11.10.2020 - 14:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Beziehungsstreit vor Gericht: Richter spricht Angeklagten schuldig

Der Angeklagte soll seine ehemalige Lebensgefährtin bei einem Streit festgehalten und gewürgt haben. Bei der Fortsetzung des Gerichtsverfahrens in Tirschenreuth geht es um die Höhe und Dauer des Strafmaßes.

Ein 21-Jähriger soll seine ehemalige Lebensgefährtin gewürgt haben. Die Geschädigte konnte auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht nicht aussagen. Im Urteil spricht Richter Thomas Weiß den Angeklagten schuldig.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Eigentlich sollte die Geschädigte als Zeugin vor dem Amtsgericht Tirschenreuth aussagen. Ihr ehemaliger Lebensgefährte soll sie im Streit festgehalten und gewürgt haben. Da sie sich jedoch in einer Therapieeinrichtung befindet, mussten sich die Beteiligten mit dem bisherigen Stand der Aussagen begnügen. Amtsrichter Thomas Weiß forderte Staatsanwältin Carolin Ammon und Verteidiger Thomas Bäumler zu einem Rechtsgespräch auf. Dabei wurde um Höhe und Dauer des Strafmaßes verhandelt. Schließlich ging es nicht allein um gefährliche Körperverletzung, sondern auch um Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung in insgesamt sechs Fällen.

Kein minder schwerer Fall

In ihrem Plädoyer sah die Staatsanwältin die Anklageschrift bestätigt, auch dadurch, dass sich der 21-Jährige geständig gezeigt hatte. "Es muss beachtet werden, dass es eine Beziehungstat war", betonte sie. Jedoch waren auf den gezeigten Lichtbildern deutlich die Hämatome am Hals der Geschädigten zu sehen. "Er hatte seine Aggressionen nicht im Griff und nutzte seine körperliche Überlegenheit aus. So bringt man halt jemanden um."

Daher handele es sich für sie um keinen minder schweren Fall. Zudem war der junge Mann beim Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt worden, obwohl er bereits 2019 deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Ammon forderte daher in Summe eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Diese könne aber auf Bewährung ausgesetzt werden, da es sich um die erste Freiheitsstrafe des Angeklagten handele. Des Weiteren forderte sie 100 bis 120 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Der Verteidiger versuchte, Strafmilderungsgründe entgegenzusetzen. "Es ist unstrittig eine Beziehungstat, und die Geschädigte hat den Angeklagten provoziert und war aggressiv", sagte er. Genau dieses Verhalten habe die Reaktion seines Mandanten hervorgerufen. "Es war eine On-Off-Beziehung und auch dem Gericht ist es bekannt, dass es ein Beziehungschaos gab." Außerdem habe der junge Mann seit der Trennung keine Aggressionen mehr gezeigt und sei drogenfrei. Verteidiger Thomas Bäumler forderte daher eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten.

Problematische Beziehung ursächlich

In seinem Urteil hielt Richter Thomas Weiß den Angeklagten für schuldig. "Zu ihren Gunsten spricht, dass Sie vollumfänglich geständig waren." Weiterhin hielt er die problematische Beziehung des jungen Mannes zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin als ursächlich für seine Taten. Dennoch schloss auch der Richter einen minder schweren Fall aus. "Bei der Sachbeschädigung handelte es sich um eine Spontantat." Gegen den Angeklagten spreche jedoch, dass er ohne Fahrerlaubnis fuhr, obwohl er schon deswegen vorbestraft war. Weiß verhängte eine Gesamtstrafe von 14 Monaten über eine Bewährungszeit von drei Jahren. Zusätzlich soll der Angeklagte 120 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eine problematische Beziehung führt den Angeklagten vor das Amtsgericht Tirschenreuth

Tirschenreuth
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.