02.02.2021 - 19:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona-Hotspot Tirschenreuth: Firmen droht notfalls Schließung

Um die hohen Coronazahlen unter Kontrolle zu bringen, setzt der Landkreis Tirschenreuth auf zwei Schwerpunkte: die Hygienekonzepte der Unternehmen und Schnelltests für tschechische Grenzpendler.

Proben für Coronatests werden in einem Labor für die weitere Untersuchung vorbereitet: Die Coronazahlen im Landkreis Tirschenreuth steigen weiter.
von Martin Maier Kontakt Profil

Der Landkreis Tirschenreuth ist seit Dienstag wieder Corona-Hotspot Nr. 1 in Deutschland: Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 322, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner, lag der Nordoberpfälzer Landkreis bundesweit an der Spitze. Zum Vergleich: Den Deutschlandschnitt gab das Robert-Koch-Institut mit 90 an, den für Bayern mit 92.

Auch am Dienstag ging die Ursachenforschung bei den Behörden weiter. Seit einigen Tagen wird dem Verdacht auf Corona-Mutationen nachgegangen. Nach ersten Erkenntnissen ist die Mutation leichter von Mensch zu Mensch übertragbar. Mittlerweile gibt es 41 solcher Verdachtsfälle im Landkreis. Wobei es noch keinen offiziell bestätigten Fall gibt.

Keine Schwerpunkte

Aufgrund des hohen Inzidenzwerts hatte das Landratsamt bereits vergangene Woche Unterstützung durch Experten vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angefordert, wie das Landratsamt am Dienstagabend mitteilt. Diese sollen helfen, die Ursachen für die hohen Fallzahlen zu ermitteln und zu reduzieren. Seit Montag würden nun die LGL-Experten, Vertreter des Gesundheitsamts und des Landratsamts das Pandemiegeschehen im Landkreis tiefgreifend analysieren.

Speziell das Ausbruchsgeschehen in den Unternehmen haben die Fachleute schon näher unter die Lupe genommen. Hierbei sei auch der Dialog mit betroffenen Unternehmen gesucht worden, um Gegenmaßnahmen einzuleiten. „Nach Auswertung der verfügbaren Datenlage war man sich schnell einig, dass es sich in den Betrieben wie im gesamten Landkreis um ein diffuses Ausbruchsgeschehen handelt“, schreibt die Behörde. Die Fälle seien über den gesamten Landkreis verteilt. Zudem gebe es keine räumlichen Schwerpunkte. „Betroffen sind sowohl deutsche als auch tschechische Mitarbeiter“, wird das Ergebnis zusammengefasst. Noch einmal wird vonseiten des Landratsamts an alle Unternehmen appelliert, die betrieblichen Hygienekonzepte eigenverantwortlich erneut auf Schwachstellen zu überprüfen und die strikte Umsetzung zu überwachen.

Zugangskontrollen einrichten

Zudem werden die Nachweiskontrollen für Grenzgänger aus Tschechien weiter intensiviert. Ab Donnerstag, 4. Februar, wird das Landratsamt Tirschenreuth für die Arbeitspendler nur noch Antigen-Schnelltests an seinen Testzentren in Waldsassen und Tirschenreuth anbieten. Diese Verfahrensweise minimiere die Zeit zwischen Test und Ergebnis. Das Resultat liege nach spätestens 30 Minuten vor und stelle sicher, dass positiv getestete Personen schnellstmöglich in Quarantäne geschickt werden können. Die Behörde rät außerdem den Unternehmen, eine Zugangskontrolle in den Betrieben einzuführen und die Nachweise der pendelnden Mitarbeiter strikt zu überprüfen. Schon jetzt kündigt das Landratsamt an: „Sollte es die Situation erfordern, kann es zu weiteren Maßnahmen führen.“ Als Beispiel werden umfangreiche Quarantänemaßnahmen und im schlimmsten Fall die Schließung des Betriebs als Ganzes oder zumindest in Teilen genannt.

Aufgrund der aktuellen Lage haben Landratsamt und Gesundheitsamt auch zu mehreren Fragen von Oberpfalz-Medien kurz Stellung genommen:

Wieviele Reihentestungen gab es schon und sind noch geplant?

