26.11.2021 - 09:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gefragte Corona-Impfungen und Testtermine: Bürger werden langsam ungeduldig

Zunehmend sind Menschen verärgert, da sie keinen Impftermin im Impfzentrum Waldsassen erhalten. Die Verantwortlichen stocken die Kapazitäten auf. Schon nächste Woche sollen 3500 Impfungen stattfinden.

Ansturm auf das Testzentrum in Tirschenreuth: Kurz nach Öffnung des Testzentrums am Samstag um 13 Uhr warteten in zwei Schlangen rund 100 Personen auf einen PCR- oder POC-Antigen-Schnelltest.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Die Coronalage spitzt sich zunehmend im Landkreis Tirschenreuth zu. Mit den politischen Regeln zu 3G, 2G und 2G+ steigt der Bedarf sich testen und impfen zu lassen erheblich. Jedoch sind die Kapazitäten sowohl bei Testzentren oder im Impfzentrum heruntergefahren worden. Für die Verantwortlichen der Einrichtungen besteht nun die große Herausforderung, den Bedarf zu decken. Kapazitäten werden zwar aufgestockt, trotzdem gibt es Hürden. Das fällt auch Lesern von Oberpfalz-Medien auf.

So berichtet Stephan Andörfer aus Pleußen von seinen Eltern, die beide über 80 Jahre sind und auf ihre Booster-Impfungen warten. Anfang November wollten sie einen Termin über den Hausarzt vereinbaren, der konnte aber nur freie Termine für Ende Dezember anbieten. Über die Hotline versuchten sie über das Impfzentrum einen früheren Termin zu ergattern. Sie kamen aber nicht durch. "Meine Eltern sind im Bereich Internet auf Hilfe angewiesen", betont Andörfer. Er meldete seine Eltern, seine Frau und sich selbst über die Online-Registrierung an. Am 17. November erhielt er für den 23. Dezember für alle einen Termin.

Andörfer fühlt sich nicht ausreichend von der Politik informiert. "In den Nachrichten war angeblich zu hören, dass das ganze beschleunigt werden soll. Bloß wann und wie?", fragt er bei Oberpfalz-Medien nach. Für ihn ist die Situation unbefriedigend. "Es ist auch ärgerlich, dass es keine Priorisierung gibt." Seiner Ansicht nach werden Risikopatienten aufgrund der aktuellen Situation einem höherem Risiko überlassen, da sie keine Termine bekommen. "Da wundert es mich nicht, dass es auch zu vermehrten Impfdurchbrüchen kommt."

2000 Termine ab nächster Woche

Am Mittwoch wurde durch den Landkreis Tirschenreuth die Pressemitteilung veröffentlicht, dass nun beim Impfzentrum die Kapazitäten erhöht werden. Vergangene Woche wurden 2629 Impfungen bei Hausärzten und über das Impfzentrum durchgeführt, davon waren 449 Erstimpfungen, 323 Zweitimpfungen und 1857 Drittimpfungen (Stand: 23. November). Die Impfquote der Erstimpfungen liegt bei 65,84 Prozent. Pressesprecher Fabian Polster und Holger Schedl, Geschäftsführer vom BRK-Kreisverband, informieren über die aktuelle Situation. "Bis zur vollen Kapazität wird es noch 14 Tage dauern, aber bereits in der nächsten Woche werden wir eine deutliche höhere Auslastung liefern können. Wir hoffen nächste Woche auf insgesamt 3500 Impfungen", teilen die Verantwortlichen mit. Auf Nachfrage erklärt Polster: "Dann werden etwa 2000 Termine frei."

Noch ist davon wenig zu merken. Wer sich über das Online-Registrierungssystem "BayIMCO" einen Termin sichern möchte, muss schnell sein. Die Verantwortlichen empfehlen, hier regelmäßig nach Terminen zu suchen. Karl-Heinz Friedrich aus Waldsassen ist verärgert: "Versuchen Sie einmal, eine Booster-Impfung in der Oberpfalz, speziell im Impfzentrum Waldsassen zu erhalten - keine Chance", schreibt er Oberpfalz-Medien. Auch Peter Heidenreich aus Kemnath versuchte hier bereits sein Glück: "Es erscheinen bei Nachfrage keinerlei freie Termine ab dem aktuellen Datum, somit scheint das Impfzentrum für die nächsten Jahrzehnte ausgebucht zu sein."

Termine schnell vergriffen

Fabian Polster bestätigt, dass alle Termine im Landkreis vergeben sind. "Mit jeder Kapazitätsaufstockung werden auch kurzfristig mehr und mehr Termine verfügbar, diese sind jedoch meist innerhalb kurzer Zeit vergriffen." Jedoch müsste man nicht zwangsläufig damit rechnen, dass erst im nächsten Jahr ein Termin möglich wird. "Die Kapazitätserhöhung greift bereits ab dieser Woche und wird weiter ausgebaut."

