schaumberg geheiratet. Die beiden Familienwappen stellen zusammen ein sogenanntes Ehewappen dar: Dabei handelt es sich um das Wappen der Herren von Redwitz und zum anderem um das der Herren von Schaumberg.

Dadurch entstand eine Kombination der Wappenschilder der durch Ehe verbundenen Adelspersonen in Form zweier einander zugekehrter Einzelwappen. Dabei wird die heraldische Regel beachtet. Mit diesem besonderen Konstrukt wurde an repräsentativen Orten familienbezogenes Eigentum gekennzeichnet. Anhaftende Farbreste zeigen, dass die hochwertige Sandsteinarbeit ursprünglich in den heraldischen Farben gefasst war.

Als das alte Schloss 1976 der Spitzhake zum Opfer fiel, wurde das Wappen aus der Fassade genommen. Die Eigentümer Ludwig und Josef Buchfelder lagerten das Wappen unter Mithilfe von Willi Büttner ein. Nach dem Tod der beiden Erben kümmerte sich im Namen der Erbengemeinschaft Angela Kummert-Schleicher um den adeligen Restbestand.

Mit pädagogisch gut ausgearbeiteten Texten und farbigen Illustrationen informieren Schautafeln über die frühe Herrschaftsgeschichte von Thurndorf.

Steinmetzmeister Georg Doreth aus Neustadt am Kulm hat nun dem Wappenstein in einer schonenden "kleineren Restauration" wieder Leben eingehaucht. Die kleine Restauration beschränkte sich auf die vorsichtige Reinigung, die Konservierung mürber Sandsteinstellen, die Wiederanbringung abgebrochener Teile und das Entfernen von Silikonresten. Das Einhorn-Horn wurde – wie das historische Original – aus Holz geschnitzt und in die vorhandene Aussparung eingepasst, so wie es auch ursprünglich war.

Michael Biersack hat nach Rücksprache mit Kreisheimatpfleger Hannes Oberndorfer, der sich beim Landesamt für Denkmalpflege fürsprechend für das Projekt eingesetzt hat, einen Plan gezeichnet, nach dem die Kirchenthumbacher Metallbaufirma Zeitlmann-Schmidt einen Stahlrahmen konstruiert und das Wappen hinter Glas gesetzt hat. Damit wird der Stein vor widrigen Wettereinflüssen geschützt.

Biersack, der sich der Heimatforschung verschrieben hat, hat erheblich zum Gelingen der Restaurierung beigetragen und auch die Texte zusammengetragen. Die Kosten hat die Gemeinde übernommen. Auch die Erbengemeinschaft Buchfelder hat einen großzügigen Spendenbeitrag geleistet.

Nur einen Steinwurf entfernt wurden auf dem Friedhof im Schatten des Kirchturms, der die wohl die älteste Glocke Bayern – die Theophilusglocke – beherbergt, zwei Zeittafeln aufgestellt, die die Geschichte Thurndorfs in Schrift und Bild dokumentieren. Sehr anschaulich wurden darauf die Archäologie der Thurndorfer Burg sowie Thurndorf im Mittelalter dargestellt. Dafür zeichnete Dr. Mathias Hentsch verantwortlich.

So gehörte die Burg vom 11. bis 13. Jahrhundert zu den wichtigsten Herrschaftszentren in der heutigen nördlichen Oberpfalz. In den Jahren 1998, 2000 und 2002 fanden im Zentrum der ehemaligen Burg archäologische Ausgrabungen statt, die deren bauliche Entwicklung in wichtigen Zügen erhellen konnten. Die archäologischen Spuren belegen die große Bedeutung im mittelalterlichen Herrschaftsraum.

Hintergrund:

Die bauliche Entwicklung der Thurndorfer Burg im Überblick:

8./9. bis 10. Jahrhundert: Gründung einer offenen Siedlung im Bereich der späteren Burganlage. 11. Jahrhundert: Gründung einer Burganlage in Form von Holzgebäuden. Errichtung eines steinernen Saalbaus, zugleich wohl Bau einer Burgkapelle und einer Steinbefestigung. Erste Hälfte 12. Jahrhundert bis 1160: Ausbau der Burganlage. Bau eines mächtigen Turms (Bergfried), eines Palas sowie einer neuen Burgkirche. Guss der so genannten Theophilus-Glocke des Meisters Wolfger. Um 1200: Teilung der Burganlage. Bau einer Quermauer eines inneren Tores unter Einbeziehung des alten Hauptturms und eines flankierenden Torturms im Zentrum der Burg. 14. und 15. Jahrhunderts: Neubau des Chores der Burgkirche. Ab Ende des 16. Jahrhunderts: Verfall der Burg und Abbruch wesentlicher Bauteile, die für die Errichtung eines Schlosses verwendet wurden.

Das im Jahre 1976 abgebrochene Thurndorfer Schloss
Lebensnahe Rekonstruktion der Thurndorfer Burg um 1160 nach den archäologischen Befunden.
Der Turmstumpf neben der Pfarrkirche.
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