21.03.2021 - 13:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth rollt Ärzten roten Teppich aus

Mit guten Worten ist das wachsende Hausarztproblem kaum zu lösen. Jetzt nimmt der Landkreis Geld in die Hand, um eine Unterversorgung abzuwenden. Das neue Konzept ist auf drei Jahre angelegt und soll schon im Juli starten.

Wo bitte geht's zum nächsten Arzt? Damit die Wege zu den Praxen nicht noch weiter werden, setzt der Landkreis auf ein neues Versorgungskonzept.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

In vielen medizinischen Bereichen ist der Landkreis Tirschenreuth nicht gerade üppig besetzt. Vor allem bei den Hausärzten, in der Kindermedizin und Gynäkologie, aber auch in der ambulanten Heimversorgung drohen größere Lücken. Mit allen Mitteln soll ein innovatives Konzept gegensteuern, das der Kreisausschuss jetzt einstimmig auf den Weg brachte.

Kernstück ist die personelle Besetzung einer Koordinierungsstelle, die ab dem Sommer drei Jahre lang loslegen soll. Die Stelle eines "Projektkümmerers" wird mit jährlich 75.000 Euro gefördert, für Öffentlichkeitsarbeit fließen jeweils weitere 25.000 Euro. Diese Kosten teilen sich der Landkreis Tirschenreuth und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

"Wir rollen den roten Teppich für Ärzte aus – vom Studium bis zur Niederlassung", umschrieb Dr. Peter Deinlein das Ziel. Der Verbindungsarzt der Kassenärztlichen Vereinigung hat das Konzept mit Regionalmanager Florian Rüth ausgearbeitet und präsentierte es dem Kreisausschuss. Wichtige Bestandteile sind ein Nachwuchsnetzwerk und die Förderung von Lehrpraxen auf dem Land als Hausarztschmieden: "Praktikumsplätze zu finden ist für angehende Ärzte nicht immer einfach", schilderte Deinlein. Die klinische Weiterbildung soll durch die Förderung von zwei Rotationsstellen für künftige Allgemeinmediziner ausgebaut werden. Bedingung ist, dass der Teil Innere Medizin in den Häusern Tirschenreuth oder Kemnath absolviert und zusätzlich 24 Monate in einer Hausarztpraxis im Landkreis absolviert werden.

Das Konzept werde mit dem LGL abgestimmt und demnächst eingereicht, sagte Florian Rüth: "Am 1. Juli 2021 wollen wir starten." Das Projekt trage durchaus regionalspezifischen Bedürfnissen Rechnung. So spiele die Sprachproblematik vieler Zuwanderer und Migranten eine Rolle. Beim Abbau der Sprachbarrieren zwischen Ärzten und Patienten sei auch der Integrationslotse des Landkreises gefordert.

"Die Stelle des Kümmerers ist essenziell", nannte Rüth den Kern des Konzepts. Eine Beschäftigung sei direkt beim Landkreis oder über einen Werksvertrag denkbar. Dr. Deinlein sagte auf Nachfrage, dass ihm bereits eine konkrete Besetzung vorschwebe: Eine Absolventin des Studiengangs Gesundheitsökonomie aus der Region könne frische Ideen einbringen.

Bei den politisch Verantwortlichen stieß das Konzept auf große Zustimmung. "Wir hätten schon vor Jahren damit beginnen sollen", sagte Landrat Roland Grillmeier. "Dann könnten wir heute die Früchte ernten", ergänzte CSU-Sprecher Bernd Sommer. Man habe lange genug gejammert. Jetzt gelte es, für junge Mediziner attraktiv zu werden. Die Einbindung der niedergelassenen Ärzte und der Kliniken AG gefiel Hans Klupp (Freie Wähler) besonders. Auch Uli Roth (SPD) äußerte uneingeschränkte Zustimmung. Matthias Grundler (Liste Zukunft) hoffte, dass durch das Konzept "Spirit geschaffen wird, der weit über Ärztekreise hinausgeht". Grünen-Vertreterin Heidrun Schelzke-Deubzer hielt auch den Kostenrahmen für absolut vertretbar: "Es ist wichtig, das Heft in die Hand zu nehmen und nicht auf die große Politik zu warten, denn da kann man lange warten."

"Wir rollen den roten Teppich für Ärzte aus – vom Studium bis zur Niederlassung."

Dr. Peter Deinlein

Dr. Peter Deinlein

Interview mit Dr. Peter Deinlein über den Ärztemangel im Landkreis

Kemnath
Hintergrund:

Aufgaben der neuen Koordinierungsstelle

  • Konzept Hausarztschmiede
  • Aufbau eines Registers der Ärzteversorgung (Bedarfsanalyse, Erreichbarkeit)
  • Rückkehrer-Datenbank, Akquise in Kooperation mit den Kommunen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Einbindung relevanter Praxen und Universitäten
  • Netzwerkmanagement
  • Einbindung von Ehrenamtsgruppen für neu Zugewanderte, Sprachkurse
  • Fortbildungen, Workshops (z. B. mit Pflegeheimen)
  • Übertragung der Ergebnisse auf die Gesundheitsregion Nordoberpfalz
  • Dokumentation und Evaluierung

 

 

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