Rufen die Quartiersmanagerin Cornelia Stahl und ihre Mitarbeiterin Janka Hannemann-Mathes zu einer Feier, folgt dieser Einladung jeder, der Rang und Namen hat. So auch bei diesem Jubiläum: Zehn Jahre „Leben plus“ unter Trägerschaft der Stadt Tirschenreuth und des BRK-Kreisverbands Tirschenreuth wurden im historischen Rathaussaal von über hundert Gästen bejubelt. Die beiden Macherinnen haben sich diesen Jubel zurecht verdient. Denn was hier für die Älteren der Stadt aus dem Boden gestampft wurde, ist beispielhaft.
Damit nicht genug, organisierten Stahl und Hannemann-Mathes auch noch ein Fest, das seinesgleichen sucht. Die Gäste erlebten zehn Jahre Aufbauarbeit als ein Potpourri aus Unterhaltung, Fakten, Wissenswertem und Chronik. Von Null auf Hundert hat Chefin Cornelia Stahl für Tirschenreuth eine Sozialeinrichtung geschaffen, die es den Senioren in der Stadt ermöglicht, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Möglich wurde das durch den Aufbau eines umfangreichen Netzwerks mit 44 Sozialeinrichtungen, die Unterstützung der Trägerschaften, einem Team von 100 Ehrenamtlichen und der Zentrale. Dort ziehen Cornelia Stahl und Janka Hannemann-Mathes die Fäden beim Bewältigen der Bürokratie rund um die Seniorenarbeit in der Stadt. Es ist nicht verkehrt, von den beiden Frauen als „Engel der Älteren“ zu sprechen.
Von Gassi bis Schneeräumen
Seit es „Leben plus“ gibt, können alleinstehende Senioren und Seniorinnen, die das möchten, zahlreiche Dienste von „Leben plus“ in Anspruch nehmen. Dazu gehören Gassi gehen mit dem Hund, Einkaufen, Fahrdienste, Rasenmähen, Schnee schippen und die Möglichkeit, sich die neueste Technik im Handy erklären zu lassen. Das sind nur einige Beispiele. Neben den Diensten am Menschen bietet „Leben plus“ viele Veranstaltungen für Senioren an und mittlerweile sogar ein Familiencafé für junge Familien in der Stadt.
Bei der Feier berichteten einige Ehrenamtliche der ersten Stunde von ihren Tätigkeiten für die Älteren. Darunter ist Rosi Brunner, eine der Ersten. Sie spricht von einer erfüllenden Aufgabe: „Ich wünsche mir nur mehr junge Leute, die mithelfen“, sagte sie. Christa Fischer ist seit einem Jahr dabei und besucht Menschen, die nicht mehr selbstständig raus können. Gegen die Einsamkeit sagt sie rührend: „Mein Ohr und mein Herz sind für die Senioren da.“ Wenn es um Technik geht, ist Oli Fischer zur Stelle. Seit 2017 engagiert er sich ehrenamtlich und hat die ersten Handykurse für Senioren abgehalten.
Mehr als 200 Veranstaltungen für Senioren
Cornelia Stahl berichtete von über 200 Veranstaltungen jährlich für die ältere Generation, alle organisiert über „Leben plus“. Begonnen hat es mit 55 betreuten Senioren; heute gibt es knapp 200 Beratungen und Vermittlungen pro Jahr.
Cornelia Stahl bezeichnete es als Glücksfall, dass Janka Hannemann-Mathes im Jahr 2018 als Mitarbeiterin dazugekommen sei. Sie habe unter anderem eine Einkaufs-App für Senioren und eine App entwickelt, die Ehrenamtlichen ermöglicht, über das Handy Anfragen zu Hilfstätigkeiten zu- oder abzusagen. Die beiden Frauen hätten geradezu preisverdächtig eine Erfolgsstory erarbeitet, die inzwischen in einigen anderen Städten dankbar nachgeahmt werde. Stichwort Preise: Diese gab es tatsächlich. Cornelia Stahl erhielt für „Leben plus“ unter anderem den Bayerischen Innovationspreis Oberpfalz und erreichte sogar bundesweit den zweiten Platz des Deutschen Pflege-Innovationspreises.
Was treibt eine Frau wie Cornelia Stahl dazu, sich so sehr für die Stadt und ihre älteren Bewohner einzusetzen? Im Interview mit Thomas Bärtlein, der das Jubiläum moderierte, sagte die Quartiersmanagerin: „Es verschafft mir eine tiefe innere Zufriedenheit, wenn ich sehe, wie dankbar die Senioren sind, denen ich Beratung, Hilfe und Unterstützung zukommen lassen kann.“ Ihre Augen sprächen Bände. „Die Worte des Dankes berühren mich tief im Herzen und sind so wertvoll.“ Stahl betonte auch, dass Beratung, Hilfe und Unterstützung die Hauptaufgaben von Leben plus seien. Diese Arbeit werde vom Büro des Quartiers aus geleistet. Allerdings sei dieser Bürodienst natürlich schwer plakativ darzustellen. Für ihr Engagement erhielt sie Lob von Bürgermeister Franz Stahl, der von einer großen Bereicherung und einem Mehrwert in Tirschenreuth durch „Leben plus“ sprach. Die BRK-Kreisvorsitzende Marion Höcht schloss sich diesem Lob gerne an.

















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