Reihentestungen in verschiedenen Betrieben wurden je nach Situation/Lage auch schon in der Vergangenheit durch das mobile Testteam durchgeführt. Aufgrund der aktuellen Lage gab es bereits eine größere Reihentestung in einem Betrieb, weitere finden je nach Entwicklung der Situation/Lage in den Betrieben zeitnah statt.

Wieviele Betriebe sind betroffen/stehen unter Beobachtung?

Es stehen mehrere Betriebe unter Beobachtung.

Wie werden in Unternehmen grundsätzlich die Corona-Regelungen überprüft/kontrolliert?

Alle Firmen müssen ein Hygienekonzept aus Infektionsschutz- und Arbeitsschutzgründen vorweisen. Bei Hinweisen oder Auffälligkeiten werden diese durch das Gesundheitsamt geprüft.

Wie beurteilt das Gesundheitsamt das Verhalten der Unternehmen: Zeigen sich diese kooperativ?

Größtenteils ja, es gibt aber auch hier einzelne Ausnahmen.

Wird auch anonymen Hinweisen von Firmenmitarbeitern auf Verstöße gegen Coronaregeln nachgegangen?

Ja.

Gab es schon solche Fälle?

Ja.

Schafft das Gesundheitsamt noch die Kontaktnachverfolgung?

Ja, dies geht aber aktuell nur durch den hochmotivierten Einsatz der Mitarbeiter/innen, welche bereit sind, Überstunden zu leisten und auch am Wochenende zu arbeiten.

Wo werden die Mutationsverdachtsfälle untersucht?

Positive PCR-Abstriche werden stichprobenartig durch die Labore auf Virusvarianten untersucht. Diese Mutationsverdachtsfälle werden wiederum aufgrund aktuell noch fehlender Kapazitäten durch bestimmte Labore nur stichprobenartig sequenziert, was einige Tage dauert.

Aufgrund der hohen Fallzahlen: Wie ist der Austausch mit der Regierung und den Ministerien? Greifen diese in Prozesse ein oder unterstützen die örtlichen Behörden?

Der Austausch mit der Regierung der Oberpfalz, dem Bayerischen Gesundheitsministerium und dem LGL findet ständig statt, zum Teil mehrmals täglich. Es ist ein Miteinander aller, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Welche Beschränkungen (Allgemeinverfügung) wären noch konkret denkbar?

Aktuell liegt die Konzentration auf Firmen. Weitere Maßnahmen bedürfen einer genauen Prüfung, welche Maßnahmen aufgrund der bereits bestehenden Corona-Maßnahmen zusätzlich sinnvoll sind, um die Zahlen einzudämmen.

40 Verdachtsfälle auf Corona-Mutation: Kreis Tirschenreuth nimmt Firmen unter die Lupe

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Hintergrund:

Aktuelle Coronazahlen des Landkreises Tirschenreuth

  • Neue Coronafälle (Dienstag, 13 Uhr): 24, davon befanden sich 3 schon in Quarantäne.
  • Verdachtsfälle auf eine Corona-Mutation: ein neuer Fall, insgesamt aktuell 41.
  • Corona-Tote: zwei neue Todesfälle. Dabei handelte es sich um eine Person mit Vorerkrankungen, deren Alter das Landratsamt mit Mitte 80 und Ende 80 angab. Damit steigt die Zahl der Corona-Toten auf 202.
  • Gesamtzahl der positiv Getesteten: 3426.
  • Zahl der Genesenen (Schätzung): 2927.
  • 7-Tage-Inzidenz Deutschland: Kreis Tirschenreuth 322, Kreis Wunsiedel 235, Kreis Bayreuth 149, Kreis Neustadt/WN 167 (Quelle: Robert-Koch-Institut).
  • 7-Tage-Inzidenz Tschechien: Kreis Eger 1098, Kreis Sokolov 1230, Kreis Karlsbad 649, Kreis Tachau 475 (Quelle: Tschechisches Gesundheitsministerium).
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Tobias Punzmann

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