15.04.2021 - 18:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth durchbricht Negativspirale

Was macht der Landkreis Tirschenreuth anders als noch am Anfang des Jahres, als die Coronazahlen in die Höhe schnellten? Für Landrat Roland Grillmeier sind die Unterschiede nicht groß.

Das Landratsamt veröffentlicht wöchentlich aufsummierte Zahlen der Corona-Infektionen pro Gemeinde. Nicht in dieser Grafik angezeigt wird ein tschechischer Fall, der noch zu Beginn der Krise bei den Gesamtzahlen erfasst wurde.
von Martin Maier Kontakt Profil

Während in den meisten Städten und Landkreisen in Deutschland die Coronzahlen ansteigen, entwickelt sich die Situation im Landkreis Tirschenreuth in die andere Richtung. Am Donnerstag lag die 7-Tage-Inzidenz bei 76. Und auch am Freitag dürfte sich der Wert in diesem Bereich einpendeln. Der Landkreis hat damit bayernweit die niedrigste Inzidenz. Die Vorbereitungen für Lockerungen ab Sonntag, 18. April, laufen.

In einem sehr ausführlichen Mitteilung nahm Landrat Roland Grillmeier zur aktuellen Situation Stellung: Auch wenn er sich freue, müsse „man diesen ‚Erfolg‘ nicht groß feiern“. Dabei erinnert er auch an Januar und Februar, als die Coronazahlen im Landkreis in die Höhe schossen. Zwischenzeitlich hatte der Kreis sogar deutschlandweit die höchste Inzidenz (9. Februar: 393). Viele überregionale Medienanfragen hätten ihn damals erreicht. Der Landrat spricht dabei auch von „Vorhaltungen und Pauschalkritik“. Dies habe ihn genervt und sei auch nicht angebracht gewesen.

Tschechien wichtiger Partner

„Wir machen nicht vieles anders als noch im Januar, aber im Januar überrollte uns die dritte Welle – auch aus Richtung Tschechien. Für die Lage unseres Landkreises können wir nicht viel dafür“, beurteilt Grillmeier die Lage. Dass viele Firmen und auch der Handel auf tschechische Grenzpendler oder Kunden angewiesen seien und dass das Miteinander im Grenzland normal sein sollte, dies habe er damals festgestellt und stelle es auch noch heute fest. „Nur mit dem Finger auf unsere tschechischen Nachbarn zu zeigen, bringt uns nicht viel.“ Auch die Entwicklung im Nachbarland sei positiv. Beispielsweise lag die Inzidenz im Kreis Eger am Donnerstag bei 51.

„Das zögerliche Handeln an der Grenze durch Bund und Land brachte uns womöglich die dritte Welle etwas früher als in anderen Regionen; diese zeigten dann zum Teil gemeinsam mit Medien auf uns. Das werde ich aber heute nicht tun.“ Denn das Handeln in derartigen Zeiten sei nicht einfach, „da man kaum etwas richtig bzw. es vielen auch nicht mehr recht machen kann“.

"Nach den Erfolgen kann es auch bei uns wieder in die andere Richtung gehen. Ein Stück weit hat dies jeder selbst mit in der Hand."

Landrat Roland Grillmeier

Als einen Grund für das Sinken der Coronazahlen sieht der Landrat die konsequentere Führung von Firmenlisten und die Nachverfolgung in Richtung Arbeitsplätze. Die Betriebe hätten zudem vor Ort explizite Hinweise erhalten, wo Arbeitsschutz und Hygiene verbessert werden können. Auch die Wirtschaftsförderung habe dabei enormes geleistet. Rund 22.000 Corona-Tests seien an mehr als 100 Firmen ausgegeben worden. Zudem vergisst Grillmeier auch nicht, die Eigeninitiativen vieler Firmen hervorzuheben.

Mutationsquote bei 86 Prozent

Und der Landrat warnt: „Nach den Erfolgen kann es auch bei uns wieder in die andere Richtung gehen. Wenn Öffnungen unter einer Inzidenz von 100 kommen, können diese in wenigen Tagen wieder dahin sein. Ein Stück weit hat dies jeder selbst mit in der Hand.“ Er setze sich weiter für vorsichtige Öffnungsschritte ein. Die Entwicklung im Landkreis habe gezeigt, „dass man sich selbst ein Stück mit Engagement, Disziplin und Einsatz herausarbeiten kann“. Besserwisser und Kritiker würden dazu meist wenig beitragen, sondern Menschen, die Zusammenstehen und sich engagieren.

Am Donnerstag meldete das Landratsamt acht Corona-Neuinfizierte. Zudem gab es einen Todesfall zu beklagen. Dabei handelte es sich um eine Person (Anfang 70) mit Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der Covid-19-Toten steigt damit auf 256.

Bei den wöchentliche Coronazahlen auf Gemeindeebene zeigt sich, dass es momentan keine Hotspots im Landkreis gibt. Insgesamt wurden in den vergangenen sieben Tagen 55 neue Fälle registriert. Die Mutationsquote lag in der vergangenen Kalenderwoche bei 86 Prozent. Auch von den Testzentren und Teststationen veröffentlichte die Behörde neue Zahlen: Dort wurden von 1. bis 14. April 13.697 Test durchgeführt. Darunter fallen auch 4.623 Schnelltests bei tschechischen Grenzpendlern, wovon 7 positiv waren.

So laufen die Schritte zu den Lockerungen ab

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