15.07.2021 - 17:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Enormer Nachholbedarf an Schwimmkursen im Landkreis Tirschenreuth

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Die Nachfrage nach Schwimmkursen für Kinder ist im Landkreis Tirschenreuth enorm. Denn während Corona war kaum etwas möglich. Langsam läuft es wieder an, aber die Wartelisten sind lang.

Schwimmunterricht ist enorm wichtig für Kinder. In Pandemiezeiten fielen die Kurse jedoch aus. Jetzt geht es wieder langsam los, aber es ist wegen der Vorschriften nicht einfach für Wasserwacht und Vereine, den Unterricht anzubieten.
von Armin Eger Kontakt Profil

Schwimmkurse der Wasserwacht und anderer Vereine und auch Schwimmunterricht in der Schule waren seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie kaum möglich. Schätzungen gehen davon aus, dass Tausende von Mädchen und Jungen in Deutschland nicht schwimmen können. Die Folgen davon sind oft dramatisch. Die Meldungen über Badeunfälle, bei denen Kinder ertrinken, häufen sich. Aber auch Schwimmvereine haben, wenn die Kleinen nicht schwimmen lernen, mittelfristig Probleme mit dem Nachwuchs.

Viele Anfragen, lange Wartelisten

"Unsere Schwimmkurse sind voll. Es gibt eine Warteliste, diese ist ebenfalls voll. Wir bekommen täglich so viele Anfragen und kommen kaum hinterher." Das schreibt die Wasserwacht Erbendorf auf ihrer Facebook-Seite. Die Nachfrage sei enorm, bestätigt der Vorsitzende der Erbendorfer Wasserwacht, Thomas Seiler. "Im vergangenen Jahr sind die Kurse komplett ausgefallen." Demnächst gehe es mit 30 bis 40 Kindern wieder los. Die Einschränkungen im Freibad, wie etwa Abstandsregeln, würden das aber nicht einfach machen. Zudem müsse das Wetter mitspielen.

Wenn die Kinder nicht schwimmen lernen, sei das längerfristig ein Problem. "Wir lesen immer wieder, dass Kinder und auch Erwachsene ertrinken, weil sie nicht schwimmen können", sagt Seiler. "Wir gehen deshalb auf die Eltern zu und bitten sie, auch nach den Kursen ins Bad zu gehen und dran zu bleiben."

Die Wasserwacht unterstütze auch die Aktion "Bayern schwimmt". Für Kinder, Eltern und Lehrkräfte gebe es online dazu jede Menge Lehrmaterial. Dass alle Kinder in Bayerns Grund- und Vorschulen nach den Ferien einen 50-Euro-Gutschein zum Erwerb des Frühschwimmerabzeichens "Seepferdchen" bekommen, sei zwar gut, aber man wisse nicht, wie man das bewerkstelligen soll, wenn keine Schwimmplätze da sind, sagt Seiler. Das Kabinett in München hatte beschlossen, dass zum ersten Schul- oder Kindergartentag die Vorschulkinder und Erstklässler des Schuljahres 2021/22 Gutscheine für einen Schwimmkurs erhalten werden. Dadurch sollen die wegen der Pandemie ausgefallenen Schwimmkurse kompensiert und die Schwimmfähigkeit der Kinder unterstützt werden.

Nicht genügend Wasserfläche

In den Grund- und Vorschulen gibt es nach den Ferien einen 50 Euro-Gutschein zum Erwerb des Frühschwimmerabzeichens „Seepferdchens“.

Die Idee hält die Vorsitzende des Tirschenreuther-Schwimmclubs (TSC), Barbara Legat-Kasel, für gut. "Aber Herr Söder hat nicht bedacht, dass Vereine und Öffentlichkeit derzeit nicht parallel ins Wasser dürfen. Wir haben nicht genügend Wasserfläche für die Kurse." Die Nachfrage an Schwimmunterricht für Kinder sei groß, die Warteliste lang. "Wir können nur früh von 7 bis 9 und abends ab 19 Uhr ins Wasser. Das ist schwierig bei Fünfjährigen", sagt die Vorsitzende. Vorerst versucht der TSC den Abbrecherkurs vom März 2020 zu Ende zu führen.

