13.09.2020 - 13:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Blaue Flecken auf Arm und Brust

Vor dem Amtsgericht Tirschenreuth geht es um gefährliche Körperverletzung. Ein Mann soll seine Frau geschlagen haben, sogar während sie das Kind auf dem Arm hatte. Der Angeklagte dementiert dies jedoch.

Ein Mann soll seine Frau geschlagen haben, er steht nun vor dem Amtsgericht Tirschenreuth.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

In der Anklageschrift beschreibt Staatsanwältin Vera Höcht ein Familiendrama vor dem Amtsgericht. Im März 2020 soll der Angeklagte zunächst seine Ehefrau vier Mal mit voller Wucht mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Als die Frau mit der zweijährigen Tochter auf dem Arm in die Küche ging, sei ihr der Mann gefolgt und habe ein 20 bis 25 Zentimeter langes Küchenmesser von der Wand genommen. Damit sei er auf seinen Stiefsohn und die Ehefrau bedrohlich zugegangen.

Der Geschädigten sei es gelungen, dem Metallbauer das Messer aus der Hand zu reißen und ihn nach hinten weg zu schubsen. Daraufhin sei der Angeklagte erneut auf seine Frau losgestürmt und habe mit der Faust auf sie eingeschlagen. Mehrere Hämatome an Arm und Brust seien die Folge gewesen.

Doch damit nicht genug: Als Polizeibeamte vor der Wohnung eintrafen, sei der Angeklagte ihnen aggressiv entgegen gekommen und wollte flüchten. Dabei habe er auch versucht, einen Polizisten zu schlagen, wobei dessen Funkgerät aus der Brusttasche gefallen sei. Der Mann wurde schließlich durch weitere Beamte festgehalten, er musste zu Boden gebracht und zwangsweise mit Handschellen gebändigt werden.

Viel gestritten

Nun muss sich der Angeklagte vor Richter Thomas Weiß wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Der Richter will wissen, was an besagtem Tag passiert ist. "Meine Frau meinte, dass ich eine Fahne hätte. Ich hatte gar nichts gemacht", sagt der Metallbauer. In den Monaten zuvor habe das Ehepaar viel gestritten. "Ich wusste an dem Tag gar nicht, was los war." Er habe sich das Messer aus der Küche geholt, um sich etwas zum Essen zu machen. "Dann habe ich es wieder hingelegt." Er habe es auch nicht in die Richtung seiner Frau gehalten. "Ich habe ihr auch definitiv nicht ins Gesicht geschlagen."

Die Staatsanwältin fragt nach dem Stiefsohn: "Wo befand er sich?" Der Angeklagte antwortet: "Ich weiß es nicht mehr genau. Der 23-Jährige lebt seit drei Jahren bei uns und kostet Geld." Das Thema sei oft zwischen ihm und seiner Frau diskutiert worden. "Was war mit den Polizeibeamten im Treppenhaus?", will Höcht wissen. "Ich wollte mich nicht verhaften lassen, weil ich ja nichts gemacht habe", beteuert der Angeklagte. Er gibt zu, sich gegen die Beamten gewehrt zu haben. "Es war einfach die Situation. Ich bin aus allen Wolken gefahren. Auf einmal stand da die Polizei." Der Angeklagte bestätigt, dass er versucht habe, einen Polizisten zu schlagen.

"Sie hatte ein rotes Gesicht"

Der Stiefsohn des Metallbauers kommt als Zeuge in den Gerichtssaal und erklärt die Geschichte aus seiner Perspektive. "Ich war in der Küche am Laptop und hatte Kopfhörer auf. Dann ist es laut geworden. Meine Mutter kam entsetzt in die Küche." Sie habe gesagt, dass sie geschlagen worden sei. "Sie hatte ein rotes Gesicht." Seine Schwester habe dann die Polizei gerufen. "Es gab eine Diskussion. Er nahm ein Messer in die Hand und stand vor uns, ohne etwas zu sagen." Die Mutter habe ihm das Messer aus der Hand genommen. "Dann hat er ausgeholt und ihr auf die Brust geschlagen." Zunächst habe der Angeklagte die Wohnung nicht verlassen wollen. Das habe sich erst geändert, als die Polizei kam.

Richter Thomas Weiß zeigt Bilder der Geschädigten, die einen Tag nach den Ereignissen aufgenommen worden sind. Deutlich sind große, dunkelrote Hämatome auf Brust und Arm der Frau zu sehen. Auch zwei Polizisten, die den Angeklagten im März festgenommen haben, sagen aus. Sie bestätigen die Ereignisse der Anklageschrift. Beide beschreiben den Mann als alkoholisiert, aggressiv und lautstark. "Man hat gesehen, dass die Ehefrau eine Schwellung im Gesicht hatte. Sie sagte uns, dass sie öfters angegangen wurde", erklärt ein Beamter.

Da am Verhandlungstag die Frau des Angeklagten sowie die Psychiaterin nicht erscheinen konnten, wird der Prozess am 14. September fortgesetzt.

Vor dem Amtsgericht Tirschenreuth wurde auch eine Disko-Rangelei verhandelt

Tirschenreuth
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.