18.06.2021 - 11:48 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kleines Haus mit großer Geschichte

Das Hirthaus in Hohenwald ist nicht nur aufwendig sanierte Geschichte. Das Gebäude hat gerade für die Dorfgemeinschaft einen besonderen Wert.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Das alte Hirthäuschen stand viele Jahre eher unauffällig am Rande der Ortsstraße,es war lange Zeit auch nicht mehr genutzt worden. Nach der Sanierung kann das Gebäude für Hohenwald jetzt die Funktion eines Treffpunkts für die Ortsgemeinschaft übernehmen.

Mit großem Engagement wurden zusammen mit der Stadt schon vor 15 Jahren die ersten Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Nachdem der Dorfstadel vorübergehend als Treff genutzt wurde, kann dafür jetzt das Hirthaus dienen. "Und das ist gut so", blickt Bürgermeister Franz Stahl auf die Maßnahme, denn das Dorf lebe auch von den rührigen Einwohnern und Vereinen. Und die bräuchten auch eine Möglichkeit, um zusammenzukommen. Am Sonntag steht endlich die Einweihung im Kalender.

77 600 Euro für die Stadt

Eine günstige Maßnahme war die Sanierung des Hirthauses auch mit den umfassenden Eigenleistungen nicht. Immerhin sind in den vergangenen Jahren rund 264 000 Euro an Kosten aufgelaufen. Einen geplanten Rastplatz, der am Gebäude entstehen soll, nicht eingerechnet. Dank der Förderung von verschiedenen Stellen, darunter ALE (130 900 Euro), Denkmalschutz (20 000 Euro), Landesstiftung (18 800 Euro), Bezirk (11 800 Euro) und Landkreis (5000 Euro) sind am Ende bei der Stadt allerdings nur 77 600 Euro verblieben. Für Bürgermeister Franz Stahl eine gute Investition. "Der Gemeinschaftstreff ist wichtig für das gesellschaftliche Leben in der Ortschaft und damit auch für die soziale Struktur", bescheinigt Stahl. Mit Blick auf die Baumaßnahme gibt sich der Bürgermeister aber auch beeindruckt von den Eigenleistungen der Hohenwalder. Das habe den Stadtrat und ihn motiviert, die Maßnahme zu unterstützen. "Der Einsatz und die Rolle der Dorfgemeinschaft bei der Sanierung sind herausragend", betont Stahl.

Bis zur Nutzung ihres neuen Gemeinschaftshauses war von den Hohenwaldern aber einiges an Geduld gefordert. Noch unter dem früheren Stadtbaumeister Karl Zintl starteten 2005/2006 die ersten Arbeiten. Der frühere Stadtrat Bernhard Bäuml hatte das Projekt angestoßen und von Anfang an die Dorfgemeinschaft als aktive Kraft mit beisteuern können. Der frühere Ortssprecher Johann Schmid und seit 2020 sein Nachfolger Johannes Bäuml haben die Arbeiten der Einwohner organisiert. Dabei wurde unter anderem gerodet, der Außenputz entfernt, Leitungen eingezogen sowie die Dämmung eingebaut und die Dielenbretter verlegt.

38 Quadratmeter

Nach dem Start der Maßnahme, bei dem es um die Sicherung des Gebäudes und die Sanierung des Dachstuhls ging, konzentrierten sich die Aktivitäten allerdings auf den Dorfstadel, der neben dem alten Häuschen entstand. Die Einweihung des Baus erfolgte 2008. Damit hatte die Ortschaft wieder einen "Dorfmittelpunkt", verlor aber das Hirthaus dabei nicht aus den Augen. Weiter ging es mit der Maßnahme in den Jahren seit 2017. Dabei standen eine Trockenlegung innen und außen sowie die Installation von Strom- und Wasserleitungen im Plan. Um eine entsprechende Höhe in den drei Innenräumen, die zusammen gerade 38 Quadratmeter aufweisen, zu erreichen, mussten auch Ausgrabungen stattfinden. Jetzt finden sich im Hirthaus eine Küche, ein Aufenthaltsraum sowie in kleiner Lagerraum.

In diesem Jahr soll an dem Gebäude noch ein Rastplatz entstehen. Eine Förderung erwartet die Stadt dabei aus dem Regionalbudget der Ikom Stiftland. Denn das Hirthaus, so Stahl, stehe auch gut gelegen an einem Einstiegspunkt in die Waldnaabauen. Parkplätze seien ebenfalls vorhanden.

Beim Tag des offenen Denkmals 2018 war auch das Hirthaus eingebunden

Tirschenreuth
Hintergrund:

Ältestes Zeugnis für Dorf Hohenwald

Seit fast 250 Jahren gibt es das Hirthaus in Hohenwald. Die Schafzucht war bereits seit dem Mittelalter ein Wirtschaftszweig in der kleinen Ortschaft westlich von Tirschenreuth.

  • Die Zahl 1776, sichtbar an einem Holzbalken, verweist auf das wahrscheinliche Entstehungsjahr des Hirthauses.
  • Das Hohenwalder Hirthaus ist eines der letzten in der Oberpfalz und damit einmalig in der Region. Das Gebäude ist auch das älteste Zeugnis des Dorfes Hohenwald
  • Das Hirthaus war eine Art Genossenschaftshaus in Dorfeigentum, das einem Hirten überlassen wurde.
  • Nach dem Ende der Hirtentradition um 1945 wohnten bis zu zehn Heimatvertriebe auf den rund 38 Quadratmetern. Das Haus war dann noch bis in die 1990er Jahre bewohnt.
  • Die Stadt und die Hohenwalder wollen diese Historie nicht vergessen. Deshalb wurde in den vergangenen Jahren die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäude vorgenomnmen

"Der Gemeinschaftstreff ist wichtig für das gesellschaftliche Leben in der Ortschaft und damit auch für die soziale Struktur."

Bürgermeister Franz Stahl

 

 

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