07.10.2021 - 11:54 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Geldspritze gegen Bevölkerungsschwund im Landkreis Tirschenreuth

Vor 20 Jahren lebten im Landkreis rund 80.000 Einwohner. Jetzt sind es nur noch knapp 72.000. Im Kampf gegen den Bevölkerungsschwund kommt nun spezielle Unterstützung vom Freistaat.

Zum Übergabetermin mit Minister Albert Füracker (von links) waren Landrat Roland Grillmeier sowie die Bürgermeister Margit Bayer und Klaus Meyer nach München angereist.
von Jürgen UmlauftProfil

Den Landkreis Tirschenreuth trifft der Bevölkerungsrückgang seit vielen Jahren am schwersten in der Oberpfalz. Da ist es auch kein Wunder, dass er der einzige im Regierungsbezirk ist, der mit einer Sonderförderung bedacht wird: 174.000 Euro fließen für ein neues Pilotprojekt "Demografiefeste Kommune", das auf vier Jahre ausgelegt ist.

Das Geld scheint gut angelegt. Immerhin berechnete das Landesamt für Statistik vor kurzem, dass bis Ende 2039 nur noch 66.200 Einwohner in der nördlichsten Ecke der Oberpfalz leben. Das entspräche einem weiteren Rückgang von acht Prozent. Die 26 Kommunen und der Landkreis stemmen sich seit Jahren gegen diese Entwicklung. Nun kommt Schützenhilfe vom Freistaat Bayern in Form eines Förderprojektes, das individuelle Strategien unterstützt.

Der Landkreis Tirschenreuth hatte sich beworben und ist nun eine der Pilotregionen. Da ansonsten nur Kommunen und Städte ausgewählt wurden, besitzt er eine Sonderstellung und soll wichtige Daten für ganz Bayern liefern. Bei der Verleihung in München nahm Landrat Roland Grillmeier den Förderbescheid entgegen. Begleitet wurde er von Bürgermeisterin Margit Bayer (Waldershof) und Bürgermeister Klaus Meyer (Bad Neualbenreuth). Diese beiden Kommunen hatten sich, wie auch die Gemeinde Mähring, einzeln als Pilotregion beworben. Daher soll ein besonderer Fokus auf diese drei Orte gerichtet werden.

„Für uns als Landkreis ist es ein sehr wichtiges Zeichen, hier ausgewählt worden zu sein“, bedankte sich Grillmeier. „Bereits seit 24 Jahren widme ich mich auch persönlich diesem Thema und arbeite an Ideen zur Bewältigung des Demografiewandels.“ Viele Konzepte seien entstanden, sieht Grillmeier den Umschwung schon gelungen: „Der Landkreis ist seit einigen Jahren einer der dynamischsten in ganz Bayern. Dies wollen wir nun als Pilotregion aktiv fortsetzen.“ Finanz- und Heimatminister Albert Füracker lobte die Region: „Der Landkreis Tirschenreuth hat bereits viele Anstrengungen unternommen und verschiedene Initiativen ergriffen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.“

Konkret soll mit dem Geld nun im Landkreis in vier Schritten eine Heimat- und Demografiestrategie entwickelt werden, wie das Landratsamt mitteilt. Zunächst gibt es eine konkrete Analyse der Situation vor Ort, anschließend soll ein breiter Beteiligungsprozess der Bevölkerung angestoßen werden, gefolgt von Strategien mit externer Beratung und ersten Maßnahmen zur Umsetzung.

Zuletzt verlor der Landkreis in einem Jahr 350 Bürger

Tirschenreuth
Albert Füracker (links) übergab Landrat Roland Grillmeier den Förderbescheid.
Eine gute Mischung aus Jung und alt ist für jede Region erstrebenswert. Im Landkreis Tirschenreuth gibt es viele Ansätze, die Orte lebenswert für alle Generationen zu gestalten. Das Pilotprojekt "Demokratiefeste Kommune" soll für eine fundierte Analyse sorgen.
Hintergrund:

Bevölkerungsprognose für die Oberpfalz

Das Stadt-Land-Gefälle in der Oberpfalz spitzt sich weiter zu. In der jüngsten Vorausberechnung haben die Statistiker vom Landesamt zwar ein Plus von 1,4 Prozent bis Ende 2039 berechnet. Vor allem im Norden drohen jedoch größere Verluste.

  • 8,1 Prozent weniger Einwohner sollen es im Landkreis Tirschenreuth in 18 Jahren sein.
  • Ein Verlust wird auch in den Städten Amberg (-4,2 Prozent), Weiden (-4,1), im Kreis Neustadt/WN (-4,1) und Amberg-Sulzbach (-2,7) erwartet.
  • Im Landkreis Cham wird keine große Veränderung prognostiziert.
  • Ein Plus soll es in der Stadt Regensburg (4,5 Prozent), den Kreisen Schwandorf (3,3), Neumarkt (6,1) und Regensburg (6,3) geben.

„Für uns als Landkreis ist es ein sehr wichtiges Zeichen, hier ausgewählt worden zu sein.“

Landrat Roland Grillmeier

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