Wer jedoch den Blick auf Termine in anderen Impfzentren wie in Weiden, Wunsiedel, Vohenstrauß, Nabburg oder Regensburg wirft, wird eher fündig als in Tirschenreuth. Ist hier die Lage besser? "Wir haben Rückmeldungen von anderen Landratsämtern erhalten, dass diese die gleichen Probleme haben wie wir", erklärt Polster. Allerdings hätten auch die Impfzentren in Weiden und Vohenstrauß erst am Mittwoch auf Terminvereinbarung umgestellt. Jeder Blick in das Portal sei eine Momentaufnahme, die sich schnell ändern könnte. Da es keine Wohnortbindung an die Impfzentren mehr gibt, können auch Termine in anderen Landkreisen oder Städten wahrgenommen werden.

Hotline für Notfälle

Otto Schröpfer aus Waldsassen hat ebenfalls vergeblich versucht, online einen Impftermin zu ergattern. "Ich habe es mehrfach telefonisch im BRK-Impfzentrum versucht, an einen Termin zu kommen, aber nach circa fünf Minuten in der Warteschleife wird man rausgeschmissen." Hat sich die Situation an der Hotline gebessert? "Die Hotline ist inzwischen ausreichend besetzt und wird sogar nochmal etwas ausgebaut", so der Pressesprecher vom Landratsamt. Er weist darauf hin, dass die Hotline nur im Notfall angerufen werden sollte, etwa wenn kein Internetzugang besteht. "Hier soll Menschen geholfen werden, die sich online nicht registrieren können."

Aber wie viele Mitarbeiter braucht das Impfzentrum noch, bis es den Bedarf an Impfungen wieder decken kann? "Stand jetzt suchen wir nochmal 25 Mitarbeiter über alle möglichen Kanäle", teilt Pressesprecher Fabian Polster mit. Da jetzt das Hochfahren schnell gehen müsse, sei es schwierig, Mitarbeiter zu finden. Es können sich Freiwillige, aber auch berufstätige Personen melden. Aufgrund des Katastrophenfalls bekommen Arbeitgeber auch den Lohn ausgeglichen. Über http://mithelfen.brk-tirschenreuth.de könne man sich an das BRK wenden.

Wer derzeit in den Arztpraxen einen Impftermin möchte, muss sich ebenfalls gedulden. Teilweise werden bestellte Impfstoffe nicht ausgeliefert, was wiederum zu Terminabsagen oder längeren Wartezeiten führe. Dr. Peter Deinlein in Kemnath erklärt auf Nachfrage am Freitag hierzu: "Die Lieferungen mit Biontech werden deutschlandweit gekürzt." Nach Rücksprache mit der Apotheke hat er erfahren, dass versprochene Liefermengen kurzfristig nicht eingehalten werden können. Jedoch werde der Impfstoff Moderna vollumfänglich ausgeliefert. Termine könnten nur dann eingehalten werden, wenn die Leute bereit sind, sich mit Moderna impfen zu lassen. Deinlein ergänzt: "Facharztpraxen steht pro Arzt die selbe Menge Impfstoff zur Verfügung wie den Hausarztpraxen." Aus diesem Grund sei es auch notwendig, dass sich möglichst viele Praxen an den Impfungen beteiligen.

122 Impfdurchbrüche

Doch nicht nur der Bedarf an Impfungen ist gestiegen, auch Corona-Tests werden vermehrt benötigt. Vergangenen Samstag etwa standen kurz nach der Öffnung des Testzentrums in Tirschenreuth um 13 Uhr rund 100 Personen an, um PCR-Tests oder Corona-Schnelltests machen zu lassen. Nachdem die Testmöglichkeiten diese Woche ausgeweitet wurden, sei die Lage derzeit für die Verantwortlichen gut zu bewältigen. Jedoch werden auch für diesen Bereich vereinzelt Mitarbeiter gesucht. "Wir haben uns im Landkreis inzwischen so organisiert, dass im westlichen und im östlichen Teil ein gutes Testangebot besteht", informieren die Verantwortlichen. Dennoch helfe jede Impfung, dass der Bedarf an Tests abnehme. Tatsächlich müssen sich aber auch vermehrt geimpfte Personen testen lassen. So gilt in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens 2G+ oder auch für den Besuch von Krankenhäusern oder Seniorenheimen ist ein Corona-Test notwendig. Wie häufig werden hier positive Fälle gefunden?

Diese Frage beantwortet Dr. Stefan Geyer, Leiter des Gesundheitsamts. Er berichtet, dass im Zeitraum von 18. November bis 25. November insgesamt 335 Coronafälle gemeldet worden sind. Bei 122 Fällen handele es sich um Impfdurchbrüche. "Als Impfduchbruch zählen vollständig geimpfte Personen mit Symptomen, die positiv getestet werden", erklärt er. Daran zeige sich, dass der Impfschutz bei vielen Personen nachlässt. "Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an den Booster-Impfungen", so Dr. Geyer.

Quarantäne auch für Geimpfte

Wird eine geimpfte Person positiv auf Corona getestet, muss sie sich unverzüglich in Quarantäne begeben. "Es wird hier nicht zwischen geimpft oder ungeimpft unterschieden", erklärt Geyer. Für Geimpfte gelten die gleichen Quarantäneregeln. "Eine Freitestung ist frühestens am Tag 7 der Isolation möglich, soweit die Person durchgehend symptomfrei war." Eine Freitestung sei über einen kostenlosen Antigen-Schnelltest oder mit einem kostenpflichtigen PCR-Test möglich.

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