06.05.2020 - 17:26 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Brauereien im Landkreis Tirschenreuth leiden unter Coronavirus

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Die Umsatzeinbrüche der Brauereien der Region sind gewaltig. Auch wenn bald Biergärten und Gaststätten wieder öffnen dürfen, ist die Lage weiter schwierig. Die fehlenden Einnahmen sind kaum zu kompensieren.

Weißbier-Resi und Vertriebsleiterin Martina Bleistein mit Diplom-Braumeister Michael Hösl, von der gleichnamigen Mitterteicher Brauerei, im Lager vor vollen Beständen.
von Josef RosnerProfil

Die Umsatzzahlen der Brauereien sind durch die Coronakrise eingebrochen. Auch im Landkreis Tirschenreuth. Einige haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Andere versuchen, die Krise mit neuen Marketingstrategien zu überstehen. Die stufenweise Öffnung ist zumindest ein Licht am Ende des Tunnels. Aber die angekündigten Lockerungen im Gastronomiebereich werden die vollen Lager erst langsam wieder leeren.

Hart getroffen hat die Corona-krise ist die Privatbrauerei Hösl, wie Geschäftsführer und Diplom-Braumeister Michael Hösl unumwunden zugibt: „Für uns ist der Wegfall der Fassbierkunden durch die Schließung der Gaststätten schlimm. Die laufenden Kosten und Verpflichtungen müssen weiter gedeckt werden und dies trotz eines Umsatzverlustes von aktuell rund 35 Prozent.“

In dritter Generation

Die Brauerei besteht seit 1906 und wird von Michael Hösl in dritter Generation geführt. Hösl räumte ein, dass die schnelle Ausbreitung speziell im Mitterteicher Stadtgebiet und im Landkreis Tirschenreuth die Brauerei sehr betroffen gemacht hat. Die Pandemie habe aber auch zu einem neuen Wir-Gefühl geführt.

Hösl bedauert, dass große Feste und Veranstaltungen abgesagt wurden. Auch wenn dies die Brauerei natürlich schwer treffe, sei dies richtig und wichtig. Beispielhaft erwähnt er das Hallenfest in Pleußen, oder das Brückenfest in Lorenzreuth. Das erste Gebot der Brauerei Hösl sei es derzeit, Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Auch deshalb seien Desinfektionsmittel, Mundschutz und Plexiglas-Scheiben selbstverständlich. Weiter bietet Hösl im Großraum Mitterteich einen Lieferservice an. Insgesamt sei die Coronakrise eine große Herausforderung für ein mittelständisches Unternehmen.

Geschlossen ist der Brauereigasthof in Mitterteich, dahinter liegt die Privatbrauerei Hösl
Diplom-Braumeister Michael Hösl hat einen Umsatzverlust von 35 Prozent. Den Optimismus freilich hat er noch nicht verloren.

Hösl hat aktuell 20 Mitarbeiter. „Wir als Brauerei können leider kein Home-Office anbieten. Um die Arbeitsplätze zu erhalten haben wir Kurzarbeit angemeldet“, sagte Michael Hösl zu den Oberpfalz-Medien. „Wir wollen unsere Belegschaft im Unternehmen halten, weiter halten wir natürlich an den Qualitätszielen fest“. Dennoch sieht die Brauerei der Zukunft positiv entgegen und hofft mit dem immer stärker werdenden Gemeinschaftsgefühl aus der Krise gestärkt hervorzugehen.

Marina Schricker kennt sich aus mit dem Friedenfelser Bier:

Friedenfels

Bezüglich der Starkbierfestes in Mitterteich, zu der die Brauerei den „Süffikus“ lieferte, sagte Hösl, „dass dies für die ganze Region wohl in trauriger Erinnerung bleiben wird. Ein ungezwungenes Feiern mit Freunden, so wie früher, werde es wohl in naher Zukunft nicht mehr geben. Sein Brauereiteam wolle seinen Beitrag dazu leisten, dass das traditionelle Bier und die heimische Braukunst die schwierige Zeit überstehe“.

Braumeister Christian Mittereder (Schlossbrauerei Friedenfels) prüft junges eingebrautes Bier.

Auch bei der Schlossbrauerei Friedenfels ist derzeit vieles anders als sonst. Die Brauerei beschäftigt 50 Mitarbeiter, wie Geschäftsführer Thomas Schultes mitteilt. Insgesamt zählt die Friedenfelser Unternehmensgruppe rund 150 Mitarbeiter. „Wir haben in enger Absprache mit unserem Betriebsrat beschränkte Kurzarbeit beantragt. Dies bedeutet, sie verbringen zwei Wochen zu Hause und erhalten dafür achtzig Prozent des letzten Nettolohns“.“ Schultes ist froh, dass er Mitarbeiter auch in anderen Friedenfelser Betrieben einsetzen kann und so eine gewisse Flexibilität hat. Schultes sprach im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien von einer fairen Lösung.

