19.05.2021 - 13:57 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth trägt Einwände gegen Stromtrasse mit

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Der Verlauf der Höchstspannungstrasse ruft an vielen Orten Widerstand hervor. Auch im Landkreis Tirschenreuth gibt es Bedenken. Doch die Zweifel wachsen, ob sie gehört werden.

Noch gibt es keine Gleichstrom-Erdkabel des Süd-Ost-Links durch den Landkreis Tirschenreuth. Das Bild zeigt Arbeiten an der Stromtrasse Nord-Link bei Büsum.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Zum wiederholten Mal war der Süd-Ost-Link ein Thema im Kreisausschuss. Diesmal ging es in Vorbereitung auf die Planfeststellung um eine Stellungnahme an die Bundesnetzagentur. Wie Regierungsdirektorin Regina Kestel erklärte, ist nun Klein Rogahn bei Schwerin statt Wolmirstedt bei Magdeburg der Anfangspunkt der Stromautobahn bis zum Kernkraftwerk Isar bei Landshut.

Die Stellungnahme des Landkreises bemängelt zunächst den coronabedingten Verzicht auf mündliche Antragskonferenzen. Der fachliche und rechtliche Austausch sei dadurch nicht mehr gewährleistet. Auf Kritik stößt auch der neue Plan, zunächst zwischen Wolmirstedt und Isar die Kabel zu verlegen und parallel dazu Schutzrohre für eine zweite Leitung, die jedoch bedarfsgerecht ab Schwerin erst in fünf Jahren befüllt werden soll. Das sei ein unnötiger Eingriff in den Boden, bemängelt der Landkreis die zweiten Grabungsarbeiten, die dann im Abstand von 1 bis 1,5 Kilometern nötig würden.

Zerschneidung von Themenreuth

Den Einwänden der Gemeinden Leonberg und Plößberg schloss sich der Landkreis inhaltlich voll an. Nicht hinnehmbar sei die Zerschneidung des Ortes Themenreuth, eine alternative Trassenführung sei mit den Naturschutzbehörden abzustimmen. Im Bereich Liebenstein werden die Bedenken des Marktes Plößberg geteilt, dass die Stromtrasse die Entwicklung des Kartonagenwerks beeinträchtigen würde. Auch die Einwände der Städte Tirschenreuth und Mitterteich sowie der Marktgemeinde Konnersreuth vertritt der Landkreis in seiner Stellungnahme mit.

Keine Transparenz

"Die Meinungen werden erst groß abgefragt, aber dann hört man nichts mehr", gab Landrat Roland Grillmeier seinen Eindruck des ganzen Verfahrens wieder. Es sei mehr als ärgerlich, dass auf Einwände überhaupt keine Reaktion erfolge, sprach Hans Klupp (Freie Wähler) von Mängeln im Verfahren: "So kann man in einem demokratischen Staat nicht mit den Bürgern umgehen."

Auch Bernd Sommer (CSU) vermisste vertrauensbildende Maßnahmen: "Warum wird auf Einwände nicht eingegangen?" Die Würfel für den Leitungsverlauf seien schon längst gefallen, befürchtete Matthias Grundler (Liste Zukunft). Die anfangs zugesagte Transparenz im Verfahren vermisste auch Heidrun Schelze-Deubzer (Die Grünen).

"Man kann erst gegen die Planfeststellung klagen."

Regierungsdirektorin Regina Kestel

Eines machte Regina Kestel klar: Rechtliche Schritte gegen die HGÜ-Trasse sind momentan nicht erfolgversprechend. Sie verwies auf die erst kürzlich erfolgte Abweisung einer Klage des Landkreises Wunsiedel durch ein Verwaltungsgericht. "Man kann erst gegen die Planfeststellung klagen", betonte die Regierungsdirektorin. Ob dieser Schritt dann Erfolg haben werde, sei wieder etwas anderes.

Kritische Fragen an Tennet hatte der Gemeinderat Leonberg

Leonberg

Auch im Nachbarlandkreis bleibt es beim Widerstand betroffener Gemeinden

Neustadt an der Waldnaab
Hintergrund:

Technische Daten zum Süd-Ost-Link

  • Leistung: 2 Gigawatt
  • Spannung: 525 Kilovolt
  • Übertragung: Gleichstrom
  • Länge: 523 Kilometer (Sachsen-Anhalt: 191,2 km; Thüringen: 82,8 km; Bayern: 260,3 km).
  • Netzbetreiber: Tennet TSO und 50-Hertz Transmission
  • Kosten: 5 Milliarden Euro (nach Angaben von Tennet). Die Bundesregierung will das überregionale Stromnetz für sehr viel Geld ausbauen. 95 Milliarden Euro sind bis zum Jahr 2035 veranschlagt, davon allein 15 Milliarden Euro für die Gleichstromerdkabel Süd-Link und Süd-Ost-Link. Davon 5 Milliarden Euro für den Süd-Ost-Link.
  • Zweck: Die Leitungen sollen laut Bundesnetzagentur in erster Linie Strom aus Erneuerbaren Energien von Nord- und Ostdeutschland nach Bayern transportieren. Dass die Leitungen der Energiewende dienen, wird vielerorts von einer kritischen Masse bezweifelt.

 

 

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