Legat-Kasel hofft auf September, wenn das Hallenbad öffnet. "Wir würden dann wieder gerne richtig Gas geben", sagt sie. Der Verein sei bereits an das Landratsamt als Träger des Hallenbades herangetreten, um nach Lösungen zu suchen.

90 Kinder im Alter zwischen 5 und 9 Jahren stehen auf der Warteliste für die Schwimmkurse bei der Wasserwacht Tirschenreuth. Auch dem Vorsitzenden Michael Bartsch sind die Hände gebunden, weil Wasserfläche fehlt. Keine Option sei es, auf Weiher oder Seen auszuweichen. "Ich brauche für jedes Kind im Kurs einen Ausbilder, so viele habe ich nicht", erklärt Bartsch. Dass die Kinder nicht mehr schwimmen lernen, führe zu einem erhöhten Risiko.

Zwei "Wassergewöhnungskurse" laufen momentan im Egrensis-Bad Waldsassen, mit je acht Kindern. "Schwimmen lernen ist da nicht vorrangig das Ziel, wenn es dann doch so ist, ist das gut", sagt der Bademeister und technische Leiter der Wasserwacht, Gerald Riederer. In den Unterrichtseinheiten für die Kleinen ab 5 Jahren gehe es in erster Linie darum, den Kindern die Berührungsängste vor dem Wasser zu nehmen. "Wir üben und lernen unter anderem Gleiten, Ab- und Auftauchen", sagt Riederer. Die Kurse seien enorm beliebt. "Wir sind bis 2023 ausgebucht. Auf unserer Warteliste stehen ungefähr 100 Kinder."

Neue Kurse derzeit schwierig

Das Thema Kinderschwimmkurse war auch im Stadtrat Mitterteich ein Thema. Stefan Pelz, Ortsvorsitzender der Wasserwacht, erklärte, dass es derzeit nur schwer möglich wäre, neue Kurse aufzulegen. Im Freibad müssten Teile von Becken regelmäßig für einige Zeit gesperrt werden, was zulasten der Besucher ginge, deren Zahl ohnehin begrenzt sei. Einfacher wäre es im Hallenbad - ob das heuer aber wieder öffnen darf, bleibe abzuwarten. Auch müsste abgeklärt werden, welche Mitglieder wann Zeit für weitere ehrenamtliche Einsätze hätten. "Die meisten sind ja berufstätig", so Pelz.

"Wir wollen unsere Kurse wieder wie gewohnt anbieten", erklärte Manfred Liebl, Vorsitzender der DLRG Stiftland auf Anfrage. Doch diese seien schon vor der Pandemie stets ausgebucht gewesen. Und er sei skeptisch, ob es gelingen könnte, das Programm auch noch auszuweiten.

Lücken im Nachwuchsbereich

Die fehlende Schwimmausbildung bei den Kindern werde in zwei Jahren für Lücken im Nachwuchsbereich sorgen, befürchtet German Helgert. Er ist Trainer der Wettkampfmannschaft des Tirschenreuther Schwimmvereins, der zu den drei größten in der Oberpfalz gehört. Eineinhalb Jahre lang sei kein Schwimmunterricht, weder in der Schule noch im Verein, möglich gewesen, so Helgert. Normalerweise bleiben nach den Schwimmkursen einige Kinder im Verein hängen.

Die sportliche Ausbildung sei ebenfalls auf Eis gelegt gewesen, so der TSC-Trainer. Seit Anfang Juni sei seine Mannschaft wieder im Training. Es habe sich gezeigt, dass ein Defizit vorhanden sei, das wieder kompensiert werden müsse.

Badunfälle häufen sich

Steinberg am See

Auch in Weiden und Neustadt fehlt der Schwimmunterricht

Weiden in der Oberpfalz

„Aber Herr Söder hat nicht bedacht, dass Vereine und Öffentlichkeit nicht parallel ins Wasser dürfen. Wir haben nicht genügend Wasserfläche für die Kurse.“

Barbara Legat-Kasel, Vorsitzende beim Tirschenreuther Schwimmclub

„Wir lesen immer wieder, dass Kinder ertrinken, weil sie nicht schwimmen können. Wir gehen deshalb auf die Eltern zu und bitten sie, auch nach den Kursen ins Bad zu gehen.“

Thomas Seiler, Vorsitzender der Wasserwacht Erbendorf

 

 

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