Auch Export ist eingebrochen

Die Schlossbrauerei stützt sich auf sechs Vertriebskanäle, wobei die Gastronomie, der Festservice und der Export auf Null eingebrochen sind. Dagegen „brummen“ Heimdienst, Getränkemärkte und Getränkeautomaten. Aktuell beträgt der Gesamt-Umsatzrückgang für alle Vertriebsbereiche rund 50 Prozent. Auffangen will die Brauerei dies mit einer Verstärkung des Heimdienstes. Die Schlossbrauerei hat dazu eigens eine Hotline unter Tel. 0 96 83 / 91 45 geschaltet, dort können auch kleinere Fässer, 5 – 15 Liter, für zuhause geordert werden. Zusätzlich hat sich das Unternehmen verschiedene Zugabeaktionen in den Getränkemärkten ausgedacht. Zu jeder Kiste Friedenfelser Bier gibt ein Produkt aus der Region kostenlos dazu. Das Ziel ist klar definiert. Die Friedenfelser Betriebe wollen damit auch den Verkauf regionaler Lebensmittel stärken. Ein eigener Krisenstab soll die Schlossbrauerei durch die schwierigen Wochen manövrieren. Für die Mitarbeiter gibt es wöchentliche Sprechstunden, bei denen Fragen und Schutzmaßnahmen besprochen werden. Schultes betont, dass es sich gerade jetzt bewähre, dass die Brauerei seit vielen Jahren ausschließlich mit deutschen Hersteller zusammenarbeite.

Braumeister Christian Mittereder an der neuen Flaschenabfüllanlage.
Hier lagert das Bier der Schlossbrauerei Friedenfels.
Leere Fässer braucht die Schlossbrauerei Friedenfels.
Hier lagern zwölf verschiedene Biere der Schlossbrauerei Friedenfels.

Schultes weiß, dass viele Gastronomiebetriebe mit dem Rücken zur Wand stehen. „Normal versorgen wir im Jahr zwischen 300 bis 400 Feste in der Region mit unseren Getränkespezialitäten, ein Großteil davon wird wohl wegfallen.“ Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft. „Wir hoffen, dass die aktuelle Situation ein Umdenken im Einkaufsverhalten bewirkt und die Leute künftig verstärkt regionale Anbieter berücksichtigen.“

Zoiglwirt Thomas Seitz-Hartwich zapft Zoiglbier in eines der 5-Liter-Partyfässer ab. Seine Biertanks sind voll gefüllt.

Zoiglbrauer Thomas Seitz-Hartwich aus Mitterteich sieht alles andere als glücklich aus. Den letzten Ausschanktermin im März musste er absagen, der nächste wird sich wohl auch nicht realisieren lassen, zumindest nicht in der üblichen Form. Klar, dass derzeit alle Fässer im Kühlhaus voll mit Zoiglbier sind. Mit dem Verkauf von Fünf-Liter-Partyfässern und Zoiglausschank in mitgebrachte Flaschen versucht er, den Biersee etwas abzusenken. „Wir haben aktuell 12 000 Liter Zoiglbier bei fünf Grad im Kühlraum gelagert. Das Bier hält schon ein gutes halbes Jahr, aber dann muss es raus. Ich hoffe doch, dass wir bald in die Gänge kommen“, sagt Thomas Seitz-Hartwich. Etwas Linderung hat der Familienbetrieb durch die hauseigene Metzgerei, die jeden Freitag/Samstag zum Verkauf geöffnet hat.

Mehr Wasser und Limonaden

Die Schlossbrauerei Reuth konnte laut Geschäftsführer Rigobert Bergler den Rückgang beim Bierverkauf durch den vermehrten Verkauf von Wasser und Limonaden wenigstens etwas kompensieren. „Ein Vorteil ist auch unser Heimdienst, bei dem wir die Getränke den Kunden bis vor die Haustüre liefern.“ Auch für die Reuther Brauerei war die Schließung der Gaststätten und die Streichung der Vereinsfeste ein großer Schlag. Er hofft, dass viele Leute in der Region nun verstärkt zu regionalen Biere greifen. „Die Krise zeigt, dass sich Kunden auf ihre regionalen Unternehmen verlassen können. Ich hoffe, dass die Leute nun bewusster einkaufen, weil sie gesehen haben, dass wir als regionales Unternehmen auch in Krisenzeiten für sie da sind“. Für verbesserungswürdig hält er die Zahlungsmoral der Kunden, die lasse gerade jetzt in Krisenzeiten etwas nach.

Corona bringt auch Amberger Brauereien ins Straucheln:

Amberg

Johannes Ponnath, Inhaber und Geschäftsführer der Klosterbrauerei Kemnath, beschäftigt aktuell sechs Mitarbeiter. Beim Verkauf der Bier- und Limo-Spezialitäten direkt ab Brauerei und über die Getränkemärkte versucht er, mehr Umsatz zu generieren und die Absatzverluste in Gaststätten und bei Festen etwas abzufedern. Ausgleichen könne man das aber nicht. Dazu seien die Einschnitte bei der Belieferung von geschlossenen Gaststätten und Vereinsheimen einfach zu groß. „Die haben ja alle zu.“

Ponnath bezweifelt, dass sich das mit den Festen bald groß ändern wird. Auch das 71. Kemnather Wiesnfest Mitte August wird in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden können. Ponnath ist aber zuversichtlich, dass es eine Ersatzlösung gibt. „Wir sind der Veranstalter dieses Festes. Wir müssen jetzt die rechtliche Lage klären, ob wir es verschieben oder in anderer Form abhalten können“, kündigt er weitere Gespräche an. „Ein Ausfall des Wiesnfestes wäre für uns als Brauerei und auch für die Menschen in der Region ein immenser Verlust“, sagt er.

Fränkische Brauereien verschenken Tausende Liter Fassbier

Bayern

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