23.02.2021 - 15:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bisher nur 6700 Impfdosen im Landkreis Tirschenreuth angekommen

Das Thema Corona mit den weiterhin hohen Fallzahlen im Landkreis treibt die Kommunalpolitik um. Viele Wortmeldungen im Kreisausschuss hatten einen Tenor: Man fühlt sich zu Unrecht stigmatisiert. Und das Impfen verläuft schleppend.

Rund 6700 Impfdosen sind seit Anfang Januar im Landkreis Tirschenreuth verabreicht worden.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Oberregierungsrat Markus Zapf gab einen Einblick in das aktuelle Impfgeschehen. Von den 5000 bis 6000 über 80-Jährigen im Landkreis Tirschenreuth seien derzeit 1500 einfach und 800 schon zweifach geimpft. Insgesamt habe man seit Anfang Januar 6700 Dosen verabreicht. Strikten Vorrang hätten bisher Heimbewohner gehabt, auch wenn die noch nicht 80 Jahre alt seien. „Da sind wir inzwischen mit allen Impfwilligen durch.“

Hauptsächlich seien Vakzine von Biontech und Moderna verimpft worden, am vergangenen Wochenende auch die ersten 130 Dosen mit Astrazeneca. Über Nebenwirkungen sei noch nichts bekannt, sagte Zapf. Insgesamt hätten sich bisher 12 700 Einwohner aus dem Landkreis quer durch alle Altersgruppen für die Impfungen registriert: „Alle bekommen ein Angebot, die einen früher, die anderen später.“

Kritische Worte gab es im Kreisausschuss auch über die sehr kurzfristig von der Staatsregierung angeordneten mobilen Teststationen. „Das war Aktionismus“, wurde der Jurist des Landratsamtes deutlich. Zapf dankte den Bürgermeistern dennoch für die schnelle Einrichtung in Kemnath, Erbendorf, Wiesau, Waldershof und Mitterteich – und beleuchtete das Ergebnis der „Hopplahopp-Aktion“: Von den 338 dort getesteten Personen hatten 5 ein positives Ergebnis. Zum Vergleich: In den Testzentren des Landkreises gab es seit Anfang Januar rund 50 000 Abstriche.

Ganz Deutschland öffnet und wir wären eingesperrt - wie sollen wir das unseren Leuten klar machen?

Bernd Sommer, CSU-Fraktionssprecher

Bernd Sommer, CSU-Fraktionssprecher

"Ganz Deutschland öffnet und wir wären eingesperrt - wie sollen wir das unseren Leuten klar machen?", fragte CSU-Fraktionsvorsitzender Bernd Sommer mit Blick auf Lockerungen in Gebieten mit geringerer Inzidenz. Er hoffte, dass der Fünf-Punkte-Katalog der Landräte in Grenzregionen an oberer Stelle Gehör finde. Die bereits am Montag zugesicherten zusätzlichen 1000 Impfdosen seien ein Baustein, aber erst der Anfang.

Sommer beklagte die reißerische Aufmachung der hohen Tirschenreuther Inzidenz in überregionalen Medien. Im Frühjahr sei der Landkreis zu Unrecht wegen Zoigl und Starkbierfesten stigmatisiert worden. Nun teste man weit mehr als andere und werde mit den Ergebnissen erneut stigmatisiert. Dabei werde auf Kreisebene alles Menschenmögliche getan, um die Pandemie zu bekämpfen.

Die Resolution der Grenzlandkreise mit Einforderung einer Öffnungs-Perspektive begrüßte auch Hans Klupp (Freie Wähler): "Wir können nicht als Problem-Landkreis für ganz Deutschland herhalten." Klupp warnte davor, dass sich in der Corona-Debatte neue Ressentiments zwischen Deutschen und Tschechen hochschaukeln. Die Krise könne nur gemeinsam gemeistert werden.

Im Namen der SPD, die sich in einem offenen Brief mit eigenen Vorschlägen an der Diskussion beteiligt hatte, wollte Uli Roth grundsätzlich nicht alle Anregungen von außen vom Tisch wischen. Nachdem die Bevölkerung privat seit Monaten im Lockdown sei, bleibe eigentlich nur die Infektionskette am Arbeitsplatz als Erklärung. Eine engmaschigere Testung in den Betrieben habe auch die SPD gefordert. Insgesamt sehr bedrückend bleibe die hohe Sterbefallquote von 5,3 Prozent im Landkreis, während andere Regionen weit weniger als die Hälfte aufwiesen. Insgesamt hielt es Roth daher für angebracht, dass sich viele Leute aus verschiedenen Blickwinkeln Gedanken dazu machen.

Unter anderem tägliche Tests für Grenzpendler hatte die Landkreis-SPD gefordert

Tirschenreuth

Wie alle Redner dankte Matthias Grundler (Liste Zukunft) den haupt- und ehrenamtlichen Kräften im Kampf gegen Corona. Die Schuldzuweisung nach Tschechien sei eine Nebelkerze, die nicht weiterführe. Auch mit einer Grenzschließung sei der Ausbreitung nicht beizukommen. "Wir sind Hotspot", unterstrich er die Verpflichtung, eigene Konzepte zu entwickeln.

Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) lag ein Punkt besonders am Herzen: "Wie schaffen wir es, die Kinder und Jugendlichen wieder in die Schulen zu bringen?" Hier seien individuellere Test- und Hygienekonzepte gefragt, als sie das Kultusministerium einmal für ganz Bayern festlege. Auch das Problem der Schülerbeförderung dürfe man nicht außer Acht lassen.

Dass in der Pandemie auf die Rettungs- und Hilfsverbände Verlass sei, unterstrich Franz Stahl (CSU). Der BRK-Kreisvorsitzende forderte, die Helfer auch durch entsprechende Impfungen zu unterstützen. Von einer hohen Impfbereitschaft auch im westlichen Landkreis berichtete sein Parteikollege Roman Schäffler aus Kemnath. Der Brief der Landräte sei wichtig, weil er besser als Einzelstimmen gehört werde. "Öffnungen auch für uns müssen kommen. Sonst haben wir nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales Problem."

Die Sorge um kleinere Geschäfte trieb Toni Dutz (CSU) um: "Da muss schnell etwas passieren." Die Unterscheidung in systemrelevante und andere Grenzpendler hielt er im Übrigen für absurd: "Entscheidend ist, ob corona-negativ oder nicht."

Landrat Roland Grillmeier beklagt viele besserwisserische Ratschläge in Sachen Corona

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